10 Dinge, die in eine Hundehausapotheke gehören

by - Dienstag, April 07, 2015

Hallo ihr Lieben,

die Mama und ich haben uns überlegt, für euch eine neue Kategorie ins Leben zu rufen: "Frag den Arzt". Hierbei stellt uns Maren, eine ganz tolle Tierärztin mit Rat und Tat zur Seite. Wir hoffen, euch so einige Anregungen und Hinweise geben zu können.



Eigentlich sollte unser erster Post sich mit dem Thema "Erste Hilfe am Hund" beschäftigen. Mit dem Thema ist uns die Neele von Fiffibene zuvorgekommen. Da ihr Artikel aber so toll war, dass wir nichts zu beanstanden oder hinzuzufügen hätten, möchten wir euch an der Stelle an ihren Artikel verweisen.

So haben wir uns in unserem ersten Tierarzt-Post mit dem Thema "10 Dinge, die in eine Hundehausapotheke gehören" beschäftigt. Zuvor möchte sich Maren aber auch persönlich vorstellen.

Hallo liebe Abbyfreunde,

zum ersten Mal schreibe ich in Abbys Blog und möchte mich deshalb kurz vorstellen.
Ich heiße Maren, bin 32 Jahre, wohne (noch) in Leipzig und bin Tierärztin.
Geboren bin ich in Hamburg, aufgewachsen dann in Wiesbaden als „kleine Schwester“ eines großen roten Katers – Boris Zeus. Er fand mich eher überflüssig :-D.
Von meiner Großmutter bekam ich ein Buch „Das bin ich mit 7“ geschenkt. Hier konnte man reinmalen oder auch reinschreiben was einen mit 7 so bewegt. Auf die Frage was man denn mal werden will habe ich geschrieben: Tier Erzten. Es war also sehr früh klar wohin mein Weg gehen soll.
Zur Einschulung bekam ich dann mein erstes eigenes Haustier: Pummel. Ein Meerschweinchen. Zum Glück war er nicht lang allein, denn er wurde bald kastriert und bekam dann seine Freundin Pauline. Was soll ich sagen, ich habe bis heute Meerschweinchen und möchte sie nicht missen.
Schon als Kind habe ich alle möglichen Tiere beobachtet, angeschleppt zum Pflegen, bin reiten gegangen und wollte immer einen Hund. Aber mehr als Pflegehunde durfte ich leider nicht.
Mit meinem Schülerpraktikum habe ich mir dann den ersten kleinen Traum erfüllt und habe ein Praktikum bei meinem Haustierarzt gemacht. Ich habe in der Zeit schon viel gesehen und gelernt und wusste immer mehr, dass ich Tierärztin werden will. Lange Jahre habe ich dann als Tierarzthelferin gearbeitet und so schon viele Einblicke in den Beruf des Tierarztes gewinnen können.
Mit fast 19 habe ich mir dann erstmal einen anderen großen Traum erfüllt: meinen ersten eigenen Hund! Meinen Seelenhund Kayah! Sie ist heute fast 14 Jahre alt und immer an meiner Seite. Ein Tierschutzhund – von Anfang an war für mich klar, dass es nur ein Tierschutzhund werden kann. Sie ist etwas anders als andere Hunde. Trotzdem, oder gerade deswegen, liebe ich sie sehr.
Ich habe dann einige Jahre Pflegestelle gemacht. Nachdem ich meine letzte Pflegehündin erfolgreich an meine Eltern vermittelt hatte, zog ein zweiter eigener Hund bei mir ein. Der schon in die Jahre gekommene Staffordmix Panda.
Mit Panda und Kayah an meiner Seite verwirklichte sich dann mein nächster großer Traum: endlich einen Studienplatz in Leipzig für Tiermedizin.
Einige Monate vorm Physikum musste ich Panda aufgrund eines Lebertumors einschläfern lassen. Fünf Jahre und einen Tag hat er mich treu begleitet.
Ich hatte mich sehr an das Leben mit zwei Hunden gewöhnt, so dass wieder ein zweiter Hund einziehen sollte. Eine Hündin aus dem Tierschutz. Die fand ich dann im Tierheim Oelzschau. Rosa, die heute Matilda heißt, wohnt nun seit etwas über 4 Jahren bei mir. Eine Mischung aus Genie und Wahnsinn, die immer mal zeigt, dass der Teufel Hörner hat. Sie hat mich zum Hundesport gebracht. Wir machen Dogdance und Dummyarbeit.
Die Zeit des Studiums der Tiermedizin war eine harte, aber auch sehr schöne Zeit (mal mehr, mal weniger). Man steht all die Semester schon enorm unter Druck und meine Hunde waren da immer eine willkommene Abwechslung zum Seele baumeln lassen. 
Schon kurz vor dem Beginn des Tiermedizinstudiums habe ich angefangen im Zoo Leipzig als Zoolotse zu arbeiten. Ich mache also Führungen für Besucher und liebe diesen Nebenjob sehr.
Zum Anfang des Studiums wollte ich unbedingt Rinderpraktikerin werden. Doch mehr und mehr wuchs mein Interesse an Zoo- und Wildtieren. Und umso klinischer das Studium wurde umso spannender fand ich Innere Medizin Kleintier. Mein Praktikum in einer Kleintierklinik hat diese Begeisterung nur noch untermauert.
Trotzdem bin ich noch nicht ganz sicher wohin die Reise gehen soll. Erstmal schreibe ich jetzt meine Doktorarbeit und mache mir noch etwas Gedanken. Optimal wäre wahrscheinlich eine Kleintierklinik im Norden Deutschlands, die einen Zoo betreut. Mal sehen was die Zukunft für mich bereithält….

Kommen wir aber jetzt zu unserem eigentlichen Thema:

Die Hundehausapotheke – Was sollte drin sein? 

Octeniseptspray. 
Octeniseptspray nutzt ihr zur Desinfektion der Haut z.B. bei oberflächlichen Schürfwunden.
Ihr bekommt es rezeptfrei in der Apotheke. Es ist ein Desinfektionsmittel mit dem Vorteil, dass es nicht brennt.

Isotonische Natriumchloridlösung (NaCl).
NaCl bekommt ihr z.B. bei eurem Tierarzt. Lasst euch ein paar 5ml Spritzen mitgeben, so dass es für euch leichter anwendbar ist.
Es eignet sich sehr gut zum Spülen z.B. wenn Verschmutzungen im Auge sind oder wenn man Schmutzpartikel von oberflächlichen Wunden spülen möchte. Isoton bedeutet den gleichen osmotischen Druck wie das Blut.

Zinksalbe zum Auftragen auf die Haut.
Zinksalbe enthält unter anderem Zinkoxid. Das wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und adstringierend. Adstringierend bedeutet zusammenziehend, so dass kleinere Blutungen gestillt werden können. Hier reicht die aus dem Drogeriemarkt eures Vertrauens völlig aus. Ihr könnt es z.B. im Anschluss an die Desinfektion mit Octenisept auf die oberflächliche Wunde auftragen.

Betaisodona Mundantiseptikum.
Das bekommt ihr in der Apotheke. Ihr braucht nicht unbedingt Betaisodona und Octenisept.
Betaisodona ist eine Iodlösung, die genauso wie Octenisept bei Hautwunden eingesetzt werden kann. Zusätzlich kann es bei kleineren Verletzungen im Maul angewendet werden. Hierfür etwas Betaisodona auf ein Ohrenstäbchen geben und dann die kleine Verletzung der Maulschleimhaut damit betupfen.

Kohlesuspension bzw. Kohletabletten.
Hier sind die aus der Humanmedizin erlaubt. Der Wirkstoff ist medizinische Kohle. Die Anwendungsgebiete medizinischer Kohle sind Durchfall und –ganz wichtig- Vergiftungen. Kohle ist quasi ein Universalantidot bei Toxinen (=Gifte), die der Hund oral aufgenommen hat.
Es ersetzt nicht den Gang zum Tierarzt! Trotzdem könnt ihr es oral eingeben bevor ihr euch im (eventuell vorliegenden) Vergiftungsfall auf den Weg zum Tierarzt macht und teilt dem Tierarzt bei Ankunft in der Praxis/Klinik bitte sofort mit, dass ihr bereits Kohle eingegeben habt und wie viel. Ungeeignet ist die Gabe von Kohle bei Vergiftungen mit Alkohol, aliphatischen Kohlenwasserstoffe (z.B. Ethylen), Ethylenglykol (Frostschutzmittel), Cyanide, Nitrit, Schwermetalle (z.B. Blei, Eisen, Kupfer, Zink etc.), organische Lösungsmittel (findet man z.B. in Farbe oder Klebstoff), starke Laugen und Säuren.
Die Tabletten haben eine kleinere Oberfläche und sind somit weniger wirksam als die Kohlesuspension. Wenn ihr die Tabletten nehmt, dann zerreibt sie am besten vorher in einem Mörser.

Dystikum.
Dystikum ist ein ganz tolles Arzneimittel gegen Durchfall. Ihr erhaltet es bei eurem Tierarzt. Es ist ein Pulver in kleinen Tüten und enthält als Wirkstoff Huminsäuren. Dystikum wird unters Futter gemischt mit 0,5g Dystikum/kg Körpergewicht des Hundes/Tag.

Hat euer Hund plötzlich breiigen bis wässrigen Kot, ist aber ansonsten munter, dann empfehle ich Folgendes: den Tag, wo es euch aufgefallen ist,  hungern lassen. Danach Milchreis mit Hühnerbrühpulver in Wasser kochen bis der Reis fast schon matschig ist. Dazu gekochtes Hühnchenfleisch und Hüttenkäse. Diese Diät auf mehrere kleine Portionen verteilen und möglichst lauwarm verfüttern. Gleich bei der 1. Portion die Hälfte der Tagesmenge Dystikum dazu geben.
Beispiel: euer Hund wiegt 10kg. Dann bekommt der 0,5g Dystikum x 10kg = 5g Dystikum pro Tag, also bei der 1. Portion 2,5g Dystikum.
Sollte der Durchfall sich verändern, z.B. blutig werden, euer Hund verändert sich vom Verhalten her oder der Durchfall ist an Tag 3 nicht weg, dann bitte sofort zum Tierarzt gehen!

Augen- und Nasensalbe von Bepanthen.
Sollte euer Hund eine Verletzung oder Entzündung des Auges haben, dann bitte sofort zum Tierarzt. Es muss zum unter anderem schnellstmöglich geguckt werden, ob ein Hornhautdefekt vorliegt.
Bei kleinen Verletzungen in der Nähe des Auges, bei kleinen Verletzungen oder Rauigkeit der Nase kann die Salbe problemlos eingesetzt werden.

In meiner Zeit als Tierarzthelferin und in meinen Praktika habe ich viel gesehen und auch viel was vermeidbar gewesen wäre. Deshalb einige wichtige, unter Umständen lebenswichtige, Informationen für euch bezüglich Arzneimittel und Tiere.
Nur wenige Arzneimittel, die für den Menschen zugelassen sind, dürfen beim Tier angewendet werden. Es gibt Wirkstoffe, die lebensbedrohliche Folgen haben können. Zum Beispiel Paracetamol bei der Katze, da die Katze eine sogenannte Glucoronidierungsschwäche hat.
Der Titel des Themas ist zwar „Hundehausapotheke“, aber der Tierbesitzer darf sich laut Gesetz nicht mit Arzneimitteln bevorraten. Das bedeutet, dass ihr nicht einfach mal eine Packung Schmerzmittel, 10 Packungen Antibiotika und Cortison zu Hause rumstehen haben dürft für den Fall, dass…
Setzt bitte nicht einfach ohne Absprache mit eurem Tierarzt Medikamente ein. Die Symptome können sich verschlimmern oder aber es ist keine korrekte Diagnosestellung mehr möglich.
Bei einigen Arzneimitteln habe ich immer wieder geschrieben „oberflächliche“ Wunden, Schürfwunden etc. Bisswunden sind KEINE oberflächlichen Wunden. Auch wenn man nur ein kleines Loch sieht kann das nur die Spitze des Eisbergs sein. Oftmals hat man einen richtigen Kanal, der unter der Haut entlang geht. Jede Bisswunde sollte also sicherheitshalber direkt einem Tierarzt vorgestellt werden. Bitte keinerlei Anwendung der oben genannten Arzneimittel bei Bissverletzungen!

Neben den Arzneimitteln sollte eure Hundehausapotheke noch folgendes enthalten:

Verbandsmaterial.
Das bekommt ihr beim Tierarzt. Watte für die Zwischenzehen (an der Vordergliedmaße die Daumenkralle nicht vergessen), Polsterwatte und elastische, selbsthaftende Binde. Lasst euch zeigen wie genau ein Verband geht und übt es an eurem Hund, so dass ihr im Notfall schnell handeln könnt.

Zeckenzange und Flohkamm.

Fieberthermometer.

Die Normaltemperatur des Hundes liegt bei 38 -38,5°C. Ab einer Temperatur von über 39°C muss ein Tierarzt aufgesucht werden. 

An der Stelle erst einmal ein großes Dankeschön an Maren!

Wie handhabt ihr das - habt ihr eine Hundehausapotheke zu Hause? Wenn ja, was ist drin?

Liebe Grüße
Abby

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8 Kommentare

  1. Danke für diesen tollen Beitrag. Nun, eine Hundehausapotheke würde ich es nicht nennen, aber so ein paar Mittelchen für Zeckenstiche und Co, um die Entzündung zu vermeiden, haben wir daheim. Ansonsten so Sachen, die der Doc verschrieben hat, die aber nicht aufgebraucht werden. Die werden dann aufbewahrt, bis sie abgelaufen sind und anschließend entsorgt. Lustigerweise wird das hier alles in einem ausrangierten Autoverbandskasten aufbewahrt :-)

    Wuff-Wuff dein Chris

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  2. Das ist eine richtig tolle Idee! Lisa hats gelesen, ist los gewackelt und hat die Hundehausapotheke direkt auf Stand gebracht!

    LG Jérôme

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  3. Das ist ja eine tolle Rubrik, wobei wir eigentlich genug von Krankheiten haben, Die Kohletabletten kommen definitiv nicht in unsere Apotheke. Denn die Kohle verfärbt den Stuhlgang und man entdeckt schlecht, wenn Blut im Stuhl des Hundes ist. Dies passiert ja leider sehr schnell, da die Darmwand schnell durchlässig wird…

    Aber ansonsten gibt es auf der Liste Dinge, die bei uns noch nicht in der Hausapotheke sind. Wir werden sie notieren und beim nächsten TA- Besuch, fragen, was für Socke sinnvoll ist, wenn es noch fehlt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  4. Danke für die tolle Liste! Da wurden wir gleich dran erinnert, dass unser Octeniseptspray leer ist ;)
    Also was hier sonst noch so in meiner Schublade für mich bereit liegt ist Verbandsmaterial, Zeckenzange, Pinsette, Div. Homöopatische Mittelchen, ...

    Schlabbergrüße Bonjo

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  5. Eine super Liste! Drucken wir uns sofort aus! Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße
    Lotta

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  6. Guten Morgen,
    und vielen Dank für diesen informativen Artikel mit einem qualifizierten Gastautor. :)
    Manches wussten wir bereits, anderes war neu für uns - sehr hilfreich!
    Liebe Grüße, in der Hoffnung, diese Tipps so selten wie möglich brauchen zu müssen,
    Mara und Abra

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  7. Da habt ihr eine gute Idee gehabt, der Link ist auch Klasse. Andrea mit Linda hat auch Ähnliches auf das Blog, da wird man schnell findig unter Leserservice. Vielleicht verlinkst du diesen Beitrag auch so, dass man ihn IMMER schnell finden kann?
    Liebes Wuffi Isi

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  8. Danke für den tollen Beitrag. Man lernt nie aus ...
    Ich habe mir alles gewissenhaft notiert und abgeheftet.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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