Die Bitte einer jungen Mama!

by - Donnerstag, April 02, 2015

Hallo ihr Lieben,

es ist gerade 4:25 Uhr, als ich diesen Artikel vorschreibe. Mein Kleiner hatte eben Durst und liegt jetzt satt und glücklich neben mir auf dem Sofa und guckt mich an, was ich um die Uhrzeit in diesen komischen Kasten tippe.

Der Nacktwelpe wurde heute geimpft, hat die Impfung soweit gut überstanden, hat aber sehr viel geschlafen – noch mehr als sowieso schon. Deswegen hatte ich ein wenig Zeit, in diesem Internet zu surfen und habe dabei etwas gelesen, was mich nicht wirklich loslässt. Etwas, was man leider viel zu oft liest, mich inzwischen persönlich total betrifft und etwas, wo mir inzwischen die Hutschnur platzt: „Ich suche für den Hund XYZ ein neues zu Hause. Grund der Abgabe: Wir bekommen ein Baby“

BÄM! Das ungeborene Baby ist also Schuld, dass sich die 2Beiner dazu entschlossen haben, ihren Hund wegzugeben. Doch warum? Warum entschließen sich so viele werdende Eltern dazu, ihren 4beinigen Freund abzugeben, entweder ins Tierheim oder an irgendwelche Personen im Internet. Gleich vorweg: ich möchte hier niemanden verurteilen und es gibt sicher Einzelfallentscheidungen, bei denen das die richtige Entscheidung ist. Aber solche Meldungen gibt es täglich mehrfach und nicht jedes Mal kann der Hund so unverträglich mit Kindern sein.

Wenn ihr mich fragt, sind die Leute einfach faul und haben Angst vor dem, was kommt. Ja, es ist eine riesen Verantwortung ein Baby zu bekommen und das auch groß zuziehen. Schon alleine das ist eine wahnsinnige Aufgabe. Man muss nachts mehrfach aufstehen und das Baby füttern und wickeln, man muss erkennen, was seine Probleme sind wenn es weint, man muss seinen ganzen Tagesablauf nach ihm ausrichten. Einfach mal schnell einkaufen ist nicht mehr drin – alles muss abgewogen werden und aufs Baby abgestimmt werden. Aber das macht man gerne, weil man, seit dem Moment, in dem einem dieses kleine Bündel Leben auf den Bauch gelegt wurde, einfach nur noch dafür lebt. Der erste Gedanke dreht sich um das Baby, und der letzte Blick vorm Einschlafen gilt auch ihm, dass es ihm auch wirklich gut geht! Und dann ist dazwischen noch ein Hund. Den soll man dann auch noch füttern, stundenlang mit ihm rausgehen, pflegen und am besten noch bespaßen.

Sollte man sich vor der Anschaffung eines Hundes genau informieren, ob ein Hund wirklich zu einem passt, so liest man überall, dass man sich überlegen soll, ob man genug Zeit für einen Hund hat und dass man sich darüber bewusst sein sollte, dass man für die nächsten 15 Jahre Verantwortung für das Tier hat. 15 Jahre sine eine lange Zeit. Wenn man sich den Hund Anfang/Mitte 20 holt heißt das, dass der Hund wohl auch da ist, wenn man mit der Kinderplanung anfängt. Das Durchschnittsalter einer deutschen Mama, die zum ersten Mal ein Kind bekommt, liegt inzwischen bei 30 Jahren. Das ist also einfach Mathematik, dass der Hund also im besten Falle tatsächlich da ist. Selbst wenn man zur Zeit der Anschaffung des Hundes noch keinen Partner hat, sollte man dies in die langfristige Planung dennoch einbeziehen. So etwas wie Liebe soll es ja angeblich tatsächlich noch geben! (Auch wenn ich das mit Anfang 20 auch nicht geglaubt habe)

Man hat also die Frage, ob man für die nächsten 15 Jahre, wirklich Zeit für einen Hund hat mit „ja“ beantwortet und der Hund zieht bei einem ein. Man gewöhnt sich an ihn, daran, dass er immer da ist. Vielleicht ist der Hund in der Zeit ohne Partner sogar der Partnerersatz. Doch dann passiert es irgendwann doch, das Baby ist auf dem Weg. Aber was jetzt mit dem Hund? Oft kommt als Argument: “ Der Hund hat das und das Problem und außerdem würde er das Baby nicht akzeptieren!“

AHA! Der Hund hat also irgendein Erziehungsproblem. Nun liebe Hundebesitzer, man ist 9 Monate schwanger! Die ersten 3 Monate abgezogen, weil Frau da kotzend auf dem Sofa liegt und die letzten 2 Monate abgezogen, weil man sich da kaum mehr bewegen kann, bleiben also noch 4 Monate übrig. 4 Monate, in denen man endlich mal seinen Arsch hochkriegen sollte, und die Probleme, die der Hund hat, endlich anzupacken! Die hat er dann ja schließlich nicht erst seit gestern sondern schleppt sie schon eine ganze Weile mit sich rum. Sobald man schwanger ist, werden die aber plötzlich nicht mehr geduldet. Warum?

Die nächste Aussage ist, dass der Hund nicht mit dem Baby zurecht kommt. Könnt ihr hellsehen? Woher wollt ihr das wissen? Natürlich kann und möchte ich nicht über jeden Hund urteilen den ich nicht kenne. Fakt ist aber: das Baby ist ein Familienzuwachs. Sobald man schwanger ist, spüren das auch die Hunde. Abby ist anhänglicher geworden, verbellt seit dem an der Leine jeden Hund und will auf uns aufpassen - daran arbeiten wir inzwischen ihr das wieder abzugewöhnen!! Auch für den Hund bedeutet ein Baby Familienzuwachs. Und gehen wir doch mal kurz in die Biologie. Was denkt ihr, wie Hunde sich fortpflanzen? Richtig, die erfreuen sich auch der Liebe und gewisse Zeit später kommen Babies zur Welt. Ja, auch Hunde bekommen Babies, das sind dann diese süßen Welpen die alle haben wollen. Da habe ich auch noch nicht erlebt, dass ein Hund wahllos drauf losgerannt ist und die Welpen alle totgebissen hat. Warum sollte er es dann also genau bei eurem Baby machen?



Wie kommen die Leute also darauf, dass ihr Hund, der (bestenfalls) sein ganzes Leben bei ihnen gelebt hat, nicht mit dem Baby klar kommt? Wie oben schon geschrieben denke ich, dass Faulheit und Angst da eine große Rolle spielen. Angst, weil man einem neuen Lebensabschnitt vor sich hat, ein Baby, dieses unbekannte Wesen was man von Anfang an mehr liebt als irgendetwas anderes, soll man erfolgreich groß ziehen. Wenn ihr dachtet, dass man in der Hundeerziehung schon Probleme hat, wie „Darf der Hund aufs Sofa oder nicht?“ dann befasst euch nicht mit der Kindererziehung, das ist noch schlimmer.  Und Faulheit? Ja man könnte sich ja eingestehen, dass man in der Hundeerziehung bisher einiges falsch gemacht hat und müsste sich jetzt bemühen, die Fehler auszubügeln, damit sie bis zur Geburt des Kindes „behoben“ sind.

Ihr lieben, werdenden Eltern da draußen. Ich weiß genau wie ihr euch fühlt. Ich war bis vor ein paar Wochen in der selben Situation. Ich wusste nicht, wie Abby auf das Baby reagieren würde oder es sich anfühlt, wirklich ein Baby zu haben. Aber meinen 4beinigen Freund, für den ich mich vor 2 Jahren bewusst entschieden hatte weggeben, das kam für uns nicht eine Sekunde in Betracht. Wir haben uns die Arbeit gemacht und sie so gut es geht auf die neue Situation vorbereitet, ihr das Kinderzimmer gezeigt, sie durfte auf meinem Bauch schlafen, ihr beigebracht, dass sie nicht ans Babyspielzeug darf. Das war Arbeit! Das war aber Arbeit, die selbstverständlich sein sollte! Immerhin hat man hier ein Lebewesen vor sich. Ein Lebewesen, was seine Besitzer liebt und sich an ihnen orientiert. Ihr freut euch doch, wenn ihr schwanzwedelnd nach einem harten Arbeitstag begrüßt werdet, oder? Mein Mann begrüßt mich nicht halb so herzlich! Für diesen 4Beiner seid ihr der Lebensmittelpunkt. Und den wollt ihr ihm rauben, weil auch ihm die schönste Erfahrung seines Lebens bald bevorsteht?

Ja, die ersten Wochen sind schwer, nervenaufreibend und aufregend. Aber das sind sie nicht nur für uns 2Beiner. Ich weiß noch, wie zerknautscht Abby die erste Woche jeden Tag aufgestanden ist. Ihre ganze Nase war verbeult, sie sah unausgeschlafen aus  - und war es auch. Auch für sie ist es anstrengend, wenn nachts das Licht angeht und das Baby weint. Aber auch sie merkt, wenn das Baby Schmerzen hat oder es ihm nicht gut geht.

Heute wurde mein Baby geimpft, es ist zwar alles gutgegangen, dennoch hat er den ganzen Tag geschlafen – und mein Hund? Sie lag an ihn rangekuschelt da und hat ihn versucht zu trösten! In diesem Moment konnte Abby dem Kleinen wahrscheinlich mehr Wärme und Liebe geben als ich das je könnte. Und in ein paar Jahren werden die 2 die besten Freunde sein. Sie wird in seinem Deckenzelt mit ihm liegen, sich seine Geheimnisse anhören und garantiert niemandem weitererzählen. Sie wird ihm zeigen, was bedingungslose Liebe bedeutet! Und in ein paar Jahren hat sie auch vergessen, dass die Spaziergänge momentan leider doch viel zu kurz ausfallen. Aber auch das wird sich ändern, sobald die Zeiten zwischen den Mahlzeiten des Nacktwelpen länger werden.

Daher bitte ich euch alle: DENKT NACH BEVOR IHR EUCH EINEN HUND ZULEGT!!! Ihr wollt euren Kindern immerhin auch Verantwortung beibringen, oder? Wie wollt ihr eurem Kind ein gutes Vorbild sein, wenn ihr im erstbesten Moment euren Hund abschiebt? Und wie wollt ihr das dann in der Pubertät des Kindes machen? Da hört es schließlich auch nicht immer auf euch. Oder wenn das 2. Kind unterwegs ist? Soll das 1. Kind dann auch weg - weil es mit dem Neugeborenen nicht zurecht kommen könnte...?

Danke fürs zuhören,

Diana

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12 Kommentare

  1. Liebe Diana,

    dankeschön für diesen Artikel! Ich kann so gut nachfühlen, was du empfindest, so gut, dass ich grade ein bisschen weinen musste, beim lesen. Ich habe Kinder und ich habe Hunde. Und ich habe überhaupt kein Verständniss für Menschen, die aus diesem "Nachwuchs-Grund" ihren Hund abgeben. Ein Hund ist ja schließlich kein Gegenstand, den man wegräumt, wenn er einen stört. Nein, er ist ein fühlendes Lebewesen. Und genau wie du sagst, seine Welt dreht sich in der Regel um seine Menschen. Und wie verantwortungslos und auch herzlos ist es, ihm diesen Mittelpunkt seiner Welt zu nehmen und ihn alleine zu lassen. Und wenn das weggeben alleine schon schlimm genug ist, so ist das in ein Tierheim geben für mich die grausame Steigerung dazu. Für mich zählt für so eine Maßnahme nur ein absoluter Notfall als Grund. Nein, ich habe kein Verständnis für Menschen, die ihren Hund weggeben, weil sie ein Kind bekommen. Für mich ist das absolut verantwortungslos und egoistisch. Notfälle mögen da immer ausgeschlossen sein. Solche Entscheidungen sind aber in den seltensten Fällen Notfälle. Traurige Angelegenheit ...

    Liebe Grüße
    Anke

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  2. Danke für den lieben Betrag. Wenn man bedenkt, um welche Uhrzeit du ihn geschrieben hast, kann ich nur den Hut ziehen. Ich habe selbst drei Kinder und ich weiß genau, wie schwer die Anfangszeit ist. Aber das Kind kommt nicht überraschend und so kann der Hund langsam an das neue Familienmitglied gewöhnt werden. In dem Punkt stimme ich dir vollkommen zu. Auch die anderen Punkte finde ich sehr wichtig. 15 Jahre sind eine lange Zeit und vieles verändert sich.

    Den Hund abgeben, wäre für mich die allerletzte Option. Nur im äußersten Notfall, wenn wirklich nichts mehr hilft!!!

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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  3. Ich kann deine Wut sehr gut nachfühlen die dich mitten in der Nacht an die Tasten getrieben hat! Es ist einfach schlimm wie mit den Gefühlen eines Hundes umgegangen wird, nur weil er unbequem geworden ist.
    Liebe Grüße Sali

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  4. Nun, ich hatte mich ja schon bei Mayas Vermittlung über das Thema ausgelassen. Ich kann es nicht verstehen. Solange keinerlei Problem bestehen, gibt es keinen Grund seinen Hund abzugeben….

    Viele Grüße und ein schönes Osterfest
    Sabine mit Socke

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  5. ich schließe mich vollends an.. sehr schön geschrieben und meiner Meinung nach sehr richtig!

    liebe Grüße
    shira

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  6. Oh nein, sowas ist so traurig. Natürlich soll niemand seine Kinder in Gefahr bringen, aber es sollte auch jeder im Vorfeld gründlich darüber nachdenken, welche Konsequenzen seine Entscheidungen haben könnten, dann würden solche Dinge sicherlich sehr viel seltener passieren.
    Liebe Grüße
    Lottas Anhang

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  7. Wuff, mein Frauchen hat beim Lesen deines Herzenswunsches eifrig genickt.
    Osternasenstups an euch alle von
    Ayka

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  8. Ich kann es auch absolut nicht nachvollziehen, dass Haustiere weichen müssen, nur weil ein Kind kommt. Wenn das Baby eine schlimme Allergie entwickelt und alles nichts nützt, dann ist das noch mal ein anderes Thema aber selbst dann würde ich alles und jeden in Bewegung setzen, um eine Lösung zu finden, dass mein Hund bei mir bleiben kann. In unserer Familie war es schon immer so, dass die Haustiere, ganz egal ob Hund, Katze oder Vogel zu 100% Familienmitglieder sind. Und genau deswegen haben wir uns auch vor der Anschaffung alles ganz genau und gut überlegt.

    Ich sehe es wie du und kann bei den ganzen Anzeigen nur traurig den Kopf schütteln.

    Liebste Grüße

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  9. Liebe Diana,

    danke für diesen tollen und gleichzeitig auch sehr traurigen Artikel. Du bist sehr stark und die Tatsache, dass du mit Abby an euren Problemen arbeitest und sie nicht aufgibst, obwohl das sicher eine ganze Menge Stress ist, sollte anderen, die so leichtfertig ihren Hund abgeben, Mut machen. Ihnen zeigen, dass es auch anders geht.

    Ich würde auch erst alles andere versuchen, bevor Moe ausziehen müsste. Er gehört zur Familie und ihn wegzugeben, würde mir das Herz brechen.

    Liebe Grüße und schöne Ostertage!
    Nicole

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  10. Danke für deinen Bericht und das tolle Beispiel, wie gut sich Hund und Kind ergänzen können. Herr Bohne und unser Mädchen, heute vier, sind unzertrennlich und auch wenn es nicht ganz leicht war, unseren ängstlichen Hund an das neue laute Familienmitglied zu gewöhnen, sind die beiden heute so eng, dass wir uns gar nichts anderes vorstellen können. Niemals hätten wir unseren Vierbeiner "ausgetauscht". Herzlichst, Sina

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  11. Also wir sind vor der Geburt unserer ersten Tochter auch oft gefragt worden, ob wir den Hund nicht abgeben wollen. Ich selbst und auch mein Mann wären nie auf die Idee gekommen. Sicher ist die Arme Tammy in der Zeit nach der Geburt zu kurz gekommen, aber sie hat es wirklich sehr gut weggesteckt und die längeren Spaziergänge, die wir ohne Kinderwagen unternommen haben, haben sehr oft mein Inneres Gleichgewicht wieder hergestellt. Es ist nämlich sehr schön, auch mal ohne Nachwuchs sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, wenn sich sonst alles nur um Milch, Windeln und schlafen drehst. Tammy war den Mädels, die beste Gefährtin, die wir heute noch sehr vermissen.

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  12. Liebe Diana,

    Dein Beitrag spricht mir aus der Seele.

    Was gibt es schöneres als die Vorstellung, dass der kleine Mensch seine Geheimnisse mit dem Hund teilt und die beiden beste Freunde sind.

    Im November wird auch Paul seinen neuen Mitbewohner kennen lernen - und ich freu mich riesig drauf. Wir arbeiten natürlich jetzt schon an den Vorbereitungen, was ihn angeht (soweit das gerade möglich ist). Natürlich wird auch er nicht begeistert sein, wenn er x-mal nachts geweckt wird, obwohl- wer weiß. Ich kann mir auch vorstellen, dass er jedes mal bei der Nacktwelpenfütterung aufmerksam daneben liegt und alles überwacht... Naja irgendwann wird die Müdigkeit siegen ;o)

    Liebe Grüße,

    Celina

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