Leinenwirrwarr - Teil 2!

by - Dienstag, Juli 21, 2015

Hallo ihr Lieben,

schon ist wieder eine Woche rum und wir möchten euch unseren 2. Gastbeitrag zum Thema "Leinenwirrwarr - so haben wir unserem Hund das Leinelaufen beigebracht" nicht vorenthalten.



Dieses Mal erzählt uns Nicole von Moe and Me wie sie es geschafft hat:

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Leine laufen – Unsere Geschichte


Bevor Moe zu uns kam, hatte ich mir eine Menge Wissen angelesen, damit mein Hund super erzogen wird und alles von Anfang an perfekt läuft. Ich dachte, ich wüsste so ziemlich über alles Bescheid. Das man das an der Leine laufen mit einem Hund auch trainieren muss, war mir nicht in den Sinn gekommen.

Die ersten Spaziergänge waren nur ein Gezerre. Nach vorne, wieder 3 Meter zurück, auf die andere Seite, ach nee doch nicht, hier nochmal hin und vielleicht auch noch an den Busch. Im normalen Tempo gerade aus gehen? Keine Chance. Wenn geradeaus gegangen wurde, dann im Stechschritt, man will ja schließlich ankommen, oder?

Moe hatte sehr schnell heraus, wo der Weg zur Hundewiese ist. Weil die Strecke dorthin nicht spannend genug war, wollte er natürlich so eilig wie möglich dorthin -  und ich hing hintendran an der Leine.

Irgendwann war der Punkt gekommen und ich hatte keine Lust mehr: Seitenstechen beim Hinterher laufen, meine Arme taten weh vom Gegenhalten und die blöden Sprüche („Da geht der Hund mit dem Frauchen Gassi“) wollte ich auch nicht mehr hören. Ich suchte nach einer Lösung.

Die Lösung unseres Problems: Flexi- und Schleppleine

Es lag ja wohl auf der Hand, dass unser Problem die kurze Leine war. Mit so einer kleinen 2 Meter-Leine ist der Hund doch total unglücklich! Moe wird bestimmt weniger ziehen, wenn er ein bisschen mehr „Auslauf“ bekommt. In meinem Wahn kaufte ich also eine 6-Meter Flexileine und eine 10- Meter Schleppleine.

Die Flexi-Leine war für uns eine Vollkatastrophe, weil Moe dann eben auf 6 Metern volles Rohr zog. Die Schleppleine führte zu verbrannten Händen und einem sich fast selber strangulierenden Hund, da ein Hase unseren Weg kreuzte. Bevor Moe und ich uns weiter verletzen konnten, musste schleunigst eine neue Idee her.

Wenn man sich mit Trainingsmethoden zum Thema Leinelaufen beschäftigt, ist der Richtungswechsel immer ganz vorne mit dabei. Es geht darum, den Hund nicht entscheiden zu lassen, wo es lang geht und ihn etwas zu verwirren: Jedes Mal wenn der Hund in eine Richtung zieht, muss umgekehrt und in eine andere Richtung weitergegangen werden. Ich nenne diese Trainingsmethode auch liebevoll den Rütterschen Richtungswechsel, denn ich habe diese Form des Trainings bei ihm das erste Mal im TV verfolgt. Kann so schwer nicht sein und vielleicht ist das ja genau die richtige Methode für uns? Ich beschloss, dem eine Chance zu geben.

Der Rüttersche Richtungswechsel – Chaos an der Leine

Herrlich. Man kommt sich dabei überhaupt nicht bescheuert vor. Drei Schritte vor, der Hund überholt und zieht, man geht in eine andere Richtung. Und das immer wieder, auf jedem Spaziergang. Bei uns war das Thema nach 2 Wochen durch, Moe und ich waren frustriert. Er, weil wir kaum vom Fleck kamen und ich, weil Moe mich überhaupt nicht verstand. Wie sollte ich diesem Hund erklären, dass ich es doof finde von A nach B gezogen zu werden? Wie sollte ich ihm begreiflich machen, dass wir natürlich auf seine Wiese oder an den Strand gehen, aber bitte IM NORMALEN TEMPO? Dieses im Kreis gehen brachte uns kein Stück weiter, weil dann eben in die immer gerade aktuelle Richtung gezogen wurde.

Ich habe lange überlegt und mir dann aufgeschrieben, was ich von Moe erwarte und wie der Weg dorthin aussehen kann.

Die Wünsche und das Training

Meine Wünsche waren relativ bescheiden. Ich habe nie gewollt, dass Moe permanent bei Fuß geht und man sich vorkommt wie bei der Dressur. Ich wollte nur eine lockere Leine, einen entspannt neben oder kurz vor mir / kurz hinter mir laufenden Hund.



Irgendwo las ich dann, dass Hunde vor allem eines Lernen sollten: An der Leine laufen ist spannend!
Meistens macht man den Fehler, dass alles Spannende nur ohne Leine passiert: Ball spielen, Suchspiele, Schwimmen, Toben, Hundekontakt, etc. Der Hund lernt also sehr früh: Auf der Wiese werde ich von der Leine gemacht und das Klicken des Karabiners ist das Startsignal für Spiel, Spaß und Spannung. ;-)

Ich fing an, das Dummytraining mit der kurzen Leine zu machen. Schnüffelspiele auf dem Spaziergang einzubauen. Andere , für Moe unbekannte Wege zu gehen. Sobald er nicht wusste, wo es lang ging, klappte es relativ gut mit dem an der Leine laufen.

Das konnte aber nicht dauerhaft die Lösung sein und deswegen lernten wir beide, Geduld zu haben.

Sobald wir auf Moes Lieblingsstrecke Richtung Wiese / Strand waren und er wieder zog wie ein Schlittenhund, blieb ich stehen. Die erste Wochen dauerten die Spaziergänge extrem lange, denn ich musste nach jedem zweiten oder dritten Schritt stehen bleiben, weil Moe immer wieder vorlief. Wenn ich stehen blieb, wartete ich ab. So lange, bis Moe auch zur Ruhe kam und sich hinsetzte, im Idealfall neben mich. Kurzes Lob und weiter ging es.



Ich möchte nicht lügen und sagen, dass es mir leicht fiel. Auch Hunde können meckern und motzen, wie ich in der Zeit lernte. Moe fiepte, bellte, lief im Kreis um mich herum, versuchte, mich weiter zu ziehen. Aber ich blieb hart. Und es fruchtete! Natürlich freute Moe sich, wenn es in Richtung seiner Lieblingsplätze ging. Aber er lernte auch, sich zu gedulden und den Weg dorthin zu genießen. Außerdem wurde die Leine nicht sofort auf der Wiese gelöst: Zunächst spielten wir an der Leine. Denn auch mit Leine lässt sich wunderbar toben! Das klappt natürlich nur, wenn keine anderen Hunde auf der Wiese sind, denn die Verletzungsgefahr ist sonst zu groß.

Unsere Spaziergänge heute

Unsere Spaziergänge sehen jetzt so aus, dass unsere längste Leine, die wir haben, ca. 3 Meter lang ist. Es gibt Tage, an denen Moe in diesem Radius vorlaufen oder auch hinter mir bleiben darf. Wichtig ist mir dabei, dass ich die Leine mit nur einem Finger halten kann und sie permanent durch hängt. Gezogen wird nicht mehr. Wie schon gesagt, ich bin kein Freund davon, den Hund immer direkt bei Fuß laufen zu lassen, obwohl Moe das mittlerweile sehr häufig von sich aus macht – auch ohne Leine. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass ich für ihn spannend bin: Wenn das Frauchen in der Nähe ist, verpasse ich nicht, wenn es was Interessantes gibt.



Wenn es in die Stadt geht und Moe die Leine nicht ausnutzen darf, sondern mal am Körper geführt werden muss, klappt auch das sehr gut. Dafür habe ich kürzere Leinen, mit denen wir auch geübt haben: Moe sollte lernen, das eine kurze Leine nicht bedeutet, dass er die bis zum Anschlag ausnutzen darf.


Mittlerweile sind wir ein sehr gut eingespieltes Team und ich muss nicht mehr darüber nachdenken, wie Moe sich an der Leine zu verhalten hat. Wenn er doch mal übermütig wird, bleibe ich rigoros stehen und er weiß sofort, was Sache ist. Das passiert aber mittlerweile so selten, dass ich nicht mal sagen kann, wann es das letzte Mal vorgekommen ist. Wir haben unseren Weg gefunden und ich kann definitiv sagen: Das Durchhalten hat sich für uns gelohnt. :-)

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Das klingt doch super, oder? Nächste Woche wartet bereits der nächste Artikel auf uns. Wir sind gespannt.

Eure Abby

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5 Kommentare

  1. Super, dass Moe es doch noch gelernt hat. Spannend finde ich den Rütterschen Richtungswechsel, der hat bei uns nämlich auch null funktioniert, sondern nur doofe Blicke eingebracht. Dass Moe ausgerechnet da nicht zieht, wo er sich nicht auskennt, fand ich auch total interessant. In mir unbekannten Gebieten höre ich auf das Komm nämlich viel besser als in meinem Revier. Da finde ich zur Not auch ohne Frauchen heim :-D

    Wuff-Wuff dein Chris

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  2. Die Stehenbleiben Methode hat bei uns leider auch nicht funktioniert. :( Da ich bis vor kurzem kein Auto hatte, führte das bei uns dazu, dass wir es in einer Stunde "Laufen" nicht mal zu unserer Spazierstrecke hin schafften, wir standen immernoch etwa 100 Meter von unserem Haus entfernt mitten an der Bundesstraße. :( Nach schon einer Woche waren wir beide so gefrustet, weil Genki eigentlich gar keinen Auslauf mehr hatte. Wir standen irgendwie nur stundenlang dumm in der Gegend rum. Um seinen Frust dann auch noch ordentlich ausdruck zu verschaffen (oder vielleicht auch einfach, weil er ja nicht wirklich zum Entleeren kam - Ich kann ihn ja nicht unterwegs die Gartenzäune fremder Leute anpinkeln lassen) hat Genki mir dann eines Tages einfach Mal ausgiebig auf die Füße gepinkelt. Da war's mit der Methode bei uns auch rum...

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  3. Die Methode des Stehenbleibens oder der ständigen Richtungswechsel wäre nichts für meine Nerven, also blocke ich Hunde, die ständig an der Leine ziehen einfach mit meinem Körper im Vorwärtsgehen ab. Soll heißen, ich stelle mich ihnen oder trete ihnen in den Weg, wenn sie an mir vorbeiziehen wollen - und zwar mit Schmackes!!! Sieht zwar auch nicht immer galant aus, aber man kommt wenigstens vorwärts dabei und funktioniert einwandfrei und schnell auch bei Hunden, die nicht meine eigenen sind. Ich denke, wenn man dies eine Weile macht, bleiben sie dann auch anständig neben einem, denn einen Hund, der ständig hinter mir läuft, kann ich auch nicht leiden.

    Wenn ich möchte, dass Linda zügig neben mir läuft (z.B. Innenstadt), ohne groß rumzuschnüffeln, wähle ich ein ebenfalls zügiges Tempo. Mit dieser Änderung meiner Körpersprache nimmt sie fast automatisch die Fußposition ein, ohne das dazu ein Kommando nötig wäre. Wenn sie schnüffeln darf und kann, gehe ich entsprechend langsamer, lasse ihr mehr Leine und folge ihren Bewegungen. Lässt sich vielleicht nur bei Hunden bis mittlerer Größe so gestalten, aber Linda versteht das ohne großes Training.

    LG Andrea

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  4. Wir können leider nicht mitreden, das Socke von Anfang an super an der Leine gelaufen ist. Dabei wäre Socke allein von Gewicht und Größe leichte zu händeln als Moe. Ich mag diese ehrlichen und offenen Berichte, in denen über derartige Probleme geschrieben wird. Zum Ende gibt es meist eine gute Lösung und dies macht einfach Mut und bestärkt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  5. Wir haben momentan genau das selbe Problem. Und nach einigen Methoden ( unter anderem "Rüttersche Richtungswechsel") haben wir gemerkt, dass das mit dem stehen bleiben am besten klappt. Mittlerweile müssen wir auf unseren Spaziergängen immer weniger stehen bleiben. Man muss einfach Geduld haben und immer am Ball bleiben :) liebe Grüße von Viktoria und Holly

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