Unsere neue Blogreihe geht online!

Donnerstag, September 17, 2015 Hundekind Abby 6 Comments

Hallo ihr Lieben,

heute möchten wir euch unsere neue Blogreihe vorstellen:


Wie der ein oder andere von euch vielleicht weiß, war ich bereits viel und lange im Ausland und habe dort auch viel von den Lebenskulturen kennengelernt. Was ich aber nie wirklich bewusst mitbekommen habe war, wie dort mit den Tieren, speziell den Hunden, umgegangen wird. Grund für uns also, dieser Frage einmal auf den Grund zu gehe. 

Diese Woche möchte ich mit Mareike beginnen. Ich habe mit Mareike zusammen in Amerika im Walt Disney World gearbeitet. Sie hat sich dort in einen unserer amerikanichen Arbeitskollegen verliebt und inzwischen sind die 2 seit gut 3 Jahren verheiratet. Die 2 hat es dann später von Orlando nach Houston, Texas verschlagen. Mareike arbeitet als Tierarzt-Assistentin in einer Tierklinik und geht nebenbei zur Schule. Skyler, ihr Mann, arbeitet als "Pest Control Specialist", kümmert sich also um die ekeligen Krabbelviecher. Inzwischen hat sich ihre kleine Familie um 2 4Beiner vergrößert und deswegen waren sie für mich die idealen Interviewpartner.

Hundehaltung in den USA 


Hundekind Abby: Welchen Stellenwert haben Hunde in Amerika?
Mareike: In Texas: RIESIG. Fast jeder Haushalt hat mehrere Hunde, Kleine und Große, es gibt Tierläden an jeder Ecke, Festivals wo man sich trifft um neues auszutauschen, die Hunde in Kostüme zu stecken und neuesten Hundesachen zu kaufen.  Viele Hundeparks gibt es, richtig schöne sogar, die alle eingezäunt sind, sodass Fiffu ohne Leine rumrennen kann. Ansonsten gilt überall Leinenpflicht. Man züchtet reinrassige Hunde links und rechts und einige „Boutique“ Tierläden haben auch Welpen in Schaufenstern zu verkaufen. Ich habe Anfang 2013 in so einem Laden gearbeitet. Ich bin persönlich kein Fan, ich finde adoptieren ist definitiv die bessere Lösung.  Außerdem sind die Tierheime leider immer voll, aber es gibt zum Glück sehr, sehr viele Rescue Groups die viele Strassenhunde usw. aufnehmen und weitervermitteln. Vor allem Pit Bulls sind immer ein Problem, wie auch in Deutschland. Aber ich finde hier noch vielmehr. Dadurch, dass die Kriminalität hier sehr hoch ist, schaffen sich viele ungebildete Leute Pit Bulls an, die dann entweder im Tierheim landen, weil sie „zu aggressiv“ sind, oder sie werden im Garten angekettet und rotten daher in schlimmen Zuständen. Ohne Witz, es gibt wirklich Leute, die geben den Hund zum Tierheim weil er nicht „aggressiv genug oder zu weich“ ist… Ich kann natürlich nur von Texas und Florida sprechen, da dies die einzigen Staaten sind in denen ich lebe und gelebt habe. Ich habe Freunde oben in Washington State in der Seattle Umgebung, die erzählen dass die Tierheime dort wie leer gefegt sind und nicht so viele Familien Hunde haben. Ich denke mal es kommt auf den Staat an.

Hundekind Abby: Wie kam es denn dazu, dass eure Hunde bei euch eingezogen sind?
Mareike: Da brauch ich ja gar nicht mal nachzudenken: MEINE IDEE! Naja, es hat damit angefangen dass ich auf meine Arbeitsgenehmigung gewartet habe Anfang 2012, die um die 3 Monate auf sich hat warten lassen. Ich hatte Hummeln im Hintern und wollte schon immer so gerne einen Hund haben. Nachdem ich den Mann weichgekocht hatte sind wir los zum Tierheim. Der Plan war ein mittelgroßer Hund, nicht zu klein und nicht zu groß, Farbe etc. war völlig egal! Und so haben wir Milka gefunden, einen 30 Kilo Labrador Mix. Milka war um die 10 Monate alt als wir sie adoptiert hatten, mitten in der „Pubertät“, ein bisschen grösser als geplant und es hat ein bisschen gedauert bis sie sich an uns und unsere komischen Regeln gewöhnt hatte (An der Leine laufen ist ja soooo langweilig! Oh sieh mal da, ein Eichhörnchen!!)


Milka am Strand
Seit ein paar Monaten haben wir jetzt auch einen zweiten Hund – einen kleinen 5 kg Papillon Mischling namens „Chip“. Und schon wieder war‘s meine Schuld – ich war auf dem Weg nach Hause als ich den kleinen auf der Straße hab rumlaufen sehen. Fast überfahren wurde er! Hab ihn aufgelesen, saubergemacht und die Besitzer gesucht für mehrere Wochen – kein Erfolg. Jetzt ist er unser und verträgt sich super mit unserer Großen!

Inzwischen ein Herz und eine Seele: Milka und Chip
Hundekind Abby: Wie haltet ihr eure Hunde? Man sagt ja gerne, dass in Amerika nicht mal Gassi gegangen wird – stimmt das? Wie sieht so ein normaler Tag mit euren 4Beinern aus?
Mareike: Wir gehen mit den Hunden Gassi, bestenfalls 3 mal am Tag. Das liegt aber daran, dass wir nur in einer kleinen Wohnung leben und keine andere Wahl haben. Wir bringen die beiden außerdem einmal die Woche zum Hundepark, damit sie sich mit anderen Vierbeinern austoben können. Viele Familien hier leben in großen Einfamilienhäusern mit großen Gärten, in denen die Hunde freien Lauf haben und ihr Geschäft machen können. Die meisten haben keine Zeit um mit den Hunden dann noch zusätzlich Gassi zu gehen. Wenn nicht Gassi gegangen wird, dann wissen die meisten Hunde auch gar nicht, wie man an der Leine läuft, dass dazu führt dass Herrchen und Frauchen noch weniger Gassi gehen wollen. Es ist ein Teufelskreis!
Eingezäunte Hundeparks gibt es viele in Amerika
Hier dürfen die Hunde ohne Leine laufen


Hundekind Abby: Ist es in Amerika üblich viel Geld für Accessoires, Essen, Erziehung und Tierarztbesuche auszugeben?
Mareike: Das kommt ganz drauf an welchen Schlag von Mensch man trifft. Es gibt komplett Hunde Verrückte die ´nen Vollknall haben. Ohne jetzt alle übe den Kamm scheren zu wollen, aber meistens sind das Besitzer von kleinen Hunden. Da wird das Hundchen in Kleider gesteckt mit Glitzerschleifen und Swarovski Halsband bedeckt, und nur das beste Futter gefüttert.. Naja, jedenfalls was sie in der Werbung gesehen haben. Und dann gibt’s solche, die den Hund im Garten angekettet haben und ´n paar Futterbrocken jeden Tag hinschmeißen. Und auch alles in der Mitte. Ich hab alle Parteien schon kennen gelernt.

Hundekind Abby: Gibt es Besonderheiten im Tierschutz?
Mareike: Tierheime werden hier glaube ich ausschließlich durch Spenden finanziert. Die meisten Tierheime haben eine 72 Stunden Haltepflicht. Wenn sich in den 3 Tagen kein Besitzer meldet und keiner adoptieren möchte, werden die Tiere eingeschläfert. Es werden leider ganz, ganz viele eingeschläfert, jeden Tag, weil die Heime hier überquellen. Es gibt einige private Einrichtungen und „No-Kill-Shelters“, wo man den Tieren eine zweite Chance gibt um das richtige Zuhause zu finden. Es gibt hier außerdem sehr viele „Foster“. Das sind Leute die die Tiere sozusagen nach Hause nehmen - kurzzeitig - , bis jemand interessiert ist zu adoptieren, damit der Hund nicht hinter Gittern sitzen muss. Solche Leute kommen dann zu Adoptionsveranstaltungen mit dem Hund um ihn anderen Leuten zu zeigen – Fosters sind eine super Idee, weil der potenzielle neue Besitzer kann aus erster Quelle hören wie der Hund zu Hause ist. Also ist er stubenrein? Wie ist er mit anderen Hunden? Wie verhält er sich Kindern gegenüber? Die Fostereltern können das alles beantworten.


Chip
Hundekind Abby: Müsst ihr in Amerika Hundesteuer zahlen?
Mareike: Ich glaube in Florida musste ich einmal im Jahr eine Lizenz kaufen, um meinen Hund halten zu können. Hier in Texas hab ich noch nichts davon gehört. 

Hundekind Abby: In Deutschland ist es Pflicht die Hinterlassenschaften seines 4Beiners wegzumachen. Ist das bei euch auch so?Wenn ja, werden Plastetüten dafür gestellt?
Mareike: Es ist hier definitiv Pflicht! Nur halten sich leider selten Leute dran. Plastetüten werden hier überall angeboten - in normalen Parks und den Hundeparks. Leider denken sich viele Hundebesitzer: "Oh! Ups, naja hat ja keiner gesehen." Besonders Besitzer von kleinen Hunden lassen das hier gerne schleifen, weil der Haufen ja sooo klein ist... In unserer Umgebung haben wir momentan ein riesiges Problem damit. Soviel, dass wir kaum noch im Gras laufen können ohne jede 2 Meter auf eine Tretmiene zu treten. Ekelhaft!


Auch kleine Haufen sind Tretmienen!
Hundekind Abby: Habt ihr eine Hundeschule besucht? Welchen Ruf haben die in Amerika? Gibt es bei euch auch Hundesportvereine?
Mareike: Wir haben keine Hundeschule besucht. Ich hab mich selber schlau gemacht übers Hundetraining  und habe Milka sehr viel alleine beigebracht. Ich könnte sie bestimmt zur Perfektion Trainieren, aber manchmal siegt die Faulheit doch. In Amerika wollen viele Leute ihre eigenen Hunde nicht trainieren. Es ist sehr beliebt die Hunde zum „Bootcamp“ zu schicken, wo sie trainiert werden und dann zurück kommen - perfekt trainiert. Das ist sehr praktisch, aber leider baut das kein Vertrauen und Beziehung mit dem eigenen Hund. Amerika ist halt sehr faul. Es gibt aber auch Hundeschulen, wo ein Trainer vorgibt was man machen muss und dann macht man es selbst. Das ist normalerweise besser, weil der Besitzer ja dann auch lernt wie man es macht. Zu diesem Thema möchte ich gerne noch hinzufügen, dass sehr viele Leute hier denken, dass Cesar Milan der Hundeflüsterer schlechthin ist. Cesar ist ein Hundetrainer aus dem Fernsehen und sein Training ist sehr stark basiert auf dem Alpha Dog Prinzip. Sozusagen das komplette Gegenteil von Martin Rütters positivem Training. Manche Leute versuchen das dann selbst auszuprobieren, zum Beispiel versuchen manche ihren Hund auf den Rücken zu legen um die Alpharolle auszufüllen, wenn sie sich nicht benehmen. Das führt oft zu Missverständnissen, Vertrauensstörungen und sogar Verletzungen der Besitzer. Ich wünschte  es gäbe einen Martin Rütter hier. Hundesportvereine gibt es! Habe sehr oft darüber nachgedacht meine Große zum Agility anzumelden, aber sie ist so furchtbar nervös bei anderen Hunde und würde da wahrscheinlich komplett ausflippen.


Chip und Milka (v.l.)

Hundekind Abby: In Deutschland gibt es sehr oft Stress zwischen Hundehaltern und Nichthundehaltern, weil diese sich belästigt fühlen. Oft werden auch Giftköder ausgelegt, an denen Hunde elendig sterben. Gibt es so etwas in den USA auch oder herrscht da ein respektvoller, liebevoller Umgang mit Hunden in der Öffentlichkeit?
Mareike: Glücklicherweise habe ich hier noch NIE von Giftködern gehört. Da hier ein riesiger Anteil der Population Hunde besitzt, findet man sehr selten einen der den Nachbarshund absolut hasst. Viele Menschen haben hier außerdem furchtbar Angst vor Hunden. Tierquälerei ist hier eher ein Problem – besonders Straßenhunde sind betroffen. Viele Kinder schmeißen Steine auf die armen Tiere. Das schlimmste was ich hier soweit gehört habe war ein Hund der angezündet wurde von einer Gruppe Jugendlicher. Hunde werden hier auch aus dem Garten geklaut – kein Witz! Es gibt hier außerdem eine Hunde Mafia, die Hunde stielt und dann wieder verkauft.  Man muss dolle aufpassen, dass einem der Hund nicht geklaut wird, ganz besonders wenn man was reinrassiges hat. Ich glaube Stress herrscht hier eher zwischen Hundehaltern – wenn der kleine Chihuahua ohne Leine bellend auf den großen, angeleinten Hund zu rennt – und dann der große Hund beißt, weil er sich bedroht fühlt. Da haben sich schon manche Nachbarn verstritten bei uns. Chihuahuas sind böse kleine Viecher! ;)
  
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Wir sind uns sicher, es gibt auch viele nette Chihuahuas in den Staaten. ;)

Dankeschön an Mareike und Skyler, die sich die Zeit genommen haben und unsere Fragen beantwortet haben. Wir fanden es super spannend!

Liebe Grüße

Abby und Diana

Kommentare :

  1. Hallo Abby und Diana!

    Deine neue Blogreihe ist superinteressant. Leider kann ich dazu gar nix beitragen... :(

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

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  2. sehr interessant zu lesen. bei der letzten Frage könnte es auch meine Antwort sein, außer die Giftköder und der Anteil der Hundebesitzer.
    LG Vanni mit Sandy

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  3. Eine spannende Serie, aber es geht mir wie Sandra…Und Texas ist ja so weit weg.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  4. Ui! Das verspricht ja eine spannende Blogserie zu werden!
    ich bin sehr gespannt und habe mit großem Interesse den Auftakt gelesen :)

    Viele liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy

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  5. Da hst du dich aber mächtig ins Zeugs gelegt, bin gespannt welches Land nun ansteht.
    Gruss Ayka

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  6. Das ist eine wirklich tolle Idee und super spannend zu lesen. Ich bin schon auf die folgenden Berichte gespannt. Wir haben auch mal eine Zeit in den USA (Kalifornien) gelebt und positiv sind mir dort ebenfalls die vielen Dogparks aufgefallen. Das fand ich richtig klasse und war auch oft mit einer Freundin und ihrem Hund dort. Eigentlich war der Dogpark ein Baseballplatz, der aber mehrmals die Woche für die Hunde geöffnet wurde - das würde es hier wahrscheinlich nicht geben ;-) Die Hinterlassenschaften wurden überall aufgesammelt. Da kann ich absolut nichts Nachteiliges sagen - ist aber vielleicht auch von Staat oder Stadt zu Stadt unterschiedlich. Insgesamt schien mir Kalifornien sehr hundefreundlich, teilweise vielleicht sogar schon übertrieben hundefreundlich, Kleidchen & Co. lassen grüßen ;-)

    Liebste Grüße und ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag aus der Serie.

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