Auf leisen Sohlen kommt die Hundepfote angelaufen.

by - Montag, November 30, 2015

Hallo ihr Lieben,

so langsam wird es doch kalt draußen und es lag auch hier und da der erste Schnee. Was wir 4Beiner dabei immer dabei haben und jeglichem Wetter trotzt sind unsere Pfoten

Und glaubt mir, über das Thema Pfoten kann man so einiges erzählen. Deswegen gibt es dieses Mal heute und morgen einen Bericht darüber und morgen verlosen wir passend dazu auch noch etwas. Lasst euch überraschen.




Die Hundepfoten 


Unsere Hunde sind 365 Tage im Jahr auf ihren Pfoten unterwegs. Bei jeder Witterung, auf nahezu jedem Untergrund und in jeden möglichen Tempo. Eine ganz schöne Belastung für die Hundepfoten, denn schließlich tragen sie keine Schuhe…oder?
Gerade jetzt im Winter stehen bei vielen die Hundepfoten wieder im Vordergrund. Insbesondere die Stadthunde sind häufig vom Streusalz betroffen.

Deshalb möchte ich euch heute die Hundepfoten mal aus tierärztlicher Sicht vorstellen. Diesmal wird der Beitrag vor lauter Fachbegriffen explodieren fürchte ich, aber ich versuche euch alles genau zu erklären.

Unsere Hunde gehören zu den Zehengängern, wir hingegen sind Sohlengänger. 


Das Bild zeigt die Pfotenunterseite meiner Hündin Ida.
Ihr seht die fünf Zehenballen (rot) und den Sohlenballen (gelb). 

Der Sohlenballen ist beim Fleischfresser, zum Beispiel Hund und Katze, dreilappig und wird zusammen mit den vorderen vier Zehenballen beim Aufsetzen der Pfote belastet. 

Zusätzlich gibt es an den Vorderpfoten noch den sogenannten Handwurzelballen (grün). Dieser wird, genauso wie der obere Zehenballen, beim Aufsetzen der Pfote nicht belastet. An die Pferdebesitzer/-kenner unter euch: der Handwurzelballen beim Hund entspricht der Kastanie beim Pferd. So viel zur äußeren Anatomie.

Kommen wir nun zum histologischen Aufbau der Ballen. Histologie bedeutet im Prinzip „Lehre vom Gewebe“ und man schaut sich das zu untersuchende Gewebe unter dem Mikroskop an. 

Hier mal ein sehr schematisches Bild von dem mikroskopischen Bild eines Sohlenballens. Ich bin zeichnerisch wirklich furchtbar untalentiert, aber ich hoffe, dass man trotzdem grob nachvollziehen kann wie der Ballen des Hundes aufgebaut ist.


Fangen wir mal von ganz unten an. Das ist quasi der innere Teil des Ballens. Stratum adiposum. 
Stra…was?? Stratum steht immer für Schicht. Adiposum in dem Fall, weil in dieser Schicht (diese hellen Kringel) viele Fettzellen eingelagert sind. Deshalb sind die Ballen auch etwas „wabbelig“.
Und nun denkt mal an den heißen Sommer zurück… Na, hattet ihr auch feuchte Pfotenabdrücke auf Laminat, Fliesen etc.? Und hattet ihr auch das Gefühl, dass es verdächtig nach „Hundekäsefüßen“ riecht? Das liegt daran, dass unsere Hunde in allen Ballen im Bereich des Stratum adiposum Schweißdrüsen (dunkle Punkte) haben. Damit der Schweißgeruch uns auch erreicht – und natürlich auch zur Kühlung des Körpers – haben die Schweißdrüsen Ausführungsgänge, die außen auf dem Ballen offen enden.

Arbeitet man sich in der Pfote weiter nach außen vor, dann folgt auf die dicke Bindegewebsschicht mit vielen eingelagerten Fettzellen das Stratum reticulare. Rete steht im lateinischen für Netz. Das ist eine Schicht mit ganz viel Bindegewebe und elastischen Fasern, die scherengitterartig (also ähnlich wie ein Netz) angeordnet sind. So ist die Haut verschiebbar. 

Dann folgt das Stratum papillare. Papillare deshalb, weil es papillenartige, fingerähnliche, Erhebungen gibt. Diese Papillen sorgen dafür, dass es eine Verzahnung mit der Epidermis, der Oberhaut, gibt. 

Darauf folgt das Stratum basale. Basale, weil es am Grund bzw. an der Basis der Oberhaut liegt. Das Stratum basale ist eine sehr wichtige Schicht, da es hier zu einer  ständigen Neubildung von sogenannten Keratinozyten kommt. Keratin haben einige von euch sicherlich schon mal gehört. Keratin ist eine Hornsubstanz und Keratinozyten sind in der Lage dieses Keratin zu produzieren.

Auf das Stratum basale folgt das Stratum spinosum. In dieser Schicht beginnt die Verhornung der Keratinozyten. Stratum spinosum heißt auch Stachelzellschicht. Die Zellen sehen aber in der Haut normalerweise nicht stachelig aus. Das liegt nur an der histologischen Färbung.

Nun sind wir schon fast außen angekommen. Es folgt das Stratum graulosum, die Körnerschicht. Hier sterben die Keratinozyten und werden zu Korneozyten.

Es folgt die letzte für uns unsichtbare Schicht – das Stratum lucidum. Lucidum – das Wort kommt euch vielleicht vom Tapetum lucidum bekannt vor. Das ist die Schicht im Auge von Hund, Katze etc. welche das Licht reflektiert und unsere Hunde bei Fotos mit Blitz wie Aliens mit Leuchtaugen aussehen lässt. Lucidus steht für leuchtend, hell. Es ist quasi eine Übergangszone zu der für uns sichtbaren Schicht – dem Stratum corneum. 

Dies ist diese mal pigmentierte und mal unpigmentierte raue Schicht die wir direkt anfassen können. Das Stratum corneum besteht fast ausschließlich aus Keratin, also Hornsubstanz. 

Im Prinzip ist es so, dass vom Stratum basale aus ja immer wieder neue Keratinozyten gebildet werden, die sich schrittweise immer weiter Richtung Oberfläche, also Richtung Stratum corneum, schieben und währenddessen auch schrittweise verhornen. Zum Schluss haben wir Korneozyten – also abgestorbene Hornzellen.

Diese Hornsubstanz schützt die Hundepfote vor verschiedensten Schädigungen – also schon wie ein Schuh bei uns. Bei Kälte oder Hitze, wenn der Hund durch schädigende Substanzen (z.B. Streusalz) läuft etc. und auch vor mechanischen Schäden. Das bedeutet, dass der Hund nicht gleich auf dem rohen Fleisch läuft nur weil er 2km auf Asphalt gelaufen ist. Oder aber es schützt die empfindliche Pfote vor kleinen Steinchen, die sonst sofort Schäden an der Haut machen würden. Und diese Hornschicht nutzt sich auch ab z.B. bei zu starker mechanischer Belastung wie häufiges Stoppen aus hohem Tempo auf Asphalt. Und es dauert etwas bis sich diese Hornschicht wieder nachgebildet hat.


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Uff, das waren viele Fachbegriffe. Damit sich das jetzt alles setzen kann, machen wir an der Stelle Schluß und warten gespannt auf morgen. Da geht es nämlich spannend weiter.

Eure Abby

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3 Kommentare

  1. Ein mega intresanntes Thema Daumen Hoch. Wir können uns Wetterbedingt Schuhe anziehen unsere 4 Beine nicht
    Liebe grüße Larii und Blue

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  2. Ach Du liebe Güte, das liest sich wie eine medizinische Abhandlung. Das werde ich mir noch mal durchlesen, wenn ich Zeit und Ruhe habe oder es mal wissen muss. Sehr spannend, aber für heute zu schwere Kost.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  3. Eigentlich ein kleines Wunder der Natur. Und wir haben gleich vier davon... ;-)
    Liebe Grüße
    Lotta

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