Viele Wege führen nach Rom!

by - Dienstag, Januar 19, 2016

Hallo ihr Lieben,

wie ihr ja wisst, haben wir uns in den letzten Monaten verstärkt mit Hundeerziehung beschäftigt und euch auch davon berichtet. Daraufhin haben wir einige Reaktionen bekommen, konnten aber auch in unserem Umfeld einiges beobachten, was wir gerne ergründen würden:


Warum gibt es nicht die eine Erziehungsmethode und warum muss man sich dafür rechtfertigen?



Bevor Abby bei uns eingezogen ist habe ich mich jahrelang mit dem Thema Hundeerziehung beschäftigt. Ich habe Bücher studiert, Videos gesehen und mich in unzähligen Foren rumgetrieben. Schon bevor Abby bei uns einzog war klar: Abby wird ausschließlich mit positiver Bestätigung erzogen. Warum? Na, weil ich seit ich denken kann auf meinen ersten eigenen Hund gewartet habe und mir nichts sehnlicher wünschte, als dass mich mein Hund auch liebt. Das ging, meiner Meinung nach, nur über ausschließlich positive Bestätigung und unzählige Leckerlies.

Drei Jahre später hat mich die Realität eingeholt, die Ernüchterung gesiegt und meine Wahrnehmung für Erziehungsmethoden erweitert. Inzwischen mussten wir einsehen, dass wir alleine mit nur positiver Bestätigung nicht weiterkamen. So musste ich von meinem "perfekten Erziehungsweg" abweichen und mich umsehen, was noch helfen könnte.

Aber wieso eigentlich? Wieso wirken die ständigen Leckerlies bei Abby nicht? 

Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Charakter. Und damit meine ich den von Abby. Abby finde Leckerlies klasse. Die sind super. Das fand sie schon immer. Und für ein Leckerlie tut sie alles - wirklich! Sogar einigermaßen ruhig sitzen, wenn ein Hund 10 Meter an uns vorbeiläuft. Aber was passiert, wenn ich mal kein Leckerlie dabei habe (weil es nur mal kurz zum Pullern geht, im strömenden Regen, bei richtig kaltem Wetter - oder wenn die auf dem Spaziergang schon alle geworden sind) ich sag es euch: ich bin schnurzegal! Keine Leckerlies kein Gehorsam. 

Ich musste also verstehen: Mit Leckerlies kommen wir hier zwar insoweit weiter, dass Abby auf uns hört, wenn wir welche dabei haben, wenn die aber nicht da sind, ist auch ihre Aufmerksamkeit ganz schnell woanders. 

Wo lag also das Problem? Unsere Bindung hat gelitten. Und das massivst. Was also nun tun? Wir brauchten einen anderen Weg. 

Klar hätte ich auch weiterhin mit Leckerlies arbeiten können. Wir in unserer Situation müssen aber anders denken, als die meisten von euch. Wir haben ein Kleinkind dabei das, und sei es nur für Bruchteile eines Moments, unsere Aufmerksamkeit will. Das ist dann der Bruchteil, in dem ich Abbys Verhalten hätte Klickern müssen oder ihr das Leckerlie einschieben sollte.

So begann unsere Suche und unser nach links und rechts gucken, was es in der Hundeerziehung noch gab. Dabei fiel uns auf, dass es noch viele andere Erziehungsmethoden gibt als nur die rein positive Bestätigung.

Da gab es Herrn Rütter, der im Fernsehen zwar sehr oft über positive Bestätigung zum Ziel kommt, aber den Hund auch maßregelt. Da gibt es Herrn Milan, der seine Rudelführerstellung mit allen Mitteln durchsetzt. Da gibt es Fau Balser, die ein Ampelsystem entwickelt hat. Da gibt es Herrn Leichsenring, der zur Hundeerziehung Trainingsdiscs benutzt. Die Liste an unterschiedlichen Hundetrainerin mit unterschiedlichen Erziehungsmethoden ist lang und ich könnte die jetzt an dieser Stelle noch weiterführen. 

Und jetzt frage ich euch: Meint ihr, es gäbe so viele verschiedene Herangehensweisen, wenn eine alleine völlig ausreichen würde?



Warum frage ich euch das? Ganz einfach: In den letzten Wochen ist das Thema Hundeerziehung nicht nur bei mir aufgekommen, sondern zum Beispiel auch bei Dietutnichts. Sabrina hatte dabei ihre Meinung über Herrn Milan sehr deutlich gemacht. Was passierte daraufhin? Sie wurde beleidigt. Sowohl in privaten E-Mails als auch in den Kommentaren. Sie musste sich, auch von anderen Blogbetreibern, sagen lassen, dass ihre Meinung und ihre Herangehensweise - einfach ihre Sicht der Dinge - total dumm wäre und nur Idioten so denken würden. 

Auch wir haben einige kritische Kommentare zu Anita Balsers Training erhalten - wobei die alle sachlich geblieben sind. Und ich hatte mit einer Hundetrainerin, die anders arbeitet, auch eine (sachliche) Diskussion darüber, dass es für sie nichts wäre. 

Dabei ist uns aber tatsächlich sehr bewusst geworden, was das heutige Problem in der Hundewelt ist: Jeder möchte für seinen Hund das Beste. Das ist kein Problem, aber nur weil etwas für den eigenen Hund funktioniert, muss es das nicht für einen anderen Hund auch. Gerade wenn man ein Problem mit seinem Hund hat und es mit den bisherigen Trainingsmethoden nicht wegbekommen hat, muss man sich nach Alternativen umschauen. Dass ist wie beim Menschen. Wenn er etwas auf eine bestimmte Art und Weise nicht versteht, muss er es anders lernen oder anders erklärt bekommen. Aber der Mensch möchte nicht belehrt werden. Und das ist das Problem.  Oft ist er glücklich mit dem was er hat und kennt. Wenn dann das aber in Frage gestellt wird, gerät sein ganzes System durcheinander. Und das will niemand. Daher kenne ich auch nicht viele Hundehalter, die sich mit den verschiedensten Erziehungsmethoden auseinandergesetzt haben. Meistens sind es nur die, die dann tatsächlich ein Problem mit ihrem Hund haben. Alle die das nicht haben, fahren sehr gut mit ihrem Weg.

Und das ist auch absolut gut so. Wenn ihr uns fragt, sollte jeder glücklich mit seiner Erziehungsmethode sein und damit gut leben können. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass Gewalt bei der Hundeerziehung nicht zum Einsatz kommen. Und, was wir jedem an die Hand geben können: Hört ruhig mal hin, wenn jemand mit einer anderen Erziehungsmethode euch von seiner Sichtweise berichtet, hört hin und hinterfragt es. Vielleicht ergibt sich auf diesem Weg ja auch für euch ein neuer Blickwinkel.

Eure Diana

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19 Kommentare

  1. Jeder Hund ist individuell und kann / muss / sollte auf seine eigene Art erzogen werden.
    Wir sind gespannt wie euer weiterer Trainingsweg verläuft...
    LG, Carola mit Deco und Pippa

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  2. Hallo Diana!

    Was für ein toller ausführlicher Text und ich kann dich sowas von verstehen.
    Gerade das mit dem "nur positiv bestärken"-Erziehungsmethode.
    Das geht nicht ausschließlich! Das geht nicht, wenn man nebenbei noch eine Familie mit Kleinkind managt. Da "knallen" mal die Nerven durch und man brüllt den Hund an, zieht mal an Leine, greift einmal energisch durch.
    Ich habe ja den dritten (schwierigen) Hund an der Leine und ich habe einige Erziehungsmethoden durch: Thomas Baumann, Haltiführung, nun Martin Rütter.
    Man kann nicht konsequent bei einer Erziehungsstil bleiben das geht nicht.
    Manchmal muß man einfach nach dem Instinkt handeln.
    Ich würde meinen Hund nie schlagen, aber ich habe bei Lyko anfangs indoor Wasser einsetzen müssen, weil er einfach Zähne gezeigt hat und das Bett als sein Ressouce angesehen hat.
    Da half kein Ignorieren, kein Raum verlassen, kein mit Leckerchen runterlocken.
    Da half nur "Wasser marsch"!
    Ebenso, nun das Gartenverteigigen gegen alle möglichen Außenreize.
    Ich habe es den ganzen Sommer mit allem möglichen sanften, führungstechnischen, ablenkungs-leckerchen, Alterntivverhalten-Methoden versucht.
    Am Ende hieß es dann auch "Wasser marsch", denn es war eskaliert und nichts griff.

    Manchmal geht einfach nichts anders... und man muß einfach irgendwann irgendwas finden, egal wie positiv man erziehen will.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lyko es mir nicht übel nimmt, sondern mir es dankt durch Bindung, dass ich einfach klare Ansagen mache und ihm zeige: Bis hierhin und nicht weiter und nun ist SCHLUß!

    Liebe Grüße
    Silke

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    1. Da Wasser haben wir auch schon probiert... Da hat sich das Hundekind sogar noch gefreut ;)

      Es freut mich, dass ihr das auch so sehr wie wir

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  3. Hm, für mich gibt es das sowieso nicht, DIE Erziehungs- oder Trainingsmethode. Für mich gibt es immer nur ein Tier (Pferd/Hund) und einen Menschen. Beide bringen Charakter, Stärken, Abneigungen und Vorlieben mit. Das ist der Punkt, an dem man ansetzen muss, schon, um als Mensch authentisch zu bleiben. Verbiegen zu Gunsten irgendeiner Trainingsmethode wird nicht funktionieren. Umgekehrt kann auch nicht EINE Trainingsmethode auf alle Hunde passen. Es kann vielleicht eine Grundrichtung geben, aber alles andere bleibt der Individualität geschuldet. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als den eigenen Weg zu finden, in dem man hier und da mal über den Tellerrand schaut. Es wird sich immer etwas finden lassen, was man gerne und leicht umsetzen kann. Und darauf kommt es meiner Meinung nach an. Ich jedenfalls fahre schon seit Jahren mit der "Andrea-Arnoldt-Kauderwelsch-Methode" sehr gut... ;) Dann muss man auch nicht andere Trainer niedermachen, die auch nur ihren eigenen Stil perfektioniert haben. Man muss ja nicht alles nachmachen...

    LG Andrea und Linda

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    1. Ich schließe mich Andrea an. Es gibt nicht diiie perfekte Trainingsmethode. Es ist ja auch jeder Mensch anders. Wichtig ist, dass man mit dem eigenen Hund klarkommt.

      Leckerlies haben bei Charly prima funktioniert. Bis er nichts mehr ohne machte ...

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  4. Und für Linda ist diese Kauderwelsch-Methode sicher die einzig perfekte :)

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  5. Sehr schön. Ich bin auch der Meinung, dass es nicht DIE eine richtige Trainingsmethode gibt, weil jeder Hund nun Mal anders ist. Das habe ich früher schon lange vermutet und seit wir Momo haben ist mir das 100% klar: Es gibt keine universelle Methode, die bei allen Hunden funktioniert. Manche Sachen, die Genki kann, haben wir Momo bis heute nicht beibringen können. Andere Sachen, die Genki nicht kann, lernte sie schnell. Um ein praktisches Beispiel zu nennen: Ich kann Momo mit einem Leckerchen in der Hand dazu bringen bei Fuß ohne Leine an einem anderen Hund vorbei zu laufen. Genkis Interesse an Leckerchen ist nicht groß genug um mir in so einer Situation seine Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn er einen Hund sieht, verfällt er in eine Starre, in der er mich garnicht mehr wahrnimmt.

    Für mich macht einen guten Hundetrainer aus, dass er sich einen Hund genau anschaut, sieht wie er auf verschiedene Methoden reagiert und darauf hin entsprechend handelt.
    (Und um noch Mal auf das Cesar Millan Thema zurückzukommen: Das ist einer der Gründe, weshalb er für mich kein guter Trainer ist. In dem Buch, das ich von ihm gelesen habe, verwendet er in den Beispielfällen für absolut jeden einzelnen Hund immer die selbe Methode. Es ist immer ein "Du musst eine stärkere Energie haben als der Hund - Du bis das Alpha, du hast das Sagen". Der Hund wird immer unterbuttert. Es ist immer die selbe Angehensweise)

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  6. wuff wuff

    als ich bei meinen Menschen eingezogen war, wollte Frauchen auch verschiedene Sichtweisen kennenlernen. Waren doch ihre "Erfahrungen" nach 10 Jahren etwas angestaubt.
    So individuell wie viele Erziehungsmethoden sind auch wir Hunde. Jeder einzelne von uns... und was bei einem funktioniert muss bei einem anderen Hund noch lange nicht klappen.
    Wir haben ja den Sport Obedience für uns entdeckt. Angefangen vom shapen, über clickern, Stimmmodulation bis hin zu Leckerchen und spielen ist alles im Training dabei. Und selbst beim Obedience gibt es tausend Möglichkeiten und Ansätze für eine Übung. Hier ist der mensch gefragt, sich das richtige für seinen Hund auszusuchen.

    Eine Gebrauchsanweisung für uns Hunde gibt es nicht. Da müssen dann halt die Menschen mal ihren Kopf nicht nur zum Haare schneiden benutzen. Gewalt und/oder Starkzwangmittel gehen gar nicht in der Erziehung/Ausbildung. Frauchen sagt immer: Wer Hunde mit Gewalt erzieht offenbart seine geistige Armut.

    schlabberGrüße von Shila

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  7. Danke, Danke, Danke! Danke für diesen Beitrag!
    Ich bin so froh, dass du genau das geschrieben hast, was mir in letzter Zeit immer wieder durch den Kopf geht! Überall geben Menschen andauernd ihren Senf zu Dingen, wie der Hundeerziehung, ohne die Vorgeschichte des Hund-Mensch-Teams zu kennen, und ohne Respekt vor der Entscheidung eines anderen Menschen zu haben.
    Danke für deinen Artikel :)

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    1. Da bin ich also nicht die Einzige, die so denkt? Das beruhigt mich aber :D

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  8. Die sachlichen Argumente, die wir von unseren Lesern bekommen haben, die fand ich aber gut. Auch gerne die Kritik. So kann man das, an was man glaubt nämlich auch noch einmal hinterfragen. Entweder man merkt dann, dass man recht hat, oder das man das ein oder andere auch überdenken sollte. Aber wie gesagt: Es muss sachlich bleiben!

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    1. Leider sucht man Sachlichkeit bei den Themen Erziehung und Ernährung oftmals vergebens :-(

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  9. Ein super Artikel! Jeder kennt seinen Hund am besten und wird daher am ehesten wisssen, was das richtige ist. Solange die Grenzes des Tierschutzes berücksichtigt werden, ist die Welt völlig in Ordnung. Man sollte viel öfter auf sein Bauchgefühl hören
    Liebe Grüße von Sabrina und Queen

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  10. Ich beschäftige mich auch gerade mit den unterschiedlichen Erziehungsmethoden. Gehe ich nun in eine Hundeschule in der mit positiver Verstärkung gearbeitet wird oder doch dort hin wo mehr mit Körpersprache gearbeitet wird. Bisher bin ich mit positiver Verstärkung sowohl bei Femi als auch bei Cosmo ganz gut gefahren ohne zum Leckerchenautomaten zu werden. Doch manchmal braucht der puberäre Cosmo auch klare Ansagen. Ein Mittelding wäre gut, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Hundeschulen sich sehr auf eine Methode festlegen. Man muss da eben den Bauch entscheiden lassen. Aber ich finde es total wichtig, was du geschrieben hast. Es muss wirklich jeder für sich selbst wissen, ohne sich Belehrungen oder gar Beschimpfungen anhören zu müssen. Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg.

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  11. Ihr habt so Recht. Wir waren in einer Hundeschule und dort wurden alle 10 Hunde nach der selben Methode trainiert. Beim einen hat es gewirkt, beim anderen nicht. Am Ende standen alle da und haben gemeckert. Aber sie sind am nächsten Samstag wieder dort gewesen.
    Wir haben aufgehört.
    Wir sind es Adgi schuldig, ihm unterschiedliche Möglichkeiten aufzuweisen. Wir haben Milan versucht, nach einiger Zeit konnte er das tzzz und anstupsen nicht mehr haben. Wir haben Rütters auspowern und aportieren versucht, hat auch nicht geklappt.

    Es gibt nicht DIE Methode, die uns da vorgebetet wird. Ganz sicher nicht. Dann würde jeder Hund mit einer Bedienungsanleitung in 5 Sprachen auf die Welt kommen.

    Ihr habt schon ganz Recht, euch vielseitig zu informieren!

    Liebe Grüße

    Anika und Adgi

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  12. Sehr gut geschrieben!!!! Irgendwann findet jeder seinen Weg...

    Liebe Grüße vicky

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  13. Bei Lilly hat das positive Klicker Training bei allem perfekt funktioniert, nur beim "bei Fuss" laufen tut es das einfach nicht. Ohne Leckerlies kein bei Fuss. Nun mach ich mir auch über andere Methoden Gedanken und mich würde sehr interessieren was Du als Alternative entdeckt hast!

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    1. Meinst du das kurzzeitige bei Fuß laufen, wo die Hunde einen anhimmeln sollen, oder das normale "nicht an der Leine ziehen sondern neben meinem Fuss laufen?"

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