Zielobjektsuche oder kurz ZOS

Zielobjektsuche oder kurz ZOS

Hallo ihr Lieben,

am Montag haben wir euch verschiedene Nasensportarten näher gebracht und heute möchten wir uns mit einer Sportart ganz besonders beschäftigen:


Der Zielobjektsuche, kurz ZOS.

Dafür durften wir ein Interview mit Ramona führen. Ramona lebt zusammen mit Hiro,einem 7 Jahre alten Border-Collie Mix, und Elli, einem 5jährigen Shiba-Inu Mix. Ursprünglich kommen die 3 aus Sachsen und haben hier in einem Hundesportverein mit Ihrer Sportlerkarriere angefangen. Heute könnt ihr sie im schönen Nord-Baden antreffen. Wenn ihr aber nicht aus der Gegend kommt, dann könnt ihr die 3 auch einfach bei Facebook begleiten.



Hundekind Abby: Wie seid ihr zum ZOSen gekommen und wie lange zos’t ihr schon?
Hiro & Elli: Auf
das ZOS sind wir eher durch Zufall gekommen. Frauchen war mit anderen Trainern
unseres Hundesport-Vereines auf einer Fortbildung in Brandenburg im
Hundezentrum Baumann. Dort lernten wir ZOS bei Thomas Baumann kennen und bei
einigen Teilnehmern entfachte die Faszination ZOS, der Verein gründete eine
ZOS-Gruppe. Das war vor fast 5 Jahren.


Hundekind Abby: Wie sieht bei euch ein normales Training aus?

Ramona: Das
Schöne am ZOS ist, hat man den Grundlagen genug Gründlichkeit und Geduld
geschenkt, dann ist man später unwahrscheinlich flexibel. Ein „normales“
Training gibt es nicht. Wenn uns die Lust packt, dann wird mal kurzerhand das
Wohnzimmer in ein Trümmerfeld verwandelt. Oder man findet draußen beim Sperrmüll
ein wunderbares Trümmerfeld, oder beim Gassi gehen – oder im Keller…oder…oder… 
Normalerweise suchen die Hunde 2-3 Runden, abwechselnd a 2-5 Minuten. Manchmal
gibt es auch nur eine kleine Suche zwischendurch. Sehr oft haben wir einfach
die Gegenstände dabei…und ein paar Leckerlies und einen Clicker und wenn es
sich ergibt üben wir. 
Leider haben wir inzwischen keine ZOS-Gruppe mehr und üben alleine. Eine Gruppe
hat viele Vorteile. Zum einen ist es sehr hilfreich, wenn jemand anders den
Gegenstand versteckt und der Hundeführer das Versteck gar nicht kennt. Zum
anderen kann man sich wundervoll gegenseitig auf die Finger schauen und
korrigieren. Außerdem macht es zusammen einfach mehr Spaß. Da uns keiner auf die Finger schaut, läuft bei uns sehr oft die Videokamera im
Training. In der Analyse danach kann man doch noch einiges erkennen, was besser
ginge.


Elli zos’t im Wald

Hundekind Abby: Was ist für euch das Besondere am ZOS?
Ramona: Nach
vielen Dingen, die wir ausprobiert und auch lange trainiert haben, bleib am
Ende vor allem das ZOS. Hiro ist ein sehr unsicherer und ängstlicher Hund. Elli
dreht sehr schnell, sehr hoch. Beiden Hunden tut die intensive Nasenarbeit sehr
gut. Von Anfang an baut das Training auf positiver Bestärkung auf – und darauf
dem Hund möglichst Erfolge zu verschaffen.
Da das Zielobjekt, verglichen mit einem Dummy oder Ball sehr klein ist, muss
der Hund wirklich intensiv suchen. Im Training übt man sehr viel die
kontinuierliche ausdeutende Suche. Das fördert die Konzentration. Ebenso
wichtig wie die Suche, ist die ruhige und korrekte Anzeige, die genauso
intensiv geschult wird, wie die Suche. Verglichen mit vielen,vielen anderen
Beschäftigungen mit dem Hund, liegt hier in der Ruhe die Kraft. Gerade meinem
Border-Mix tut diese ruhige Auslastung sehr gut. Ich als Hundeführer habe gelernt meine Hunde sehr viel genauer „zu lesen“ Man
lernt viel, in der Suche. Heute weiß ich sehr genau unterwegs, wann mein Hund
schnuppert – und wann er eine tolle Fährte entdeckt hat und es höchste Zeit ist
ihn abzurufen.
Ich muss, wenn ich nicht möchte, keine große Vorbereitung treffen, wenn ich
heute ZOSen möchte. Wenn die Grundlagen sitzen, kann ich spontan in den Keller
gehen zum Suchen, oder in die Waschküche…oder in den Wald. Ich muss nicht lange
etwas aufbauen und vorbereiten. Am meisten fasziniert mich aber seit Jahren noch die Hingabe meiner Hunde in
der suche – und die Tatsache, dass ich nicht Stunden brauche, damit meine Hunde
sich zufrieden und ausgelastet zusammenrollen.



Hundekind Abby: Wo übt ihr?
Ramona: Wir
sind lange über das anzossen hinaus. Das heißt: Uns steht die Welt offen 🙂


Am Anfang wenn die Hunde einen Gegenstand kennen lernen, oder einen neuen dazu
bekommen achte ich auf ruhige Räume. Hat man mehrere Hunde, trainiert man
unbedingt alleine!
Ist man einmal so weit, in die freie Suche zu gehen, gibt es nur wenige
Grenzen. Üben kann man eigentlich (fast) überall. Man findet draußen viele
Versteckmöglichkeiten. Man sollte nur vorher die Umgebung auf Sicherheit
überprüfen (Holzstapel kann nicht rutschen, keine scharfen Kanten, Drähte….).
Viele ZOS-er die ich kenne lieben sperrmüll-Tage. Ist der Hund umweltsicher,
und man ist sich selbst sicher nicht zu stören, sind auch Baumärkte ein prima
Übungsgelände…oder…oder…
Man kann aber, gerade bei Regenwetter auch in der kleinsten Bude, mit ganz
normalen Haushaltsdingen ein Trümmerfeld bauen. Das ist eine der wundervollen
Dinge an ZOS: Ich kann meinen Hund auch in einer kleinen Wohnung geistig
auslasten.



Auch zu Hause ist ZOSen möglich!



Hundekind Abby: Auf was sind deine 2 konditioniert?
Ramona: Für Prüfungen gibt es Richtlinien, hierbei darf
der Gegenstand max.15 qcm Oberfläche und maximal 1 cm Höhe haben und keinen
starken Eigengeruch. 
Ich kenne von Freunden viele verschiedene Gegenstände. Manche sind einfacher,
manche schwerer. 
Für Hiro, die ich mit dem Training als Hobby viel mehr in ihrem
Selbsbewusstsein stärken möchte, habe ich recht einfache und große Gegenstände
die für einen Wettkampf nicht zugelassen wären: Ein Stück Leder und ein
ZOS-Püppi (aus Nylon). Wir arbeiten derzeit an einem Stück Wäscheklammer aus
Holz als dritter Gegenstand.
Bei Elli darf und muss ich mehr fordern. Sie hat derzeit das vordere Teil eines
Kugelschreibers (Kunststoff / Metall) und das Innenleben eines USB-Sticks
(Metall / Kunststoff). Als drittes wird ein Medaillon aus Keramik dazu kommen,
da relativ schwer wird, weil es deutlich weniger Gerüche annimmt. Da ich mit zwei Hunden trainiere achte ich darauf, verschiedene Materialien zu
nutzen.

Hundekind Abby: Wie habt ihr mit dem ZOSen angefangen?

Ramona: Wir
hatten wirklich das Glück in Brandenburg im Hundezentrum Baumann in einer kleinen Gruppen-Fortbildung (www.hundezentrum-baumann.de) kennen zu lernen und eine erste
Einführung zu bekommen. Danach haben wir als Gruppe im Verein 3 Jahre weiter
trainiert, mit jährlichen Fortbildungen. Ein Leitfaden war für uns damals,
neben der Fortbildung die ZOS-Zielobjektsuche
DVD von Thomas
& Ina Baumann und später auch das Buch Das Anklicken*.



Hiro im Trümmerfeld

Hundekind Abby: Gibt es Wettbewerbe im ZOS und wenn ja, wie laufen die ab?
Ramona: Es
gibt in Deutschland jedes Jahr eine Meisterschaft, die im Hundezentrum Baumann
in Brandenburg stattfindet. Um dort teilzunehmen, muss man sich auf einer
Ausscheidung qualifizieren. Es werden jedes Jahr mehr
Qualifikations-Wettkämpfe, aber leider nicht jede Region ist gut abgedeckt. 


Es gibt im ZOS mehrere Such-Felde:
Das Trümerfeld ist wohl das
bekannteste
Die Päckchenstraße beinhaltet
Objekte (Koffer, Eimer…) mit Löchern, hinter denen sich „Geruchskammern“
befinden.
Bei der Flächensuche, sucht der Hund
in einem abgesteckten Gebiet seinen Gegenstand auf freier Fläche.
Eine Prüfung beinhaltet mindestens alle dieser 3 Suchgebiete. Es gibt
verschiedene Leistungsstufen in einem Wettbewerb. Anfänger suchen zum Beispiel
nur einen Gegenstand im Trümmerfeld – Fortgeschrittene müssen 2 in 2
Trümmerfeldern suchen. Die erlaubte Suchzeit ist vorgeben und liegt zum
Beispiel im Trümmerfeld für Anfänger bei 5 Minuten. Ein Team in der Einsteigerklasse muss 2 verschiedene Gegenstände finden können.
Ein sehr fortgeschrittener Hund muss sogar aus mehreren Gegenständen den
richtigen finden. Für die ganz erfahrenen ZOSer kommt in der höchsten Leistungsstufe noch die
Suchwand hinzu.Wer
Lust hat einmal die genauen Anforderungen und Regeln zu lesen, findet diese hier online

Auch Hiro zos’t im Wald!

Hundekind Abby: Wem würdet ihr empfehlen, mit dem ZOSen zu beginnen
und vor allem: wie? Muss man unbedingt ein Seminar besuchen oder kann man sich
und seinem Hund das auch alleine beibringen?


Ramona: Beginnen
kann man eigentlich immer. Die Elli hatte ich mehr aus Spaß und Beschäftigung
mit im Training, als sie gerade mal 4 Monate war. Natürlich übt man in dem
Alter viel lockerer. Das ancklickern hat ihr aber sehr viel Spaß gemacht. Außer mit meinen Hunden habe ich mit vielen Pflege- und Gasthunden geZOSt. Die
älteste, mit der ich angefangen habe war 10 Jahre, die schwierigste, aus sehr
schlechter Haltung hat wunderbar gesucht – nur die Anzeige war eben nur ein
Sitz. Der älteste ZOS Hund, den ich persönlich kenne, war 14 Jahre alt, blind
und taub. Auch hier war die Suche viel wichtiger, als die korrekte Anzeige. Der
Hund hat einfach lautstark gebellt 🙂
Ich persönlich bin froh, dass ich eine gute Einarbeitung hatte und eine tolle
Gruppe.
Für den Hobby-Bereich kann man ZOS sicherlich auch alleine lernen und üben. Es
gibt inzwischen Bücher dazu, eine DVD und natürlich viel, viel Material im
Internet.
Wer kann, sollte sich dennoch nach einem Trainer umsehen. Es ist einfacher für
die Motivation und es macht mehr Spaß, wenn man nicht alleine ist.

Ich denke, es ist wie mit vielen Dingen im Hundewesen. Es gibt Naturtalente,
die ihrem Hund sehr viel sehr gut beibringen können – spätestens aber, wenn man
auf Turniere schielt, ist eine fachgerechte Betreuung, gerade am Anfang sehr
sinnvoll.
Möchte man ZOS einfach nur zum Hobby machen, kann man sich das alleine
erarbeiten. Gerade die Feinheiten sind aber manchmal schwer zu erkennen, gerade
die kleinen Fehler, am Anfang, die einem (vor allem dem Hund) sehr schnell die
Lust rauben können, werden unterschätzt.
Wenn wirklich gar nichts hilft. Kein Trainer in der Nähe, kein Verein…dann kann
man immer noch versuchen gleichgesinnte im Netz zu treffen und sich
auszutauschen. Ich persönlich mag als Hilfsmittel für das Training alleine ganz gerne die
Videokamera. Wenn man nicht so genau weiß, worauf man achten sollte, hat man
vielleicht Bekannte, oder Kontakte, die mal drüber schauen können.

Hundekind Abby: Gibt es eine Übung die dir einfällt, bei der jeder
einmal testen kann, ob ZOSen was für sich und seinen Hund ist?

Ramona: *Lach*
Nein. Fast jeder Hund mag Leckerlies. Ich kenne ein paar besondere Felle, die
ihren Hund nicht mit der feinsten Leberwurst belohnen konnten, aber die Hunde
mochten Berührungen oder Lob besonders. Wenn der Hund durch Futter zu belohnen ist – UND ein Mindestmaß an
Zusammenarbeit mag – einfach mal über das anclicken informieren und loslegen!








Man sollte sich nur über eines bewusst sein: Für den Hund ist jeder
Trainingsschritt toll. ZOS baut darauf auf, durch schnelle, einfache Aufgaben,
dem Hund sehr schnell Erfolge zu verschaffen. Schwierig ist der Mensch. Am Anfang braucht man viel Geduld, viele
Wiederholungen, viele kleine Übungseinheiten bevor man „so richtig“ loslegen
kann. Die Frage ist weniger, ob der Hund dafür geeignet ist…. 

Wer von euch möchte jetzt auch unbedingt mit ZOSen anfangen? Oder zos’t ihr vielleicht schon? Erzählt uns eure Erfahrungen.
Eure Abby


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5 Gedanken zu „Zielobjektsuche oder kurz ZOS

  1. Toller Beitrag und tolle Anfangsinfos.
    Ich persönlich finde ja jegliche Nasenarbeit beim Hund total faszinierend.
    Wir haben aber auch als erstes geZOSt, dann gemantrailt und am Ende kam die Fährtenarbeit

    Gruß Silke

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