Zielobjektsuche oder kurz ZOS

Mittwoch, März 16, 2016 Hundekind Abby 4 Comments

Hallo ihr Lieben,

am Montag haben wir euch verschiedene Nasensportarten näher gebracht und heute möchten wir uns mit einer Sportart ganz besonders beschäftigen:


Der Zielobjektsuche, kurz ZOS.




Dafür durften wir ein Interview mit Ramona führen. Ramona lebt zusammen mit Hiro,einem 7 Jahre alten Border-Collie Mix, und Elli, einem 5jährigen Shiba-Inu Mix. Ursprünglich kommen die 3 aus Sachsen und haben hier in einem Hundesportverein mit Ihrer Sportlerkarriere angefangen. Heute könnt ihr sie im schönen Nord-Baden antreffen. Wenn ihr aber nicht aus der Gegend kommt, dann könnt ihr die 3 auch einfach bei Facebook begleiten.


Hundekind Abby: Wie seid ihr zum ZOSen gekommen und wie lange zos't ihr schon?
Hiro & Elli: Auf das ZOS sind wir eher durch Zufall gekommen. Frauchen war mit anderen Trainern unseres Hundesport-Vereines auf einer Fortbildung in Brandenburg im Hundezentrum Baumann. Dort lernten wir ZOS bei Thomas Baumann kennen und bei einigen Teilnehmern entfachte die Faszination ZOS, der Verein gründete eine ZOS-Gruppe. Das war vor fast 5 Jahren.




Hundekind Abby: Wie sieht bei euch ein normales Training aus?
Ramona: Das Schöne am ZOS ist, hat man den Grundlagen genug Gründlichkeit und Geduld geschenkt, dann ist man später unwahrscheinlich flexibel. Ein „normales“ Training gibt es nicht. Wenn uns die Lust packt, dann wird mal kurzerhand das Wohnzimmer in ein Trümmerfeld verwandelt. Oder man findet draußen beim Sperrmüll ein wunderbares Trümmerfeld, oder beim Gassi gehen – oder im Keller…oder…oder… Normalerweise suchen die Hunde 2-3 Runden, abwechselnd a 2-5 Minuten. Manchmal gibt es auch nur eine kleine Suche zwischendurch. Sehr oft haben wir einfach die Gegenstände dabei…und ein paar Leckerlies und einen Clicker und wenn es sich ergibt üben wir. Leider haben wir inzwischen keine ZOS-Gruppe mehr und üben alleine. Eine Gruppe hat viele Vorteile. Zum einen ist es sehr hilfreich, wenn jemand anders den Gegenstand versteckt und der Hundeführer das Versteck gar nicht kennt. Zum anderen kann man sich wundervoll gegenseitig auf die Finger schauen und korrigieren. Außerdem macht es zusammen einfach mehr Spaß. Da uns keiner auf die Finger schaut, läuft bei uns sehr oft die Videokamera im Training. In der Analyse danach kann man doch noch einiges erkennen, was besser ginge.

Elli zos't im Wald

Hundekind Abby: Was ist für euch das Besondere am ZOS?
Ramona: Nach vielen Dingen, die wir ausprobiert und auch lange trainiert haben, bleib am Ende vor allem das ZOS. Hiro ist ein sehr unsicherer und ängstlicher Hund. Elli dreht sehr schnell, sehr hoch. Beiden Hunden tut die intensive Nasenarbeit sehr gut. Von Anfang an baut das Training auf positiver Bestärkung auf – und darauf dem Hund möglichst Erfolge zu verschaffen.
Da das Zielobjekt, verglichen mit einem Dummy oder Ball sehr klein ist, muss der Hund wirklich intensiv suchen. Im Training übt man sehr viel die kontinuierliche ausdeutende Suche. Das fördert die Konzentration. Ebenso wichtig wie die Suche, ist die ruhige und korrekte Anzeige, die genauso intensiv geschult wird, wie die Suche. Verglichen mit vielen,vielen anderen Beschäftigungen mit dem Hund, liegt hier in der Ruhe die Kraft. Gerade meinem Border-Mix tut diese ruhige Auslastung sehr gut. Ich als Hundeführer habe gelernt meine Hunde sehr viel genauer „zu lesen“ Man lernt viel, in der Suche. Heute weiß ich sehr genau unterwegs, wann mein Hund schnuppert – und wann er eine tolle Fährte entdeckt hat und es höchste Zeit ist ihn abzurufen.
Ich muss, wenn ich nicht möchte, keine große Vorbereitung treffen, wenn ich heute ZOSen möchte. Wenn die Grundlagen sitzen, kann ich spontan in den Keller gehen zum Suchen, oder in die Waschküche…oder in den Wald. Ich muss nicht lange etwas aufbauen und vorbereiten. Am meisten fasziniert mich aber seit Jahren noch die Hingabe meiner Hunde in der suche – und die Tatsache, dass ich nicht Stunden brauche, damit meine Hunde sich zufrieden und ausgelastet zusammenrollen.



Hundekind Abby: Wo übt ihr?
Ramona: 
Wir sind lange über das anzossen hinaus. Das heißt: Uns steht die Welt offen :)

Am Anfang wenn die Hunde einen Gegenstand kennen lernen, oder einen neuen dazu bekommen achte ich auf ruhige Räume. Hat man mehrere Hunde, trainiert man unbedingt alleine!
Ist man einmal so weit, in die freie Suche zu gehen, gibt es nur wenige Grenzen. Üben kann man eigentlich (fast) überall. Man findet draußen viele Versteckmöglichkeiten. Man sollte nur vorher die Umgebung auf Sicherheit überprüfen (Holzstapel kann nicht rutschen, keine scharfen Kanten, Drähte….). Viele ZOS-er die ich kenne lieben sperrmüll-Tage. Ist der Hund umweltsicher, und man ist sich selbst sicher nicht zu stören, sind auch Baumärkte ein prima Übungsgelände…oder…oder…
Man kann aber, gerade bei Regenwetter auch in der kleinsten Bude, mit ganz normalen Haushaltsdingen ein Trümmerfeld bauen. Das ist eine der wundervollen Dinge an ZOS: Ich kann meinen Hund auch in einer kleinen Wohnung geistig auslasten.



Auch zu Hause ist ZOSen möglich!


Hundekind Abby: Auf was sind deine 2 konditioniert?
Ramona: Für Prüfungen gibt es Richtlinien, hierbei darf der Gegenstand max.15 qcm Oberfläche und maximal 1 cm Höhe haben und keinen starken Eigengeruch. 
Ich kenne von Freunden viele verschiedene Gegenstände. Manche sind einfacher, manche schwerer. 
Für Hiro, die ich mit dem Training als Hobby viel mehr in ihrem Selbsbewusstsein stärken möchte, habe ich recht einfache und große Gegenstände die für einen Wettkampf nicht zugelassen wären: Ein Stück Leder und ein ZOS-Püppi (aus Nylon). Wir arbeiten derzeit an einem Stück Wäscheklammer aus Holz als dritter Gegenstand.
Bei Elli darf und muss ich mehr fordern. Sie hat derzeit das vordere Teil eines Kugelschreibers (Kunststoff / Metall) und das Innenleben eines USB-Sticks (Metall / Kunststoff). Als drittes wird ein Medaillon aus Keramik dazu kommen, da relativ schwer wird, weil es deutlich weniger Gerüche annimmt. Da ich mit zwei Hunden trainiere achte ich darauf, verschiedene Materialien zu nutzen.

Hundekind Abby: Wie habt ihr mit dem ZOSen angefangen?
Ramona: Wir hatten wirklich das Glück in Brandenburg im Hundezentrum Baumann in einer kleinen Gruppen-Fortbildung (www.hundezentrum-baumann.de) kennen zu lernen und eine erste Einführung zu bekommen. Danach haben wir als Gruppe im Verein 3 Jahre weiter trainiert, mit jährlichen Fortbildungen. Ein Leitfaden war für uns damals, neben der Fortbildung die ZOS-Zielobjektsuche* DVD von Thomas & Ina Baumann und später auch das Buch Das Anklicken*.


Hiro im Trümmerfeld

Hundekind Abby: Gibt es Wettbewerbe im ZOS und wenn ja, wie laufen die ab?
Ramona: Es gibt in Deutschland jedes Jahr eine Meisterschaft, die im Hundezentrum Baumann in Brandenburg stattfindet. Um dort teilzunehmen, muss man sich auf einer Ausscheidung qualifizieren. Es werden jedes Jahr mehr Qualifikations-Wettkämpfe, aber leider nicht jede Region ist gut abgedeckt. 

Es gibt im ZOS mehrere Such-Felde:
Das Trümerfeld ist wohl das bekannteste
Die Päckchenstraße beinhaltet Objekte (Koffer, Eimer…) mit Löchern, hinter denen sich „Geruchskammern“ befinden.
Bei der Flächensuche, sucht der Hund in einem abgesteckten Gebiet seinen Gegenstand auf freier Fläche.
Eine Prüfung beinhaltet mindestens alle dieser 3 Suchgebiete. Es gibt verschiedene Leistungsstufen in einem Wettbewerb. Anfänger suchen zum Beispiel nur einen Gegenstand im Trümmerfeld – Fortgeschrittene müssen 2 in 2 Trümmerfeldern suchen. Die erlaubte Suchzeit ist vorgeben und liegt zum Beispiel im Trümmerfeld für Anfänger bei 5 Minuten. Ein Team in der Einsteigerklasse muss 2 verschiedene Gegenstände finden können. Ein sehr fortgeschrittener Hund muss sogar aus mehreren Gegenständen den richtigen finden. Für die ganz erfahrenen ZOSer kommt in der höchsten Leistungsstufe noch die Suchwand hinzu.
Wer Lust hat einmal die genauen Anforderungen und Regeln zu lesen, findet diese hier online



Auch Hiro zos't im Wald!
Hundekind Abby: Wem würdet ihr empfehlen, mit dem ZOSen zu beginnen und vor allem: wie? Muss man unbedingt ein Seminar besuchen oder kann man sich und seinem Hund das auch alleine beibringen?
Ramona: Beginnen kann man eigentlich immer. Die Elli hatte ich mehr aus Spaß und Beschäftigung mit im Training, als sie gerade mal 4 Monate war. Natürlich übt man in dem Alter viel lockerer. Das ancklickern hat ihr aber sehr viel Spaß gemacht. Außer mit meinen Hunden habe ich mit vielen Pflege- und Gasthunden geZOSt. Die älteste, mit der ich angefangen habe war 10 Jahre, die schwierigste, aus sehr schlechter Haltung hat wunderbar gesucht – nur die Anzeige war eben nur ein Sitz. Der älteste ZOS Hund, den ich persönlich kenne, war 14 Jahre alt, blind und taub. Auch hier war die Suche viel wichtiger, als die korrekte Anzeige. Der Hund hat einfach lautstark gebellt :)
Ich persönlich bin froh, dass ich eine gute Einarbeitung hatte und eine tolle Gruppe.
Für den Hobby-Bereich kann man ZOS sicherlich auch alleine lernen und üben. Es gibt inzwischen Bücher dazu, eine DVD und natürlich viel, viel Material im Internet.
Wer kann, sollte sich dennoch nach einem Trainer umsehen. Es ist einfacher für die Motivation und es macht mehr Spaß, wenn man nicht alleine ist.
Ich denke, es ist wie mit vielen Dingen im Hundewesen. Es gibt Naturtalente, die ihrem Hund sehr viel sehr gut beibringen können – spätestens aber, wenn man auf Turniere schielt, ist eine fachgerechte Betreuung, gerade am Anfang sehr sinnvoll.
Möchte man ZOS einfach nur zum Hobby machen, kann man sich das alleine erarbeiten. Gerade die Feinheiten sind aber manchmal schwer zu erkennen, gerade die kleinen Fehler, am Anfang, die einem (vor allem dem Hund) sehr schnell die Lust rauben können, werden unterschätzt.
Wenn wirklich gar nichts hilft. Kein Trainer in der Nähe, kein Verein…dann kann man immer noch versuchen gleichgesinnte im Netz zu treffen und sich auszutauschen. Ich persönlich mag als Hilfsmittel für das Training alleine ganz gerne die Videokamera. Wenn man nicht so genau weiß, worauf man achten sollte, hat man vielleicht Bekannte, oder Kontakte, die mal drüber schauen können.


Hundekind Abby: Gibt es eine Übung die dir einfällt, bei der jeder einmal testen kann, ob ZOSen was für sich und seinen Hund ist?
Ramona: *Lach* Nein. Fast jeder Hund mag Leckerlies. Ich kenne ein paar besondere Felle, die ihren Hund nicht mit der feinsten Leberwurst belohnen konnten, aber die Hunde mochten Berührungen oder Lob besonders. Wenn der Hund durch Futter zu belohnen ist – UND ein Mindestmaß an Zusammenarbeit mag – einfach mal über das anclicken informieren und loslegen!





Man sollte sich nur über eines bewusst sein: Für den Hund ist jeder Trainingsschritt toll. ZOS baut darauf auf, durch schnelle, einfache Aufgaben, dem Hund sehr schnell Erfolge zu verschaffen. Schwierig ist der Mensch. Am Anfang braucht man viel Geduld, viele Wiederholungen, viele kleine Übungseinheiten bevor man „so richtig“ loslegen kann. Die Frage ist weniger, ob der Hund dafür geeignet ist…. 


Wer von euch möchte jetzt auch unbedingt mit ZOSen anfangen? Oder zos't ihr vielleicht schon? Erzählt uns eure Erfahrungen.
Eure Abby


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Kommentare :

  1. Ohh ja ich, ich mache das schon :) Danke für das Interview, mal wieder ein wengi Auffrischung !

    Schlabbergrüße Bonjo

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  2. Toller Beitrag und tolle Anfangsinfos.
    Ich persönlich finde ja jegliche Nasenarbeit beim Hund total faszinierend.
    Wir haben aber auch als erstes geZOSt, dann gemantrailt und am Ende kam die Fährtenarbeit

    Gruß Silke

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    1. Das klingt auch wahnsinnig spannend!
      Bei uns steht die Nasenarbeit dieses Jahr auch auf dem Plan. Wir wissen nur noch nicht genau wie.

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  3. Ich finde es sehr gut, dass ihr eure Hunde mental auslastet!
    Weiter so! =)

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