Ist es Out geworden zum Tierarzt zu gehen?

Montag, Mai 30, 2016 Hundekind Abby 7 Comments

Hallo ihr Lieben,

unser Wochenende war recht entspannt und wir konnten jeden Tage beobachten, wie Abby sich wieder mehr auf ihr Essen gefreut hat und alles ratzefatz leer fraß. Wir sind also auf einem sehr guten Weg und anscheinend hat sich der Verdacht der Scheinträchtigkeit bewahrheitet.

Wir haben auf unseren Artikel vom Freitag auch ganz viele Kommentare und Antworten bekommen, über die wir uns alle sehr gefreut haben. Es waren ganz viele Tipps dabei, was wir machen könnten und ihr habt uns berichtet, wie es mit euren Hündinnen immer ist. Das hat uns wirklich sehr gefreut, vor allem weil wir uns mit dem Thema bisher noch nie beschäftigen mussten. Allerdings haben wir auch einige Anmerkungen bekommen, die mich sehr stutzig und nachdenklich gemacht haben.

"Warum wollt ihr wegen so etwas denn zum Tierarzt? Das ist doch vollkommen natürlich!"



Über diese Frage habe ich länger nachgedacht, da sie für mich absolut nicht zu verstehen ist. Ich hatte bereits geschrieben, dass meine Tierärztin des Vertrauens und liebe Freundin mir die Ferndiagnose gestellt hat mit der Bitte, wenn es sich nicht bessert aber zum Arzt zu gehen. Für mich war diese Antwort das logischste der Welt. Warum sollte sie mir das auch nicht raten? Immerhin hatte sie Abby nicht gesehen und nur von meinen Beobachtungen eine Schlussfolgerung gezogen. Da ich sowieso nicht das Gefühl hatte, dass Abby leidet wäre ein Gang zum Tierarzt erst nächste Woche etwas geworden. Hätte sie aber gesagt, es könnte etwas schlimmes sein, wären wir natürlich sofort gegangen. Somit hatte sie mich erst einmal beruhigt und mir eine Idee gegeben, was mit meinem Hund los sein könnte. 

Nun war es so, dass auch meine liebe Tierärztin meinte, dass man nicht sofort als Notfall zum Tierarzt gehen muss und man Abby durchaus ein paar Tage beobachten kann. Es kann allerdings zu Komplikationen kommen, bei denen ein Tierarztbesuch durchaus angebracht wäre. Diese hat sie mir dann auch erklärt. Ist es jetzt aber so, dass man schon als panisch gilt, wenn man wegen etwas "natürlichem" zum Tierarzt geht oder das nur in Erwägung zieht? 


Dazu habe ich mich gefragt, warum man überhaupt zum Tierarzt geht.

Zu aller erst: Ich bin ein absoluter Gegner von Dr. Google! Klar google auch ich kleine Symptome wie einen kleinen Kratzer oder wie man eine Zecke richtig entfernt. Tipps und Ratschläge was man bei einem verstimmten Magen abends macht, habe ich auch schon nachgelesen. Sobald mein Hund aber entweder etwas hat, was in meinen Augen schwerwiegend ist und er Schmerzen hat oder ich nicht weiß, was es sein könnte, dann hole ich mir gerne Rat. Und das nicht von Dr. Google oder irgendwelchen Usern in diversen Internet und Facebook-Foren. 

Warum nicht?

Ganz Einfach: Ich möchte keine "ich habe das mal bei dem Hund der Nachbarin von meiner Freundin ihrer Schwester gesehen, das ist..." oder dass ein einfacher Pickel zum Tumor gemacht wird, weil das ja bei dem Rüden von nebenan der Fall war. Jeder Hund ist unterschiedlich, genauso wie jede Symptomatik. Und die meisten von uns sind nur Hundehalter, wir haben keine Veterinärmedizin studiert. Das dauert nämlich 5,5 Jahre. Hundehalter wird man ganz schnell und der gute Hundehalter beliest sich auch. Das ist alles gut und richtig. Bei der Gesundheit meines Hundes (und auch meines Kindes um das gleich mit zu erwähnen) vertraue ich aber nicht irgendwelchen mit Halbwissen gefütterten Hundehaltern. Natürlich freue ich mich über einen regen Erfahrungsaustausch aber doch bitte erst nach einer gesicherten Diagnose. Und das kann nur ein Tierarzt, der meinen Hund sieht, untersucht und das Fachwissen hat.
Dr. Google scheitert hier bei allen 3 Punkten. 

Warum gehe ich noch zum Tierarzt?


Nehmen wir jetzt das Beispiel Scheinträchtigkeit, was Abby nicht umbringt, so war das dennoch für uns beide eine neue Situation. Es mag sein, dass Scheinträchtigkeit etwas ganz normales ist, aber wenn einem Dinge das erste Mal passieren, dann möchte ich wissen worauf ich mich einstellen muss. Ich möchte, dass mir jemand (mit wirklicher Ahnung) erklärt, was mit meinem Hund passiert, was es für Komplikationen geben kann. Jemand, der mir zuhört und von seinen Erfahrungen berichtet. Natürlich gibt es Mittel, die man dem Hund geben kann aber eben nicht muss. Ich möchte, dass der Tierarzt für unseren Fall individuell mit uns bespricht, wie wir vorgehen. Braucht mein Hund etwas? Wenn ja, welche Präparate sind für uns angebracht, welche sollten wir lassen? All das bespricht man zusammen zum Wohle des Tieres. Nur weil ein Medikament für den einen hilft, muss es bei dem anderen genauso gut wirken. Also sollte man nicht einfach pauschal so in den Raum werfen, welches Mittel man dem Hund auf jeden Fall geben muss, weil es ja "sowieso wirkt". Oft muss man auch Wechselwirkungen bedenken. Von denen haben glaube ich nur die wenigsten Hundehalter eine Ahnung.

Und was für mich auch ein wichtiger Punkt wäre zum Arzt zu gehen ist, dass der Arzt meinen Hund damit noch besser kennt. Abby wird dieses Jahr 4, in ein paar Jahren bekommt sie, wenn wir Pech haben Krankheiten. Wenn der Tierarzt dann die Krankheitsgeschichte meines Hundes kennt, kann er vielleicht eine bessere Diagnose stellen weil er Hintergrundwissen hat. Hierzu ist es aber auch wichtig nicht wegen jeder Diagnose zu einem anderen Arzt zu gehen, weil der günstiger ist. 


Ist es dennoch Out zum Tierarzt zu gehen?

Ganz oft habe ich das Gefühl, dass man sich den Weg zum Tierarzt sparen will, obwohl der Hund etwas hat. Das beste Beispiel dafür sind die unzähligen Fragen in diversen Hundeforen. "Mein Hund hat gerade Blut gebrochen, kennt das jemand?" "Woran erkennt man, ob der Hund Würmer hat? Ich glaube meiner hat welche, bin mir aber nicht sicher." "Mein Hund leckt seine Pfote blutig, was kann ich machen?" oder, oder, oder.. Bei all diesen Dingen denke ich mir sofort "Ab zum Arzt und nicht noch ewig auf irgendwelche Antworten von Fremden warten." Aber aus irgendwelchen Gründen fragt man lieber einmal kostenlos im Netz.

Und da sind wir denke ich beim Hauptpunkt: Tierärzte kosten Geld und in Internet ist alles kostenlos! 



Außerdem sind Tierärzte ja nur auf das Geld der Hundehalter aus. Wirklich untersuchen tun sie ja keinen Hund... Wir hatten ja bereits einmal darüber berichtet, wie sich die Kosten beim Tierarzt zusammensetzen. Natürlich mag es Tierärzte geben, die einem gerne noch einmal ein "ganz tolles" Hundefutter aufschwatzen wollen, aber das rechtfertigt doch nicht, seinem Hund die Hilfe zu verwähren, die er oder auch ihr braucht!
Natürlich verstehen wir es, wenn man wegen Kleinigkeiten nicht ständig zum Arzt rennt. Als Abby in Welpenalter das 5. mal eine Bindehautentzündung hatte und die Ärztin vorher meinte, dass das bei Welpen recht häufig auftritt, wussten wir irgendwann was man unternehmen muss und haben ihr den Streß des Tierarztes auch erspart.

Wir sollten uns in dieser "Geiz ist Geil"- Gesellschaft mal wieder vor Augen führen, dass Tierärzte nicht nur dazu da sind um unseren Hunden im Notfall das Leben zu retten, sondern es auch bis dahin gesundheitlich angenehmer zu machen. Denkt das nächste Mal bitte daran bevor ihr Dr. Google fragt...

Eure Diana

Kommentare :

  1. Huhu,
    also ich gehe mit Deco und Pippa direkt zum Tierarzt wenn wirklich was gravierendes ist.
    Wenn Deco und Pippa z.b. einmal Durchfall-Häufchen machen, dann warte ich erstmal ab - gebe Schonkost und schaue mir Häufchen Nummer 2 und 3 an, danach entscheide ich ob es besser ist zum TA zu gehen.

    Fieber wird daheim gemessen, Puls und Atmung kontrolliere ich auch selbst ebenso die Schleimhäute... danach entscheide ich wie der allgemeine Zustand ist und ob es Sinn macht zum Arzt zu fahren.
    Nicht weil ich denke, ohje, das Kostet.. sondern weil ich keine Lust habe das meine Hunde einfach mal so Schmerzmittel bekommen ohne weiteren Hintergrund.

    Bisher bin ich damit immer sehr gut gefahren.
    Wir waren bisher nur beim TA weil Pippa sich mal 3 KILO Trofu auf einmal reingezogen hat, Deco einen Kutt am Ohr hatte und es genäht werden musste, Pippa den Muskelfaserriss hatte und das wars ;). Achja und zum Impfen :)
    LG, Carola mit Deco und PIppa

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    1. Ohje, 3 Kilo auf einmal? Das klingt übel :D

      Ja genau so machen wir es auch. Da wird eben nicht vorher elend lange gegoogelt, da wird gehandelt :D

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  2. Auf dieses Problem treffe ich leider jeden Tag. Zur Info, ich arbeite als Tiermedizinische Fachangestellte in einer Kleintierpraxis. Und mitlerweile ist es leider wirklich so das viele Leute viel zu spät kommen. Da wird dann erstmal Dr. Google gefragt, oder der Züchter, oder auch der Frisör (kein Scherz, wir haben einen Frisör im Ort der hält sich für den absoluten Gott in Weiß, und wir dürfen das dann hinterher alles wieder in Ordnung bringen).
    Da wird bei kleinen Welpen mit schlimmen Durchfall erstmal drei Tage gewartet bevor man dann zum Tierarzt geht, das dann natürlich ausserhalb der Sprechstunde, und dann regt man sich am besten noch über die Notdienstgebühr auf.
    Oder man kommt mit seinem Hund zum einschläfern, weil es ihm ja so schlecht geht, in dem Gespräch kommt dann aber raus das es dem Hund schon seit 4 !!!! Wochen so geht. Zwei Tage stationärer Aufenthalt, Infusionen und Medikamente, und der Hund ist nicht mehr wieder zu erkennen vor lauter Lebensfreude.
    Natürlich gibt es auch die ganz "normalen" Fälle, aber es fällt schon auf das diese weniger werden.
    Und natürlich muss man nicht wegen jedem Pups zum TA gehen, aber mal ehrlich, wenn wir zwei Tage am Stück absolut keine Nahrung mehr in uns behalten können, gehen wir doch auch zum Arzt.
    Es gibt natürlich Ärzte die den Leuten was aufschwatzen wollen, aber ich finde jeder sollte sich einen Arzt suchen, zu dem er Vertrauen hat, wenn das nicht besteht, dann geht man woanders hin. Nur so macht das ganze einen Sinn. Und ja, Tierärzte kosten teilweise ein heiden Geld, aber mal ehrlich, das sollte einem doch vorher bewusst sein.
    So, das war jetzt mein Wort zum Montag ;-)
    Liebe Grüße
    Jasmin mit Nora, Rico und Sam

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    1. Da kannst du doch sicher ein Buch über solche Geschichten schreiben, oder?
      Naja und dann wundern sich die Leute, dass die Rechnungen DANN so hoch sind... :-/

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  3. Wir gehen mit Socke immer sofort zum Tierarz und schauen nicht ins Internet. Ich vertraue unserem Tierarzt, wir besprechen alles ausführlich und die Kosten halten sich in Grenzen. Mir ist das mit Socke chronischer Erkrankung zu gefährlich selbst an ihr rumzudoktern.
    Manchmal kommen wir uns schon ein wenig blöd vor, wenn wir zu ihm kommen und es ist ein Fehlalarm, aber er sagt immer, dass ihm das viel lieber ist, als wenn man zu spät kommt. Leider sei das die Regel. Die Menschen kämen mit sehr kranken Hunden und erwarten dann Wunder.

    Nun, jetzt haben wir erstmals eine Ausnahme gemacht. Socke hat die letzte Therapie nicht vertragen. Die Medikamente wurde abgesetzt und Socke geht es nicht besser. Doch was soll der Arzt tun. Wir wollen Socke ein paar Tage Zeit geben, sich von der Therapie zu erholen. Geht es ihr zum Ende der Woche nicht besser, sind wir beim Tierarzt.

    Jeder muss für sich selbst entscheiden, wann er den Tierarzt aufsucht. Er muss aber dann auch die Konsequenzen tragen, wenn die Behandlung teuerer wird oder erfolglos bleibt...


    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Ja ab und an muss man eben auch auf sein Bauchgefühl hören, das macht ihr vollkommen richtig.

      Ihr tut sowieso so viel für Socke <3

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  4. Ich gehe ja auch lieber einmal zu viel zum Arzt, als einmal zu wenig.
    Ich muss jetzt jedenfalls ein klitze kleines Bisschen Partei für Dr. Google ergreifen.
    Unsere ursprüngliche Tierärztin hatte eine völlig falsche Diagnose gestellt und nur weil ich ihr eben nicht blindlings vertraut habe, sondern eine halbe Ewigkeit zusätzlich gegooglet habe und daraufhin einen zweiten Tierarzt besucht habe, konnte die Fehldiagnose korrigiert und richtig behandelt werden.
    Hätten wir auf die erste Ärztin vertraut und ihn mit Nierendiätfutter gefüttert, statt die Blasenentzündung zu behandeln, ja dann hätte der kleine Bär tatsächlich bald eine Niereninsuffizienz gehabt... Denn dann wäre die Entzündung in die Nieren gewandert (was sie sogar tatsächlich ist) und so lange dort geblieben, dass aus einer akuten eine chronische wird.

    Aber gut, vllt bestätigen wir hier auch nur, dass Ausnahmen die Regel bestätigen... ;)
    Wir jedenfalls sind JETZT sehr zufrieden, einen wirklich guten Arzt gefunden zu haben (übrigens auch in einer Tierklinik)

    Liebe Grüße

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