Nasenstubser weltweit: Irland

by - Mittwoch, Oktober 12, 2016

Hallo ihr Lieben,

heute möchten wir euch wieder mit auf eine Reise zu Hundehaltern weltweit mitnehmen. So lang ist die Fahrt auch gar nicht bis in das Land, in das es heute geht: Irland.

Rede und Antwort stand uns dieses Mal Frieda, eine 1,5 jährige Weimarer Hündin und Lisa, Gründerin von HundzuGast. Eigentlich leben die beiden in Potsam. Da Lisa aber gerade ihre Bachelorarbeit in Dublin schreibt, war sie quasi die perfekte Interviewpartnerin für uns. Frieda darf für die Zeit von Lisas Auslandsaufenthalt bei ihrer Familie bleiben. Einen Hund nach Irland zu bringen ist nämlich gar nicht so einfach. So muss er zwar nicht mehr in Quarantäne, wenn er einen EU-Heimtierausweis besitzt und alle Impfungen hat, darf aber nur per Fähre oder als Fracht im Flugzeug ins Land gebracht werden.

Hundekind Abby: Wenn man sich in Irland entschließt einen Hund zu holen, wie läuft das ab?
Lisa: Wie auch in Deutschland, kann man Hunde aus dem Tierschutz adoptieren oder zu einem ausgewählten Züchter gehen. Ich würde Züchter empfehlen, die bei dem Irish Kennel Cub Mitglied sind und dadurch die Auflagen dieses Dachverbandes erfüllen müssen. Das ist für mich persönlich eine gute Richtlinie und gibt zumindest eine grobe Absicherung was Verständnis und Qualität der Zucht angeht. Natürlich gibt es immer schwarze Schafe und es werden auch in Irland viele Hunden über Kleinanzeigen im Internet verkauft. Die Nachfrage regelt leider das Angebot. Illegale Vermehrer und Hundehändler finden so natürlich immer wieder eine Verkaufsplattform. Darum rät der Irische Kennel Club, dass man vom Züchter immer die Möglichkeit bekommen sollte, auch das Muttertier sehen zu können. Generell sollte man den Züchter min. einmal vor dem Kauf besuchen, um zu sehen wo der Welpe/Hund aufgewachsen ist.
Die Anmeldung des Hundes ist relativ simpel. Man geht zu seiner lokalen Post Station und beantragt eine individuelle Hundelizenz. Diese kann man ab dem 16 Lebensjahr kaufen und ist für jeweils 12 Monate gültig und kostet 20 Euro. Der Preis ist für jede Rasse gleich. Seit dem 31.03.2016 eine Microchipflicht für alle Hunde und sie müssen in einer zentralen Datenbank registriert werden. Es gibt jedoch Rassebedingte Sonderreglungen in Bezug auf Maulkorbpflicht und Leinenzwang. Folgende Rassen müssen in der Öffentlichkeit an einer kurzen Leine und mit Maulkorb laufen: American Oit Bull Terrier, English Bull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, Bull Mastiff, Dobermann Pinscher, German Shepherd (Alsatian), Rhodesian rRdgeback, Rottweiler, Japanese Akita, Japanese Tosa, Bandog.
Des Weiteren muss Hundekot in der Öffentlichkeit immer entfernt werden und ein Verstoß kann durch Dritte angezeigt werden. Bei Verstoß gegen eine dieser Regeln gelten auch in Irland relativ hohe Mahngebühren und in Extremfällen dürften sogar 3-Monatige Haftstrafen verhängt werden. 

Hundekind Abby: Sind Hundehalter in Irland sehr willkommen oder eher ungern gesehen?
Lisa:  Bei der Frage bin ich etwas Zwiegestalten. Ich würde sagen, dass Hunde auch hier in Irland zu der Familie gehören und einen großen Stellenwert in der Gesellschaft haben. Immerhin haben 37% der Haushalte einen Hund. Wenn man das mit den 17% der Deutschen Haushalte vergleicht, ist das eigentlich extrem viel. Iren sind wirklich ein extrem freundliches Volk und sehr liebevoll, auch im Umgang mit Ihren Tieren. Auf der anderen Seite, ist es zum Beispiel fast unmöglich eine bezahlbare Wohnung in Dublin zu finden, in der Hunde erlaubt sind. Viele meiner Bekannten mussten weiter rausziehen, um eine passende Wohnung zu finden, wo der Vermieter kein Problem mit Haustieren hat. Woran das liegt, können wir jedoch nicht sagen. Was mir aber größere Sorgen bereitet ist, dass Hunde nach 5 Tagen im Tierheim legal eingeschläfert werden dürfen. Auch wenn sie topfit und gesund sind. Das muss sich wirklich ändern. Da ich auch hier aktiv im Tierschutz tätig bin, habe ich natürlich viele Schicksale erlebt, bei denen Hunde nicht mehr willkommen waren und die Familie sie einfach entsorgt hat. Aber das sind Ausnahmen und ich würde trotzdem sagen, Irland ist ein sehr hundefreundliches Land und es gibt zum Beispiel viele hundefreundliche Cafés. Man wird auch gerne auf seinen Hund angesprochen und belächelt, anstatt angefeindet.

Hundekind Abby: Gibt es spezielle Einrichtungen für Hunde, wie Hundesiwesn oder Hundeparks? Und wie sieht es mit dem Hundesport in Irland aus?
Lisa: Ja auf jeden Fall. Hundesport spielt eine riesen große Rolle. Jedoch anders als in Deutschland. Ja, es gibt auch hier die klassischen Hundesportarten wie Agility, Obedience, Mantrailing. Aber am berühmtesten und beliebtesten ist (leider) das Hunderennen mit Windhunden. Hunderennen werden regelmäßig im Fernsehen übertragen und die Wetten auf solche Rennen sind immer noch ein großes Geschäft. Die Greyhounds werden in Massen gezüchtet und nach einer Karriere von maximal 4-5 Jahren einfach entsorgt. Wenn sie Glück haben werden sie verkauft oder landen im Tierheim. Über die Hälfte wird einfach eingeschläfert, wenn sie kein Geld mehr bringen. 
In den Städten gibt es Hundeparks und auch relativ viele Bereiche, wo Hunde erlaubt sind. Aber man sollte in öffentlichen Parks trotzdem darauf achten, ob Leinenpflicht besteht oder nicht. Zum Beispiel wohne ich in der Nähe vom Strand und da lässt wirklich jeder seinen Hund laufen. Eigentlich besteht dort aber Leinenzwang. Es ist also eine Frage der Kontrolle, durch offizielle Behörden. 

Hundekind Abby: Wie sieht es denn mit dem Tierschutz in Irland aus?
Lisa: Ich musste schockiert feststellen, dass der Tierschutz sehr unter den hiesigen Gesetzen leidet (bzw. unter den nichtexistierenden Gesetzen). Hunde in den irischen „Pounds“ (öffentliche Tierheime) dürfen nach nur 5 Tagen eingeschläfert werden, wenn in dieser Zeit kein passendes Zuhause für sie gefunden werden kann. Der Zeitraum ist natürlich viel zu kurz und private Tierschutzvereine geben alles, um die Hunde bei Pflegefamilien unterzubringen oder diese in private Tierheime zu transportieren. Leider platzen die meisten Vereine dadurch aus allen Nähten. Das Problem ist, dass Menschen Ihren Hund eigentlich nur verkaufen können oder ihn in ein öffentliches Tierheim bringen. Denn es gibt kaum private Tierschutzvereine, die von Privatleuten Hunde aufnehmen würden. Die privaten Tierschutzvereine konzentrieren sich nur auf die Hunde, die wirklich gerettet werden müssen, weil sie sonst sterben würden. Also ein ganz schöner Teufelskreis. Außerdem bleibt ein Tierheim für jeden Schützling verantwortlich. In der Realität bedeutet das, dass Hunde die auch nur ein bisschen Aggression zeigen, nicht mehr vermittelt werden können. Würde es in der neuen Familie nämlich zu einem Beißvorfall kommen, wäre das Tierheim haftbar. Es gibt natürlich unzählige Hunde, die nur Aggression ausstrahlen, weil sie in der Zwinger-und Mehrhundehaltung im Tierheim komplett überfordert sind.  Ihr seht, ganz schön verzwickt das Ganze. Ich bin stolz, dass Deutschland so ein fortschrittliches Tierschutzgesetz besitzt! Sterilisation ist so wichtig, um unkontrollierte Zucht und Tierleid zu verhindern.

Für mich war also klar, dass ich mich auch hier aktiv an dem Irischen Tierschutz beteiligen möchte und wie es der Zufall so wollte, bin ich auf einen ganz tollen Verein aufmerksam gemacht geworden. Der Verein heißt „Pawesome Animal Rescue“ und wurde vor wenigen Monaten durch drei sehr engagierte junge Tierschützer gegründet. 
Sie geben alles, um zu verhindern, dass völlig verträgliche und gesunde Hunde einfach eingeschläfert werden. Sie halten Vorträge in Schulen, geben Interviews im Radio und sind momentan auf der Suche nach einem passenden Grundstück für ein kleines Tierheim. Zukünftig werde ich die Fotografie der zu vermittelnden Hunde übernehmen und Ihnen bei diversen Medienauftritten helfen. Ein gutes Foto kann die Vermittlungschancen von einem Hund unglaublich erhöhen und ich freue mich jetzt schon auf die erste Fotosession mit der Rasselbande

Liebe Lisa, wir danken dir für deine ausführlichen Antworten und wünschen dir mit  Pawsome Animal Rescue ganz viel Glück und Erfolg!

Liebe Grüße
Abby

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