Was ist Medical Training und wozu braucht man es bei Hunden? [Werbung]

by - Montag, März 27, 2017


Hallo ihr Lieben,

heute möchten wir wieder mal etwas aus unserem Leben im Zoo erzählen und zeigen, dass man Trainingsarten für Wildtiere auch auf unsere Haustiere, oder besser unsere Hunde, übertragen kann.

Was ist Medical Training?

Medical Training findet man in fast allen zoologischen Einrichtungen. Dabei werden mit den Tieren verschiedene Dinge trainiert, die man im Falle eines Arztbesuches benötigt. Darunter zählen unter anderem das Öffnen des Mauls, auf die Seite liegen und liegen bleiben, das Zeigen einzelner Pfoten, das Stillhalten beim Blutziehen und, und, und. Solche Dinge sind in Zoos inzwischen unabdingbar, denn jede Kooperation seitens der Tiere erspart ihnen unnötigen Stress. Und nicht nur das, jede Kooperation erspart ihnen auch eine Narkose und das damit verbundene Risiko. So ist es möglich einem Seebär ins Maul zu gucken, Elenfanten eine Pediküre zu verpassen und Menschenaffen Blut abzunehmen.

Ihr könnt euch aber sicher vorstellen, dass solch ein Training viel Zeit in Anspruch nimmt und nicht von heute auf morgen erfolgreich ist. Dennoch gehört es inzwischen oft zum Alltag der Tierpfleger und Tiere. Dabei wird ausschließlich positiv, also mit Leckerchen, gearbeitet und das Tier merkt schnell, dass es sich lohnt gewisse Dinge zu zeigen. Ihr merkt, da gibt es viele Parallelen zum Clickertraining bei unseren Hunden.

Hier findet ihr ein Video, das euch zeigt, wie der Erfolg eines solchen Medical Trainings aussieht. Primaten müssen jährlich auf Tuberkulose getestet werden, da es eine der häufigsten Todesursachen bei Ihnen ist. Bisher wurde es meistens so gemacht, dass das Tier dafür in Narkose gelegt wurde und ihm dann in das Augenlid ein Testmittel injiziert wurde. Nach 48 Stunden konnte das Ergebnis dann anhand einer optischen Kontrolle überprüft werden. Der Affe hat nun gelernt, freiwillig den Arm herauszustrecken um sich Blut abnehmen zu lassen. Dafür bekommt er ganz besonders tolle Leckerchen und auf die Narkose kann verzichtet werden.

Was bringt das Medical Training unseren Hunden?

Auch wir müssen ab und an mit unseren Hunden zum Tierarzt und oft endet das in purem Stress für die Tiere. Abby ist zumindest jedes Mal total verängstigt und weiß nicht, was genau mit ihr passiert. An das letzte Blutziehen denken wir auch nur mit Bauchweh zurück. Oft ist man als Tierhalter ebenfalls unruhig und das überträgt sich zusätzlich auf das Tier. Dabei muss der Stress gar nichts sein. Weder für euch, noch für den Hund. Hilft kann dazu das Medical Training bieten.

Ziel ist es, dass euer Hund diverse Dinge von sich aus anbietet und mitmacht. Mit gezielten Übungen kann euer Hund freiwillig das Ohr hinhalten, wenn ihr es kontrollieren oder reinigen wollt. Das Maul zu öffnen und offen zu lassen ist ebenso kein Problem, wie dass der Hund aktiv bei der Blutentnahme mitmacht. Das alles könnt ihr Zuhause und in ruhiger Atmosphäre üben. Zu allererst fängt man an mit dem Hund ein Signal zu konditionieren, dass er bereit ist und mit euch arbeiten möchte. Das kann das Geben der Pfote oder das seitliche hinlegen sein. Je nach Art der Behandlung bieten sich dafür immer andere Zeichen an. Wenn ihr das richtig erarbeitet habt, wird der Hund langsam an die Behandlung gewöhnt. Wollt ihr ihm zum Beispiel beibringen, die Ohren zu säubern, so zeigt ihr ihm kurz und aus nicht zu naher Distanz das Ohrstäbchen. Bleibt er ruhig gibt es einen Klick und ein Leckerchen. Das wiederholt ihr dann in immer kürzeren Abständen. Ist euer Hund nach wie vor cool, kann das Training am Ohr begonnen werden. Ihr werdet merken, dass euer Hund irgendwann ohne Probleme die Ohrbehandlung mitmacht und der Stress der Vergangenheit angehört.

Aber auch das Blutziehen wird geübt. Das ist für die meisten Hunde, genau wie impfen, sehr unangenehmt, da es mit einem Schmerz verbunden ist. Das Pieken der Nadel tut weh (auch wenn mir meine Eltern und der Arzt immer etwas anderes erzählen wollten). Mit vielen guten Leckerchen und Vertrauen in euch, kann der Hund aber auch das lernen. Dabei geht ihr genauso vor wie bei den Ohren säubern, nur dass ihr jetzt zum Beispiel eine Büroklammer nehmt. Ziel ist es, dass ihr den Hund mit dieser am Ende leicht pieksen könnt und er still hält. WICHTIG: Die Haut darf nur ein Arzt oder eine Tierarzthelferin durchstechen - ihr nicht. Aber der Hund ist es gewöhnt, dass etwas seine Haut piekt und reagiert daher wesentlich gelassener. Vielmehr wird es sogar sein, dass der Hund die Pfote zum Blut ziehen freiwillig in eure Hand oder die des Arztes legt.

Ihr seht, der Tierarztbesuch kann wesentlich entspannter für euch werden. Aber nicht nur das, auch ganz normale Pflegeroutinen, wie bürsten oder Ohren säubern, können bald direkt mit vom Hund unterstützt werden.

Ihr wollt mehr wissen?

Der CADMOS-Verlag hat ein Buch herausgebracht, in dem es genau um dieses Thema geht: Medical Training für Hunde.

©AnimalTrainingCenter

Hier wird euch die Entstehungsgeschichte des Medical Trainings noch einmal ausführlicher beschrieben und ihr bekommt außerdem die wichtigsten Hinweise an die Hand, wie das Medical Training funktioniert. Auch werden die gängigsten "Ich bin bereit Signale", wie Pfote geben und auf die Seite legen erklärt und euch wird gezeigt, wie ihr das  mit eurem Hund üben könnt.

Geschrieben haben das Buch Anna Oblasser-Mirtl und Barabara Glatzl. Anna ist geprüfte Trainering für Zootiere und verfügt über jahrelange Berufserfahrung. Daher lag es für sie nahe, das dort angewendete Training auch auf die Hunde zu übertragen. Barabara ist Verhaltensbiologin und hat mit Anna zusammen das AnimalTrainingsCenter aufgebaut.

Ihr seht, die Damen wissen wovon sie sprechen und daher ist es nicht verwunderlich, dass das Buch auch noch Schritt für Schritt Anleitungen bietet mit denen ihr die wichtigsten Pflege- und Untersuchungsschritte lernen könnt.



Wenn euch das Thema interessiert und ihr mit eurem Hund bald ganz entpannte Tierarztbesuche haben wollt, können wir euch das Buch nur ans Herz legen! Wir vergeben an der Stelle auch 5 von 5 Abbys, da es so einfach und anschaulich geschrieben war, dass wir es binnen von zwei Stunden schon durchgelesen hatten.



Die Bilder sind absolut hilfreich und immer an den richtigen Stellen platziert. Durch das Softcover kann man es auch immer wieder zur Hand nehmen und notfalls auch einmal die Seite einrollen, die man gerade braucht und quasi 1:1 mit seinem Hund nachüben, was im Buch beschrieben ist. Kaufen könnt ihr es im Buchladen eures Vertrauens für 14,95 Euro oder hier:



Habt ihr schon einmal vom Medical Training gehört? Wäre das ein interessantes Thema für euch über das wir mehr erzählen sollen? Verratet es uns!

Eure Abby und Dini

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2 Kommentare

  1. Wir haben das große Glück, dass Socke beim Tierarzt sehr lieb ist. Ja, das Blutabnehmen tut sehr weh und es bedarf schon der Hilfe der Helferinnen, um Socke festzuhalten. Einen Maulkorb brauchten wir noch nie. Ansonsten erträgt Socke die Behandlungen sehr tapfer. Ich meine, dass unser Tierarzt das auch prima macht. Geht es zum Beispiel um Sockes Rücken, dann wir auf dem Boden abgetastet und muss Socke doch auf den Tisch, dann beschmust er sie erst einmal. Was uns sehr geholfen hat war das Kommando Porno, bei dem sich Socke auf den Rücken legt und die Beine spreizt. So können die Ultraschalluntersuchungen problemlos erfolgen.

    Aber ich würde auch – bei einem Junghund – das Training machen, damit er spielerisch die Untersuchungen erlernt.

    im Übrigen haben wir einmal das Medical Training bei den Esel im Allwetterzoo Münster sehen können. Hier arbeitete man mit einem Clicker und schaute den Eseln in die Zähne und ließ sie die Hufe heben, Rückwärts gehen. ich war sehr beeindruckt, wobei das schon ganz schön schwierig war und es auch vieler Wiederholungen bedurfte.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Haha, euer Kommando ist ja der Hammer :D

      Ja was die Tiere im Zoo können ist der Wahnsinn - und dann ist es ja immer noch eine Frage der Tagesform der Tiere. Das darf man immer nicht unterschätzen. Aber wenn ihr so einen tollen Tierarzt habt, ist das natürlich auch eine große Hilfe!

      Liebe Grüße
      Diana

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