Die Werbeversprechen der Futtermittelindustrie

Mittwoch, April 19, 2017 Hundekind Abby 2 Comments

Hallo ihr Lieben,

jetzt habe ich die ersten Webinare meiner Hundeernährungsberatung bereits hinter mir und auch, wenn die Ausbildung noch eine Weile dauert, möchte ich euch einen kleinen Einblick darüber geben, was ich schon gelernt habe. Und anfangen möchte ich damit euch die Augen zu öffnen, was uns die tollen Futtermittelhersteller den lieben langen Tag zu erzählen, was aber eigentlich nur Kundenveräppelung ist. Alle Hersteller müssen sich nämlich an die Futtermittelverordnung halten und dort findet ihr auch alles, was die Hersteller so dürfen und woran sie sich halten müssen. Um euch zu zeigen wie sie das auslegen,  habe ich mir einmal einige Futterdosen- und beutel angeguckt und 4 Dinge herausgeschrieben, die man dort aufgedruckt findet. Dabei habe ich die ganz günstigen Sorten genommen, aber auch richtig teure. Und was noch wichtig zu erwähnen ist: Wir wollen hier kein Fertigfutter-Bashing machen, euch nur die Augen öffnen womit die Futtermittelindustrie euch unnötig Geld aus der Tasche zieht.


Lebensmittelqualität

Meistens steht bei besonders teuren Hundefuttermarken drauf, dass das Futter Lebensmittelqualität hat. Soll ich euch etwas verraten? Das hat jedes in Deutschland hergestellte Futter! Dazu solltet ihr wissen, wie Fleisch in Deutschland eingeteilt wird.

In Artikel 2 der VO 1774/2002 steht dazu:
1 b) Material der Kategorie 1
  c) Material der Kategorie 2
  d) Material der Kategorie 3

Was unter den einzelnen Kategorien zu verstehen ist, wird in Artikel 4, 5 und 6 erklärt.

Unter Materialien der Kategorie 1 versteht man im groben:
-  Zootiere, Zirkustiere und Haustiere
- Tiere mit übertragbaren Krankheiten, darunter zählen auch Tiere, die im Verdacht stehen mit BSE in Verbindung gebracht zu werden

Unter Materialien der Kategorie 2 versteht man:
- getötete oder gestorbene Wildtiere
- Schlachtnebenprodukte, die Anzeichen von Krankheiten aufweisen
- Gülle und Magen-Darm-Inhalte
- Materialien aus Kategorie 1, die aus anderen Ländern eingeführt wurden

Materialien 3 sind:
- Schlachtkörperteile, die dem Gemeinschaftsrecht genusstauglich sind, jedoch aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind
- Schlachtkörperteile, die keine Krankheiten aufweisen, aber genusstauglich nicht geeignet sind, hierzu zählen u.a. Nasen, Hufe, Häute, Federn
- Fische
- Milch

Und jetzt kommt es: Nur Materialien der Kategorie 3 dürfen verkauft und weiterverarbeitet werden. Sprich: Alles was für unsere Hunde verwendet wird ist rein theoretisch auch Fleisch und Nebenprodukte, die wir essen könnten. Es könnte also auf jedem Hundefutter „Lebensmittelqualität“ stehen. Alles andere ist verboten!

70 % Fleischgehalt

Ihr sucht ein gutes Trockenfutter und seht, dass auf der Verpackung stolz aufgedruckt ist „70% Fleischgehalt“ der Fleischsorte (desweiteren XXX genannt) eurer Wahl? Dann schaut euch die Deklaration genau an. Steht bei dieser XXX-Fleisch, so bezieht sich der Futtermittlhersteller auf das Gewicht vor der Trocknung und weiteren Verarbeitung des Futters. Trockenfutter wird aus getrocknetem Fleisch hergestellt, das zu Mehl verarbeitet wird.  Damit das Fleisch zu Mehl verarbeitet werden kann, muss dem Fleisch Wasser entzogen werden. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass dadurch das Gewicht auch abnimmt. Als Faustregel könnt ihr euch merken, dass aus einem Kilo Fleisch circa 300 Gramm Trockenfleisch entstehen! Somit müsste man aber mehr XXX-Fleischmehl dem Futter zugeben, damit das Fleisch immer noch am meisten in dem Futter enthalten ist. Wenn in der Deklaration XXX-Fleischmehl an erster Stelle steht, ist das wiederum gut. Dabei wird nämlich das Gewicht nach der Trocknung beachtet.


Hundefutter mit Krokodil und Süßkartoffel

Hier an der Stelle nehmen wir jetzt ein Beispiel, damit ihr nachvollziehen könnt, was wir meinen. Wir haben extra Krokodil als exotisches Fleisch gewählt, da ihr euch sicher vorstellen könnt, dass es viel teurer ist als Hühnchen. Genauso ist die Süßkartoffel teurer als Reis. Wenn ihr nun also ein Hundefutter mit Krokodil und Süßkartoffel kauft und das nicht viel teurer ist als Reis mit Hühnchen, dann solltet ihr einmal skeptisch werden und euch die Deklaration genauer ansehen. In Deutschland gibt es nämlich die sogenannte 4%-Klausel. Diese erlaubt den Futtermittelherstellern ganz legal ein Hundefutter „Krokodil und Süßkartoffel“ zu benennen, wenn 4% Krokodil und Süßkartoffel darin sind. Das heißt dann aber übrigens nicht, dass es sich dabei wenigstens um 4% Krokodilfleisch handelt. Das können auch Innereien sein. Die üblichen 92% des Futters können dann übrigens mit günstigem Reis und Hähnchen aufgefüllt werden. So klingt euer Futter exotischer und besser als es eigentlich ist.

Nur natürliche Zutaten

Ach wie klingt das schön, in dem Futter befinden sich nur Dinge, die wir im Supermarkt auch finden würden. Auch hier lohnt sich aber der Blick auf die Deklaration! Neben der Zusammensetzung und den analyitschen Bestandteilen solltet ihr schauen, ob es auch Zusatzstoffe gibt. Das sind all jene Stoffe, die dem Futter künstlich zugesetzt wurden. Hier sind diverse Konservierungs-, Geschmacks- und Aromastoffe aufgelistet. Wenn diese Liste besonders lang ist solltet ihr mal überlegen ob ihr eine Vitamintablette nehmen würdet, nachdem ihr Obstsalat gegessen habt. Bei qualitativ hochwertigen Produkten braucht man nämlich keine Zusatzstoffe. Bei vielen, die auf „rein natürliche Zusatzstoffe“ bestehen, ist die Deklaration der Zusatzstoffe besonders lang.

Habt ihr das gewusst oder möchtet ihr noch mehr Werbeversprechen entlarvt bekommen? Sagt uns was ihr denkt.

Eure Dini

Kommentare :

  1. Ich habe schon viel gelesen und gehört, was das Thema Futter anbelangt. Sei gewiss, dass ich froh bin für Socke zu kochen, auch wenn es sehr umständlich, aufwändig ist und ich es manchmal wirklich hasse. Aber ich koche Lebensmittel, die wir auch verzehren. Da wären wir beim Thema. Ich möchte nicht wissen, was wir so alles essen….

    Im Übrigen werden die Produkttest in Bezug auf Hundefutter dadurch natürlich noch unglaubwürdiger, weil sich fast niemand die Mühe macht, die Inhaltstoffe darzulegen.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Da hast du vollkommen Recht! Wir kochen auch zu 90% alles frisch. Ab und an auch mal eine Tiefkühlmahlzeit wenn es sein muss, aber selbstgekocht schmeckt einfach besser.

      Und das mit den Produkttests stimmt! Inzwischen würde ich die Futtertests auch nicht mehr so machen, wie bisher. Deswegen wird es wohl bei uns auch (fast) keine mehr geben.

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