Einmal in die Verzweiflung und wieder zurück! || Werbung

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„Eine Schilddrüsenerkrankung ist ein Modetrend“. Jeder Schidli-Besitzer hat diese Aussage mindestens einmal gehört und kann nur resigniert die Schultern hängen lassen. Ich möchte euch zeigen, dass eine Schilddrüsenerkrakung keine Modeerscheinung ist, sondern ein absoluter Einbruch an Lebensqualität – für den Halter und den Menschen. Ich habe mutige Hundehalter gefunden, die uns ihre Geschichte erzählen und zeigen, wie viel man als Mensch aushalten kann um seinen Hund nicht zu verlieren.

Den Anfang macht die liebe Jasmin mit ihrem wunderschönen Rüden Gonzo.

Im September 2007 entdeckten mein damaliger Freund und ich Gonzo im Tierheim. Er war am 26.07.2006 geboren und laut den Mitarbeitern kerngesund.  Sofort verliebten wir uns in ihn und nach einem kurzen Probegassi zog er noch am gleichen Tag bei uns ein.

Das erste Jahr verlief relativ harmonisch, hier und da hatte Gonzo Probleme: er wusste nicht so recht mit Artgenossen zu kommunizieren, verteidigte sein Futter und zog stürmisch an der Leine. Wir schoben es auf seine Vorgeschichte und das Alter. Gonzo war ja noch ein pupertierender Junghund. Mit Unterstützung einer Trainerin bekamen wir dies jedoch relativ schnell in den Griff.

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Der Umbruch

Etwa ein Jahr nach Gonzos Adoption zog ich alleine mit Gonzo um. Danach veränderte sich Gonzo sehr. Er entwickelte zunehmend Aggressionen gegen Menschen und Hunde und hatte immer wieder Übersprungsreaktionen scheinbar aus dem Nichts heraus, bei denen er mir die Arme zerbiss und laut kreischte. Er war dann kaum zu beruhigen. Ebenso begann er sehr reaktiv zu werden und wollte allem nachjagen :Autos, Radfahrer, Traktoren, sogar Flugzeuge.

Zuerst schob ich es auf den Umzug und die Umstellung. Ich lebte nun alleine mit ihm und er war öfter alleine, da ich arbeiten musste. Aber schnell wurde mir  klar, dass das nicht der einzige Grund sein konnte.

Auf Anraten eines Trainers wurde Gonzo schließlich mit 2,5 Jahren kastriert. Dies verschlimmerte jedoch sein Verhalten noch mehr, so dass wir irgendwann nur noch an abgelegenen Orten spazieren gehen konnten und ich keinen Besuch mehr in die Wohnung gelassen habe. Gonzo begann mittlerweile mir schon in die Arme zu zwicken, wenn uns nur ein Nachbar grüßte oder die Blätter an den Bäumen im Wind raschelten. Irgendwann konnten wir dann auch nicht mehr mit dem Auto aufs Land fahren, da er sich so aufregte, dass er beim Fahren das Auto verwüstete.

Das Resignieren

Im laufe der Jahre nahm ich insgesamt 12 Trainer in Anspruch, die meist der selben Meinung waren: Gonzo sei dominant und benötige eine harte Hand. Jedoch brachte keine der Trainingsmethoden den erhofften Erfolg.

Irgendwann resignierte ich. Einerseits tat mir Gonzo furchtbar leid, er wirkte als wäre er in seiner eigenen Welt gefangen. Andererseits war ich fast am Ende meiner Kräfte. Zwischendurch dachte ich über Abgabe nach, aber wer sollte ihm ein schönes Leben schenken können, wenn sich so viele Fachleute an ihm die Zähne ausgebissen hatten?

Zuhause mit mir alleine war Gonzo ein Traumhund :er sprühte vor Lebensfreude, genoss es mit mir zu spielen und war unheimlich feinsinnig. Jede meiner Emotionen nahm er in sich auf und versuchte mir auf seine Art beizustehen.

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Der Alltag

So beschäftigte ich ihn viel zuhause und wir gingen nur noch 2x am Tag kurz zum lösen nach draußen. Zwischendurch versuchte ich, mich noch intensiver mit dem Thema Hund zu beschäftigen :welche Auswirkungen hat das Futter, wie kann man das Verhalten positiv beeinflussen, welche Erkrankungen könnten solch ein Verhalten auslösen.

Bereits 2011 sprach ich mit unserem Tierarzt darüber, ob Gonzo möglicherweise eine Schilddrüsenunterfunktion haben könnte, da ich gelesen hatte, dass es vereinzelt zu Symptomen kommen kann, wie sie Gonzo zeigte. Mein Tierarzt winkte ab, da Gonzo keins der im allgemeinen angenommenen  typischen Anzeichen hatte. Er war weder schläfrig, noch träge, noch depressiv.

Dennoch bestand ich auf eine Blutentnahme. Wie ich heute weiß, hätte man daraus damals schon eine leichte Unterfunktion herauslesen können. Da die Werte jedoch an der unteren Grenze des Referenzbereiches waren, überzeugte mich der Tierarzt davon, dass Gonzo gesund sei und legte mir nahe, mich wieder mehr aufs Training zu fokussieren.

Ich wollte nicht mehr kämpfen, Gonzo fühlte sich sichtlich überfordert mit Training. Man sah ihm an, dass er so gerne gefallen würde, aber in sich gefangen war. Deshalb blieben wir zuhause und ich versuchte, es ihm in der Wohnung so schön und abwechslungsreich zu machen.

2013 wurde Gonzo oft krank. Er hatte unzählige Male Blasenentzündung, hatte eine allergische Reaktion  und kratzte sich ununterbrochen. Ebenso entwickelte er eine Futterunverträglichkeit mit Magen-Darm Beschwerden.

Die Hilfe

Etwa zeitgleich lernte ich in einer Facebookgruppe eine Trainerin kennen, die Gonzo gerne kennenlernen wollte.

Ich bestand jedoch darauf, das Treffen rein freundschaftlich zu halten, da ich einfach keine Kraft und Lust mehr auf Trainingskonzepte- und Programme hatte und mir nicht mehr sagen lassen wollte, was ich mit Gonzo alles falsch gemacht hatte.

Die Trainerin, bzw mittlerweile meine beste Freundin, lud uns zu sich ein und hörte sich geduldig unsere Geschichte an. Da ich und vor allem Gonzo schnell zu ihr Vertrauen fassten, erlaubte ich ihr schließlich doch, uns zu trainieren. Dennoch riet sie mir eindringlich, Gonzo noch mal medizinisch durchchecken zu lassen. Da sie der Meinung war, dass die Kombination aus Verhalten und der Verhaltensprobleme sehr auf ein Schilddrüsenproblem hindeuten würden.

Also ließ ich im Januar 2015 erneut Blut abnehmen. Der T4 Wert war knapp unter der Referenz. Und obwohl mein Tierarzt immer noch der Überzeugung war, dass Gonzos Schilddrüse gesund sei, konnte ich ihn überreden, uns Tabletten zu geben.

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Die Wende

Wir stiegen direkt mit 200/200 microgramm ein, ich begann ein Tagebuch über Gonzos Verhalten  zu schreiben und kaum zu glauben, am 3. Tag konnte ich mit Gonzo 20 Minuten ohne einen einzigen Ausraster spazieren gehen.

Artgenossen wurden nicht mehr versucht anzugreifen, Autos konnten an uns vorbei fahren und ich bekam keine Bissspuren an den Armen. Gonzo wurde aufmerksamer und ansprechbar, und machte riesen Fortschritte im Training.

Lediglich seine Gesundheit litt weiterhin. Mittlerweile musste er an den Hinterbeinen einen Gips tragen, weil er offene Hautstellen hatte. Im Oktober 2016 machte ich deshalb einen Termin bei einem Schilddrüsenspezialisten. Dort wurde dann die komplette Diagnostik gemacht, da unser alter Tierarzt ja nur die nötigsten Werte abgenommen hatte.

Gonzo hatte tatsächlich eine Schilddrüsenunterfunktion, alle relevanten Werte wiesen darauf hin :er hatte Antikörper, ft3 und ft4 waren deutlich unter der Referenz, T3 und T4  waren zwar durch die Medikamente etwas gestiegen, jedoch immer noch zu niedrig.

In engem Kontakt mit dem Spezialisten dosierte ich das Forthyron auf und Gonzo entwickelte sich weiter zu einem aufmerksamen ausgeglicheneren Hund. Ebenso nahmen die gesundheitlichen Probleme rasch ab. Die Hautprobleme verschwanden, er konnte wieder alles fressen und hatte seit dem keine Blasenentzündung mehr.

Mittlerweile ist Gonzo für seine Verhältnisse ein sehr aufmerksamer, fröhlicher, ausgeglichener und offener Hund geworden.

Vieles können wir nachholen und bis auf kleine Einschränkungen, ist er zu einem tollen Alltagsbegleiter geworden. Menschen gegenüber ist er zwar weiterhin reserviert, aber nicht aggressiv. Mit  Artgenossen kann er ausgesprochen gut umgehen und Übersprungsreaktionen bekommt er nur noch in vorhersehbaren Stresssituationen. Allerdings sind diese deutlich abgeschwächt und er muss dabei nur noch bellen. In die Arme gezwickt hat er mich seit er Tabletten bekommt, kein einziges Mal mehr. Auch Autos haben ihren Schrecken verloren, sind jedoch ein guter Indikator, wenn Gonzos Forthyrondosis umgestellt werden muss. Wenn die Blutwerte nicht stimmen, ist dies dann das erste Anzeichen.

Mittlerweile holen wir das Leben in vollen Zügen nach. Gonzo hat gelernt Straßenbahn zu fahren, darf im Sommer mit in den Biergarten und hat auch schon den ein oder anderen Hundefreund gewonnen.

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Ihr Lieben, wir wünschen euch auch weiterhin alles Liebe und Gute! Danke für eure Geschichte!

Eure Dini

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