Projekt Superhund – tolle Idee, schlechte Umsetzung

Projekt Superhund – tolle Idee, schlechte Umsetzung

Sonntag lief auf Sat 1 die letzte Folge der Serie „Projekt Superhund“ und auch wenn ich mich zwischendurch nicht dazu geäußert habe, möchte ich euch heute erklären, warum ich die Idee zwar toll fand, die Serie aber furchtbar schlecht umgesetzt ist.

Das Projekt Superhund

Für alle, die mit der Show nichts anfangen können: Bei dem Projekt Superhund sollte für Menschen,die auf Hilfe angewiesen sind, der passende Hund gefunden werden und zwar aus dem Tierheim. Mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, meine ich entweder geistige oder körperliche Behinderung oder Menschen, mit psychischen Problemen. Es gibt 2 „erfolgreiche“ Hundetrainer, die sich mit den Protagonisten zusammensetzen und dann auf die Suche nach dem perfekten Hund machen. Die Hunde wurden dann einige Tage von den jeweiligen Hundetrainern erzogen und dann von den zukünftigen Besitzern selber. Kurz gesagt ist das Hauptprinzip also, dass hilfsbedürftige Menschen einen Hund aus dem Tierheim so erziehen, dass sie ihnen im Alltag Aufgaben abnehmen.

Die Idee fand ich wirklich super. Mit dieser Sendung hätte man zeigen können, dass Hunde aus dem Tierheim genau so wundervolle Hunde sind wie die vom Züchter und dass sie sich genauso als Behindertenbegleithund eignen.

Tolle Idee, was lief schief?

Nun ja, das Fernsehen wieder einmal. Dass bei den Produktionsfirmen viel geschnitten werden muss, damit es ins Sendeformat passt, ist bekannt. Dass ich das, besonders in der Hundeerziehung, sehr kritisch sehe, habe ich ja schon mehrfach mitgeteilt. Hier fand ich es aber noch ein Stück extremer. Der Hundetrainer unterhält sich „kurz“ mit den Menschen und fragt, was der Hund für Aufnahmen übernehmen soll. Da kommen dann Antworten wie „mir Dinge aufheben, wenn etwas runterfällt“ (Mann im Rollstuhl), „Das Licht ausmachen und die Tür aufmachen“ (Mama von einem schwerstbehinderten Sohn“, aber auch etwas wie „Mich früh wecken“ (Mädchen, dass an Narkolepsie litt).

Aufgaben, die an sich ganz einfach klingen, für die Behindertenbegleithunde aber jahrelang ausgebildet werden. Und das wird dann binnen von wenigen Wochen von Tierheimhunden erwartet.  Nach drei Monaten Training gibt es eine „Prüfung“, in der getestet wird, ob der Hund die Erwartungen der Besitzer erfüllt und ob der Hundetrainer zufrieden ist.

Was mich gestört hat war, wie und wer teilweise mit den Hunden trainiert hat. Wie gesagt, professionell ausgebildete Hunde werden ohne Druck von Ausbildern trainiert. In der Sendung machen es die „Behinderten“ selber. Da gelangen sie natürlich an ihre Grenzen! Jemand, der im Rollstuhl sitzt hat natürlich Probleme Dinge vom Boden aufzuheben, wenn der Hund den Gegenstand zu schnell fallen lässt. Jemand, der an Narkolepsie leidet, kann natürlich im Training einschlafen. Das sind Dinge, für die man die Betroffenen nicht verurteilen kann. Wenn der Hundetrainer in der S-Bahn neben der schlafenden Klientin aber sitzt, der Hund mega gestresst ist, weil er das erste Mal Bahn fährt und er nur meint „Das ist jetzt blöd, sie schläft und der Hund ist gestresst“, dann frage ich mich was das soll.

Auch gab es ein Mädchen, ich glaube sie war 13, das hatte im Mutterleib bereits einen Schlaganfall und konnte deswegen ihre rechte Körperhälfte nicht vollumfänglich nutzen. Sie hatte ein Liegefahrrad und der Hund sollte lernen daran zu laufen. Dass das schon für Otto-Normal-Hundehalter an einem normalen Fahrrad schwierig sein kann, wissen wir. Dieses Mädchen trainierte aber alleine, ohne die Hilfe ihrer Eltern und teilweise auch ohne Hundetrainer. Das geht nicht! Kinder sollten nie alleine ohne die Hunde gelassen werden – zumindest nicht bevor der Hund gut ausgebildet ist.

Hat jeder seinen Hund behalten?

Es wird gesagt, dass jeder Hundehalter nach drei Monaten Training eine Abschlussprüfung gemacht wird in der sich entscheidet, ob der Hund bleiben darf.

In der Sendung war es dann so, dass die Hunde bei Problemen im Training für ein paar Tage zu den professionellen Hundetrainern kamen, bevor die Hundehalter aufgaben. Das widerspricht schon dem Konzept, dass die Hunde nur von Laien trainiert werden sollen. Die Aufgabe als Begleithund ist eine sehr anspruchsvolle und die können Tierheimhunde durchaus auch meistern, aber mit der richtigen Ausbildung.

Aber schon bei den Vorgesprächen hatte ich öfter das Gefühl Sat1 zu schreiben, dass besagter Teilnehmer keinen Hund benötigt, sondern ärztliche Hilfe. Überrascht hat mich das 17 jährige Mädchen mit der Narkolepsie. Sie meinte, sie braucht einen Hund zur Motivation, um aus dem Bett zu kommen und das Leben wieder schöner und positiver zu sehen. Also versteht mich nicht falsch, Hunde können solche Aufgaben meistern, aber sie sollten nicht dazu angeschafft werden, dass das Mädchen einen geregelten Tagesablauf bekommt. Da hätte meiner Meinung nach erst einmal mit Hilfe eines Sozialtherapeuten geholfen werden. Aber sie hat mich überrascht, hat wirklich mit dem Hund trainiert und nach 3 Monaten waren sie ein gutes Team. Wie es den beiden inzwischen ginge, würde ich allerdings trotzdem gerne wissen.

Welche Fälle haben uns gar nicht gefallen?

Aber es gab auch eine Dame, die in ihrem Leben ganz furchtbar schlimme Dinge erlebt hat. Die haben sie so traumatisiert, dass sie sich in ihrer Wohnung verkriecht und mehrmals Panikattacken bekommt. Sie muss sich  dann auf den Boden setzen und darauf warten, dass sie vorbei sind. Sie wollte einen Hund, damit sie ihr Leben wieder in den Griff bekommt. Ihre genauen Worte kann ich euch nicht mehr wider geben. Ich hatte von vornherein das Gefühl, dass sie mit einem Hund überfordert sein wird.

So kam eine Hündin drei Wochen zu ihr, sie hat nach ihrem Können mit dem Hund trainiert und dann wurde ihr bewusst, dass sie dem Hund nicht gerecht wird und sie ihn wieder abgibt. In dem Moment war ich so sauer – nicht auf die Frau, weil sie war ehrlich zu sich und dem Hund, sondern auf diese komische Trainerin und Sat1. Dass der Dame ein Hund nicht hilft, den sie selber ausbilden muss, hätte man von vornherein wissen müssen. Die Anzeichen waren definitiv da und das hat auch die Trainerin angemerkt.

Gestern dann aber, mein persönlicher, Supergau. Ein Hund sollte in die Familie kommen und diese beschützen, weil sie schlimme Dinge mitgemacht haben. Die Mama hatte einen 10jährigen Sohn und ein 6 Monate altes Baby. Als Test, ob der ausgewählte Hund auf Babys reagiert, hat die Trainerin sich im Vierfüsslerstand auf den Boden gekauert und ist ein wenig gelaufen. Im Fernsehen wurde es so dargestellt, dass das reicht.

Bei der Zusammenführung mit dem Baby saß dieses aber in einem Buggy und der Hund näherte sich von hinten dem Baby und stubste es mit seiner nassen Nase an. Das Baby fing an zu schreien, die Mama riss das Baby panisch hoch um es zu trösten und auch die Trainerin wurde in meinen Augen hektisch, weil der Hund natürlich erschrocken war und gucken wollte, was da jetzt schreit und sich schnell bewegt. Nach einigen Tagen wurde der Hund dann wieder abgegeben. Ich glaube, hätte man die Zusammenführung anders gemacht, wäre diese Geschichte auch anders ausgegangen.

Wo kamen die her?

Tja, das war auch so eine Sache. Die Hundetrainer gingen in ein Tierheim, liefen an den Zwingeranlagen vorbei und sind dann vor einem stehen geblieben und haben gesagt „Der ist es“. Viel schöner hätte ich es gefunden, wenn man gesehen hätte, wonach die Hunde tatsächlich ausgewählt wurden. Auf was sie Wert gelegt haben, was der Hund definitiv mitbringen sollte.

Was allerdings auch mehr als schade war, war die erste Folge. Hier wurde der zweite Hund nämlich nicht aus einem deutschen Tierheim geholt, sondern der Hundetrainer flog erst einmal in die Türkei. Hat er nicht in Deutschland nach einem Hund gesucht oder hat er keinen gefunden? Wenn man mit einer Sendung wirbt, bei der man erzählt wie viele Tiere in Deutschland im Tierheim sitzen, sollte man in der ersten Sendung nicht erstmal ins Ausland fliegen.

Also liebes Sat1-Team: Die Idee war wirklich gut, die Umsetzung leider eine Katastrophe. Wieder einmal wurde nicht zum Wohle der Tiere entschieden um eine Vorabendserie produzieren zu können.

Eure Dini

8 Gedanken zu „Projekt Superhund – tolle Idee, schlechte Umsetzung

  1. Ich muss gestehen, ich habe schon nach der ersten Vorschau beschlossen mir dieses Format nich anzuschauen – und nach Deinem Bericht bin iach auch sehr froh darüber.
    Ich finde es sehr schade, dass so viele Dinge so sehr vereinfacht dargestellt werden … und auch, dass man so viele andere Leute auf die Idee bringt, sich auch einen Hund aus dem Tierheim zu holen – weil der ja ein Problem für mich lösen könnte mit dem ich mich nicht befassen will!

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

    1. Genau das ist halt immer das Problem. Das sieht immer alles so einfach aus und diejenigen, die sich nicht mit Hunden auskennen, wollen es dann nachmachen.

      Man hätte das alles anders aufziehen können. Wie gesagt, die Idee ist grandios. Aber wie immer, wenn es um Hundeshows geht, war die Umsetzung nicht gut.. 🙁

  2. Ich fand die Serie an sich eigentlich ziemlich gut. Natürlich hätte man hier und da was anders machen können. Ich glaube nicht, dass die Laien komplett alleine mit den Hunden gearbeitet haben. Ich glaube, dass im Hintergrund „namenlose“ Trainer geholfen haben (allein wegen dem Timing, das man im Hundetraining ja definitiv benötigt). Es wurde halt vieles nicht gezeigt, wie u.a. auch die Hundeauswahl.

    1. Ja eben und das finde ich traurig. Man könnte doch sagen, dass ein Trainer die Besitzer auch weiterhin begleitet haben. Was wäre da schlimm dran gewesen? Damit hätte man deutlich gemacht, dass die Besitzer auch weiterhin Hilfe benötigt haben und dass es eben nicht so einfach geht, wie man es zeigt.

  3. So eine Serie gibt es auf Sky, dort wurde in England gedreht.
    Und diese Sendung war genau so wie man es sich vorgestellt hat. 2 Hundetrainer gehen in die Tierheime und suchen den Hund aus nach ein paar Tests. Dann würde dieser für 2 oder 4 Wochen zum “ neuen“ Besitzer gebracht um sich an ihn zu gewöhnen und ein wenig mit dem Training zu beginnen. Danach nahmen die Trainer sie mit zu sich nach Hause und haben ohne mehrere Wochen trainiert. Danach wurden sie wieder zusammen geführt und die Personen haben weiter trainiert. Am Ende waren es 3 Monate und sie durften entscheiden ob der Hund bleiben darf. Jeder hatte seinen Hund behalten.
    Die Sendung war klasse und ein mehrteiler .
    Schade das Sat.1 es so verbockt hat….

  4. Als ich von dieser neuen Sendung gehört habe, hat mich das wirklich gefreut, weil’s eine super Idee ist!
    Dennoch muss ich dir in deinen angesprochenen Punkten zustimmen. Ich finde es schade, dass (auf jeden Fall für uns informierte Hundebesitzer) wichtige Sequenzen gar nicht gezeigt werden, wie eben z.B. die Kriterien, nach denen ein Hund speziell geprüft wird, bevor er für die Aufgaben in Frage kommt. Auch die Trainingseinheiten werden nur sehr sporadisch gezeigt. Wir wissen doch hier zumindest alle, dass so eine Ausbildung unglaublich umfangreich und langwierig ist. Der Sender will aber wohl auch mit dieser Sendung einfach die breite Masse ansprechen und da reichen eben leider Oberflächlichkeiten. Leider passieren dadurch aber eben auch Situationen wie mit der Frau, die PTBS aufgrund ihrer Vergewaltigungen hatte. Diese Folge hatte ich gesehen und fand den Verlauf und das Ende unheimlich schade und traurig. Hätte, wie du schon sagst, nicht sein müssen!
    Allzu kritisch will ich aber dann doch nicht sein, denn ich denke, dass der Haupttenor der Sendung war, Tierheimhunde in ein gutes Licht zu stellen und das ist meiner Meinung nach schon geglückt 🙂

    Liebe Grüße
    Franzi & Toni

    1. Liebe Franzi,
      vielen lieben Dank für dein Feedback.
      Naja, die Frage was ein Sender mit einer Fernsehsendung wirklich möchte, können wir leider nicht wirklich beantworten. Das wird schon nur für die Quote sein, ob sie da Tierheimhunde in ein gutes Licht rücken, wird denen denke ich ziemlich egal sein :-/ Leider 🙁
      Deswegen bin ich mit der Sendung so kritisch ins Gericht gegangen. Man hätte die Sendung mämlich Quoten-und Lehrreich machen können.

      Liebste Grüße

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