Dieser Hund mit Schilddrüsenproblemen wird nie ein normales Hundeleben haben.

Dieser Hund mit Schilddrüsenproblemen wird nie ein normales Hundeleben haben.

Schilddrüsenerkrankte Hunde werden immer noch belächelt, die Krankheit sogar als Modeerscheinung abgetan. Deswegen haben uns mutige Hunderhalter(innen) erzählt, wie belastend ihr Leben mit einem Schilddrüsenkranken Hund ist. Heute möchte Vanessa euch von ihrer geliebten Lilly erzählen:

Der Schilddrüsenkranke Dalmatiner

Lilly ist im Sommer 2012 geboren und eine reinrassige Dalmatinerhündin aus einer kleinen VDH Zucht. Sie ist nicht kastriert, aber ich denke darüber nach. Möchte aber noch etwas abwarten, die letzten Läufigkeiten waren schon deutlich weniger schlimm.

Sie sollte mal ein Therapiebegleithund werden und mich bei der Arbeit begleiten und hat in dem Bereich auch eine Ausbildung gemacht. Mit 6 Monaten war sie der perfect Puppy, mit 9 Monaten würde sie das erst Mal läufig und entwickelte unerklärliche Ängste, teilweise mit Verbellen in eigentlich bekannten Situationen. Mit 12 Monaten habe ich mich entschieden sie aus der Ausbildung zu nehmen, weil sie einfach zu unsicher und stressanfällig wurde. Wir haben daran stetig trainiert, nicht aversiv.

Die Zeit nach der Ausbildung

Dennoch wurde es immer schlimmer. Mit 2,5 Jahren war ich völlig verzweifelt und mit meinem Latein am Ende. Genau wie Lilly. Sie gruselte sich vor allem. Vor der Dunkelheit, vor Geräuschen, vor fremden und auch vor bekannten Menschen, vor anderen Hunden, auch vor befreundeten Hunden. In ihrer Verzweiflung ging sie nach vorn. Sie hat nie gebissen, aber sie stürzte sich lautstark auf alles und jeden, außer auf mich, meine Mutter und meine Schwester. Sie war aber auch uns gegenüber sehr unsicher, entwickelte Angst vor unseren Füßen, wenn wir auf dem Sofa lagen und ergriff dann knurrend die Flucht. Sie hatte manchmal Angst vor Dingen, die man in der Hand hielt. So versteckte sie sich einmal mehrere Minuten unter dem Couchtisch, weil ich einen Kugelschreiber in der Hand hatte. Draußen war sie auch in reizarmer Umgebung völlig gestresst. Sie knallte von links nach rechts und wieder nach links in die Leine. Training war kaum mehr möglich. An manchen Tagen bekam sie vor Aufregung keine Luft mehr und rang minutenlang um Atem. Es war eine sehr schlimme Zeit.

Die Wende

Eine neue TsD Trainerin sagte mir nach dem Erstkontakt, dass mein Hund krank sei. Ich solle sie dringend beim Tierarzt untersuchen lassen. Sie wies auch auf die Schilddrüse hin. Der Tierarzt diagnostizierte dann den Herzfehler und im Blutbild waren die SD-Werte leicht erniedrigt (T4 in der unteren Hälfte der Referenz, fT4 und T3 am unteren Rand, fT3 unten raus) Sie wurde zunächst auf Betablocker eingestellt, die zwar die Herzwerte normalisierten, aber auf die SD und das Verhalten keinen Einfluss hatten. Ich habe mehrfach mich Frau Wergowski telefoniert und Lilly wurde auf Werthyrox eingestellt. Wir dosierten stetig hoch, aber das Verhalten besserte sich kaum. Bei einer Blutkontrolle lag ihr T4 Wert jenseits von gut und böse, während T3 kaum mit anstieg.

Die Katastrophe

Das Verhalten blieb konstant schlecht. An unserem schwarzen Tag kamen wir von einem verhältnismäßig schönen Spaziergang zurück und als ich die Haustür aufschloss, stand dahinter eine Nachbarin. Lilly verbellte sie massiv, sie schlug Lilly ins Gesicht und Lilly hackte zu. Das ganze dauerte keine 2 Sekunden. Zu wenig Zeit für mich um zu reagieren. In Absprache mit Dr. Piturru wurde Lilly dann zusätzlich auf Thybon eingestellt. Wethyrox wurde durch Forthyron ersetzt und runterdosiert. Seitdem machten wir zunächst mini Fortschritte, dann kleine, dann große. Den „Durchbruch“ brachte eine Animal Learn Trainerin aus Brandenburg, Ute Rott.

Sie zeigte mir, wie ich aufhöre zu trainieren und meinem Hund die Unterstützung geben, die sie braucht, damit sie nicht immer angreifen muss. Seitdem können wir fast normal in der Siedlung spazieren gehen, wir können richtig Spaß zusammen haben und ich kann langsam lernen ihr wieder besser zu vertrauen. Dennoch, Lilly wird nie ein normales Hundeleben führen. Sie hat zwar gelernt, dass man wenn man Angst hat, auch weggehen kann, dass man sich Dinge auch aus sicherer Entfernung ansehen kann, dass das Leben manchmal nicht so schlimm ist wie einem scheint und dass sie mir vertrauen kann.

Das Leben mit einem Hund mit Schilddrüsenunterfunktion

Der direkte Kontakt mit fremden Menschen und anderen Hunden ist weiterhin schwierig. Es kann ihr da auch jederzeit zu viel werden, sodass die wieder nach vorn geht. Auch wenn sie niemanden verletzt: auf diese Art findet man nur sehr schwer Freunde. Besonders fremden Menschen fällt es schwer Lilly nicht einfach anzufassen, weil sie so süß ist. Auch deshalb trägt sie in der Siedlung immer ihren Biothanemauli. Da behalten die Leute ihre Hände und Kinder bei sich. Außerdem gibt es mir die Sicherheit, dass sie eine schlimme Situation wie 2015 niemals wieder passieren wird und Lilly gibt er die Freiheit in der Siedlung an langer Leine entspannt schnüffeln zu können.

Die Einsicht

Es ist nicht immer einfach mit Lilly, ganz im Gegenteil. Situationen über die andere kaum nachdenken, erfordern bei uns oft viel Management und Planung. Und ich habe mir das Leben mit ihr wirklich völlig anders vorgestellt. Trotzdem liebe ich sie über alles! Sie ist der schlaueste, aufmerksamste, liebevollste Hund, den man haben kann. Aber sie ist eben auch eine ganz eigene Persönlichkeit, mit einem Haufen Probleme. Sie liebt es auf dem Sofa zugedeckt zu schlafen und sich ganz eng anzukuscheln (solange ich meine Füße nicht bewege) und sie würde sich unter allen Menschen der Welt immer wieder für mich entscheiden. Und ich mich für sie.

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Ihr Lieben, wir wünschen euch weiterhin ganz viele positive Tage und möglichst wenige schlechte. Lilly kann froh sein dich zu haben.

Eure Dini

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