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Warum Hunde lernen dürfen Ruhephasen zu nutzen.

Wenn ich an das Thema „entspannter Hund“ denke, so kommt mir eine Hundetrainerin dabei sofort in den Kopf: Sarah Both von Bothshunde. Wie auch Abby, leidet Sarahs Alma an einer Schilddrüsenunterfunktion. Daher war Sarah quasi von Haus aus gezwungen, sich mit dem Thema entspannter Hund auseinanderzusetzen. Das Thema ist inzwischen ihr Steckenpferd und so eine absolute Institution, wenn es um das Erlernen von Entspannung bei Hunden geht.

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Daher freue ich mich wahnsinnig, dass Sarah bei unserer Entspannungswoche mit dabei ist und uns erklärt, warum Hunde überhaupt lernen dürfen, Ruhephasen zu nutzen:

Der tolle Gastbeitrag von Sarah von Bothshunde

„Warum schläft mein Hund denn nicht, wenn er müde ist?“, „Mein Hund BRAUCHT diese Aktion, sonst ist er nicht ruhig zu kriegen.“, „Sobald ich mich bewege, ist auch mein Hund wach, schlafen kann er nur, wenn alles ruhig ist.“.

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Solche oder ähnliche Sätze hast du vielleicht auch schonmal gesagt.

Vielleicht weißt du sogar, dass Hund theoretisch den überwiegenden Teil des Tages schlafen sollten (bis zu 20h ist völlig normal, ca. 17h scheint für viele Hunde eine Untergrenze zu sein).

Nur – WARUM schlafen die Hunde denn nicht einfach, wenn sie brauchen?!

Der Grund ist: Wir Menschen haben sie so gezüchtet.

Wir Menschen fördern in den Hunden seit Jahrhunderten die Verhaltensweisen, die wir als vorteilhaft empfinden. Ein guter Jagdhund soll feine sinne haben, jederzeit bereit für uns Menschen zu arbeiten. Er soll mit uns zusammenarbeiten, uns jeden Wunsch von den Augen ablesen, immer dann, wenn wir ihn gerade brauchen.

Bis vor ein paar wenigen Jahrzehnten war es nicht nötig, dass der Hund zusätzlich zu der hohen Arbeitsbereitschaft, seiner Kooperationsfreude mit dem Menschen und der großen Reizempfänglichkeit auch noch eine Eigenschaft besitzt, die in unseren aktuellen Alltag enorm wichtig ist. Die Eigenschaft selbstständig Ruhephasen einzuhalten und nicht alle Reize sofort anzunehmen, sondern auch mal alle Fünfe gerade sein zu lassen.

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Begleiten wir einen Jagdhund früher und heute in seinem Alltag.

Harry ist ein Laufhund, gemeinsam mit seinen 20 Kollegen ist er dafür da, das Wild bei einer Jagd vor die Flinte seines Herren zu treiben.

Das kann er richtig gut. Er weiß genau wann er leise sein sollte und wann das Geheul losgehen kann. Im großen Bogen läuft er um das Wild herum und treibt es zielsicher wieder in Richtung der Menschen. Seine Nase und seine anderen feinen Sinne helfen ihm dabei.

Große Jagden bei denen Harry und seine Kollegen gebraucht werden und dann auch mal 3-4 Tage am Stück im Einsatz sind, gibt es nicht mehr als eine handvoll im Jahr. Bei den kleineren Jagden sind die Menschen mit weniger Hunden unterwegs und dementsprechend hat Harry hier nur ab und an einen Job zu erfüllen.

Wenn gerade kein Job ansteht, dann tut Harry nichts. Menschen kommen vorbei um Futter zu verteilen und sonst gibt es nicht viel zu sehen. Harry und die Meute verschlafen die Tage, freuen sich ab und an über vorbeikommenden Besuch und warten gemütlich auf ihren nächsten Einsatz.

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Ist die Jagdsaison vorbei, wird es den Burgherren zu anstrengend eine ganze Meute Hunde durchzufüttern. Einzeln werden sie auf die umliegenden Bauernhöfe verteilt, wo sie den Winter über durchgefüttert werden sollen. Wenn er Glück hat, fällt hier genug Brot ab und er kann die ein oder andere Ratte fangen, so dass er den Winter überlebt um in der nächsten Saison wieder mit durch die Wälder zu laufen.

Einer der Ururururururur… naja ein viele Generationen weiterer Enkel von Harry, heißt Freddy. Er lebt einer Berliner Familie im Jahr 2019.

Die Super-Sinne seines Uruur… Großvaters hat er immer noch. Er sieht ein wenig anders aus, denn die Menschen mögen heute Hunde, die irgendwie niedlicher aussehen. Er kann deswegen vielleicht nicht mehr so ausdauernd laufen wie sein Urahne, aber dafür versteht er die Sprache der Menschen noch besser als dieser.

Freddy vergöttert seine Familie. Da sind die beiden Eltern und drei Kindern, die ihn über alles lieben. Hin und wieder schimpfen sie mit ihm, denn er zieht an der Leine, springt an ihnen hoch und manchmal macht er auch Sachen kaputt. Wenn er im Wald einen wundervollen Hasengeruch in die Nase bekommt, dann gibt es für ihn kein Halten mehr… Naja jedenfalls, bis das Ende der Leine erreicht ist.

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Morgens früh steht er mit Frauchen auf, geht mir ihr die Runde joggen, denn es ist noch dunkel und sein Job ist es ein bisschen aufzupassen. Da ist Freddy richtig stolz drauf. Anschließend bringt er mit Herrchen die Kinder zur Schule und dann gehen sie zu zweit ins Büro. Dort sind ganz viele andere Menschen, die sich freuen ihn zu sehen. Er spielt den Entertainer. Und es gibt so viele spannende Dinge zu entdecken. Eigentlich ist er ja schon etwas müde und die ganzen Eindrücke stapeln sich in seinem Kopf. Er merkt, dass er immer aufgeregter wird, nur weiß er nicht was er dagegen tun kann. Seine Gene wissen nicht wie man solche Reize auch mal ignoriert, er reagiert ganz automatisch.

Am Nachmittag geht er mit Herrchen nach Hause. Die Kinder freuen sich sehr ihn zu sehen und er sich so doll über die Kinder das er vor lauter Aufregung ein bisschen zu doll springt. Sein Zahn hängt in der Jacke fest und ups… schon wieder ein Loch drin. Die Menschen schimpfen, schicken ihn weg. Und er weiß gar nicht wohin mit seiner Aufregung.

Erst abends, wenn die Kinder wieder im Bett sind, kann auf Freddy zur Ruhe kommen. Völlig erschöpft fällt er in sein Körbchen und sein Gehirn beginnt mit der schweren Arbeit die ganzen Eindrücke des Tages zu verarbeiten. (Nur reicht diese kurze Nacht dafür nicht aus und morgen kommen schon wieder neue Dinge dazu.)

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In Freddys Leben gibt es keine Saison, keine automatischen Pausen, keine Zeiten in denen seine Menschen ihn nicht brauchen. Er soll am besten immer und überall dabei sein und alles mitmachen. Sein über Zucht geformtes Verhaltensprogramm kennt keine „Achtung System überlastet – Pause wird eingeläutet“ Signale. Seine Menschen haben ihm nicht erklärt wie das geht. Deswegen agiert er wie sein Uropa und reagiert auf jeden Reiz, der ihm angeboten wird.

In der aktuellen Zeit und in seinem Berliner Leben als Familienhund tut ihm das nicht gut. Er ist überreizt, kann sich schlecht konzentrieren. Er lernt zwar schnell, kriegt aber regelmäßig einen Blackout, einfach weil sein Kopf zu voll ist. Er schläft viel weniger, als ihm guttun würde. Langfristig ist das weder für ihn noch für seine Menschen ein Spaß.

Es liegt in der Verantwortung von Freddys Familie ihm beizubringen, wie er die Ruhephasen, die er braucht, auch nutzen kann. Ihm beizubringen, dass nicht jeder Reiz, jeder Mensch, jedes vorbeilaufen eine Aufforderung ist mitzukommen. Ihm beizubringen wie er sich entspannen kann.

Gar nicht leicht! Immer individuell und dennoch unumgänglich für ein entspanntes und langes Hundeleben.


Ich denke, Sarah hat ganz gut gezeigt, warum es unseren Hunden heutzutage so schwer fällt, sich zu entspannen. Wie ist das denn bei euch? Ob euer Hund gestresst ist, erkannt ihr übrigens an folgenden Anzeichen. Haben eure Hunde gelernt zu entspannen, oder haben sie auch Probleme damit?

Eure Dini

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