Alltägliches,  Erziehung

Tut Kindermund wirklich Wahrheit kund?

Eigentlich wollte ich die Woche keinen Blogbeitrag schreiben, weil wir Besuch haben und meine gesamte Aufmerksamkeit diesem gelten sollte. Jetzt ist unser Besucherkind aber gerade mit dem Herzensmann unterwegs und ich bekomme einen Satz, der heute gefallen ist, nicht aus dem Kopf…

Was also besseres tun als auf meiner kleinen, persönlichen Psychatercouch Platz nehmen und mir die Sorgen von der Seele schreiben?

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Kindermund tut Wahrheit kund.

Glaubt man dem Volksmund, so sprechen Kinder und Betrunkene immer die Wahrheit. Haben sie auch keinen Grund (oder mehr die Kontrolle über sich), etwas anderes zu sagen.

Wenn der Minimensch mir sagt, dass ich schön aussehe, dann tue ich das. Das weiß ich. Er muss mir nicht in den Hintern kriechen, weil er weiß, dass ich ihn sowieso abgöttisch liebe. Also lügt er nicht. (Hoffen wir mal, dass das noch eine Weile so bleibt..)

Und genau aus dem Grund, grübele ich schon den ganzen Tag rum. Ein Satz von ihm schafft es, dass ich mein komplettes Ich hinterfrage und versuche, mich zu reflektieren. Aber irgendwie bin ich noch zu geschockt.

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Was hat er gesagt?

Bevor ich noch weiter abschweife, erst einmal der Satz, der heute alles ins Rollen gebracht hat. Er hat unserem Besuch erklären wollen, wie man mit Abby umgehen muss. Sie haben zu Dritt auf der Terrasse mit einem Ball gespielt. Ich saß im Wohnzimmer, keine 2 Meter von ihnen weg und habe das Dornröschen bespaßt.

Jedenfalls wollten sie, dass Abby den Ball bringt und dann loslässt. Dazu hieß es dann „Abby, aus.“ An sich richtig, so heißt das bei mir auch. Bei mir macht Abby aber auch aus. Bei anderen jetzt eher nicht so. Irgendwie da nur nach Lust und Laune. Tagesformabhängig.

Und dann sagte der Minimensch „Ne, du musst dabei böse gucken“.

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BÄM. Buff. Bitte was?

Er kennt Ball spielen nur von mir. Er weiß, dass ich bei Abby die Hauptbezugsperson bin. Wir erziehen unser Kind nicht mit Strenge, sondern sind der Meinung, dass Kinder durch (gutes) Vorleben Dinge nachmachen. Natürlich werden Situationen erklärt, aber wenn wir etwas nicht gut vorleben, wo sollen es die Kinder dann her haben, es anders zu machen?

Für ihn muss das bedeuten, dass man Abby böse angucken muss, damit sie macht was man sagt. Dass man sie böse anschaut, um den Ball zu bekommen. Natürlich habe ich ein paar Minuten später mit ihr auch Ball gespielt und auch „Abby, aus!“ gesagt. Aber leise, mit netter Stimme und ich habe nicht böse geguckt. In dem Moment habe ich aber auch darauf geachtet.

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Offenbar ist das sonst aber wohl nicht der Fall. Und bisher war es mir nie bewusst…

Ich bin tatsächlich bestürzt darüber. Geschockt, aber auch irritiert. Schaue ich Abby wirklich so oft grimmig an? Man beobachtet sich ja nie selber. Ab jetzt muss ich also darauf achten, wie ich schaue. Dachte ich, ich habe meine Körpersprache inzwischen gut im Griff, habe ich mich wohl getäuscht.

Immerhin möchte ich nicht, dass Abby Angst vor mir hat, sondern dass sie mir vertraut. Und wer würde schon gerne bei jemandem sein, der ständig böse guckt?

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