So wurde Vivien ein Hundemensch

So wurde Vivien ein Hundemensch

Die „Hunde-Krankheit“ wie meine Eltern meine Liebe zu Hunden mit einem schmunzeln betiteln, brach schon früh aus. Bereits als Kleinkind wollte ich immer Kuscheltier Hunde, Bücher über Hunde lesen oder ich habe Hunde gemalt. Mein Vater möchte früher keine Hunde und meine Mutter hatte Angst. Somit hatte ich selten Kontakt zu den vierbeinigen Freunden.
Trotz, dass meine Eltern mir einredeten Hunde seien gefährlich, wollte ich jedem Hund „Hallo“ sagen und ihn streicheln. So fand meine Mutter mich oft, zum erschrecken ihrerseits, bei den Nachbarn am Gartenzaun, während ich deren Hund streichelte. Auch auf der Straße hatte ich keine Scheu fremde Menschen zu fragen, ob ich den Hund streicheln durfte. Und meist ging ich kurz darauf mit einem zufriedenen Grinsen weiter, während meine Mutter sichtlich entspannt war, dass der Hund wieder weg war.
Im Kindergarten hatte ich einen Freund, der zwei Hunde hatte. Einen schon recht alten Schäferhund und einen Husky Welpen. Immer wenn wir uns treffen wollten, wollte ich zu ihm. Natürlich, um mit denen Hunden zu spielen. Meine Eltern auch hier, wenig begeistert.
Oft fiel auf, dass ich absolut keine Angst hatte. Egal wie groß der Hund auch war.

Wir zogen um. Lange Zeit, kein Hund weit und breit, bis ich irgendwann auf dem Nachhauseweg von der Schule einen großen Leonberger an einem Tor entdeckte. Sie stand auf den Hinterläufen und bellte laut. Während ein Freund von mir Angst hatte und beschloss einen Umweg zu gehen, sah ich den fremden Hund still an. Die Straße war dort sehr schmal, sodass ich relativ nahe an dem Tor vorbei musste. Ich fing an mit der Hündin zu reden. Ich erzählte ihr von meinem Schultag und wie viele Hausaufgaben ich dich auf hatte. Irgendwann hörte sie auf zu Bellen und sah mich stattdessen mit gespitzten Ohren und schief gelegtem Kopf an. Sie ging wieder auf alle viere. Irgendwann legte sie sich hin. Ich ging langsam weiter. Ihr Blick folgte mir, doch sie blieb ruhig liegen und hörte mir zu. Noch eine Zeit stand ich vor dem Tor und beobachtete den Hund. Doch irgendwann musste ich dann eben doch nach Hause also ging ich weiter. Am nächsten Tag auf dem Nachhause Weg begann das Spiel von vorn. Jedoch beruhigte die Hündin sich deutlich schneller. So ging das eine ganze Zeit lang, bis sie sich irgendwann gar nicht mehr aufregte, wenn ich kam. Trotzdem stand sie immer am Tor und sah mich an.

An einem Nachmittag lief ich mal wieder den Berg hoch, als ich sah, dass das grüne Tor offen stand. Ich dachte mir nicht dabei, und ging vorbei. Jedoch nicht unbemerkt. Keine drei Schritte später würde ich angestupst. Als ich mich umdrehte stand die große Hündin neben mir. Ein ausgewachsener Leonberger, neben einem recht kleinen Mädchen in der dritten Klasse. Ich streichelte ihr sanft über den Kopf und lächelte, als sie sich kurz darauf auf den Rücken legte und sich von mir am Bauch kraulen ließ. Plötzlich hörte ich über mir eine panische Stimme. Eine ältere Frau schrie wie ich denn so verrückt sein könne und dieses tollwütige Brust anfassen könne. Ich zuckte darauf die Schultern. Ich fand die Hündin nämlich total lieb. Jedoch musste ich auch an diesem Tag irgendwann nach Hause, beschloss jedoch, dass die Hündin nicht allein bleiben konnte. Also lief ich zu der Haustür und klingelte. Die Hündin mir dicht auf den Fersen. Als die Tür geöffnet wurde, erklärte ich, dass ich den Hund gerne nach Hause bringen möchte und verabschiedete mich von ihr. „Nena“, wie ich dann heraus fand, stupste mich sanft an und ging ins Haus. So hatte ich noch einige sehr kuschelige Nachhausewege und wurde Tag für Tag von der Hündin am Tor begrüßt. Inzwischen ist meine Familie mit ihrer befreundet, daher weiß ich, dass Nena mit gerade einmal fünf Jahren über die Regenbogenbrücke gehen musste.

Als ich ungefähr 9 war, bekamen wir neue Nachbarn. Sie hatten einen Chihuahua namens Benni. Benni war allerdings schon 12 Jahre. Für sein Alter jedoch verdankt fit. Und so bekam ich meinen ersten „Pflegehund“. Mehrmals am Tag ging ich mit ihm spazieren und er ging immer freudig mit. Ich brachte ihm „Platz“ bei, was er, aus mir unerklärlichen Gründen, zuvor nicht konnte. Dafür wusste er jedoch, wie man Zebrastreifen benutzte. Da der Hund so schön klein war, war es auch für meine
Eltern ok, mich mit ihm raus zulassen. Allerdings durfte er keine Treppen mehr laufen, was manchmal dich etwas schwierig war. Seine Besitzer trugen ihn dann immer rauf oder hinunter, erklärten mir jedoch, dass er ein Vertrauensproblem hatte und sich von fast keinem hochheben ließ. Als ich gerade einmal drei Wochen später, mit dem kleinen Hund auf dem Arm, die Treppe zur Haustür hinunter lief, erstaunte jeden. Keiner hatte geglaubt, dass der kleine Hund mir überhaupt irgendwann mal
vertrauen würde. Der kleine Benni musste mit mir viel durch machen. Die interessantesten Wege bin ich mit ihm gelaufen. Und wenn er nicht mehr laufen wollte, was er zeigte indem er sich hinlegte und nicht mehr aufstehen wollte, würde er eben getragen.

Vor 2 Jahren mussten wir den dann schon stolze 19 Jahre alten Benni ebenfalls gehen lassen. Er darf nun, ganz ohne Schmerzen, im Himmel weiter toben. In seinen letzten Jahren war ich nicht mehr viel mit ihm spazieren. Dafür umso öfter, saß ich neben ihm auf der Terasse in der Sonne und habe ihn hinter den Ohren gekrault, da er dies so liebte.
Vor ca. 2 ein halb Jahren waren Freunde meiner Eltern zu Besuch. Sie hatten ihren Husky dabei.

Meine Mutter hatte zu den Zeitpunkt ihre Angst schon nahezu abgelegt, aber dazu später mehr. Somit durfte Jazz in den Garten. Nicht ins Haus, aber zumindest in den Garten. Viel habe ich dort mit ihm gespielt, während die Erwachsenen sich unterhielten. Als seine Besitzer nach Hause fuhren,
sagte ich, dass ich ihn nach vorne bringen würde, aber hintenrum (also nicht durchs Haus) gehen würde. Ich ging los und rief ihn mit „Jazz komm wir gehen“ und der Hund folgte mir eilig. Seine Besitzerin stand am Fenster und lächelte, erzählte meine Mutter mit später. Als wir vorne ankamen,
wurde mir gesagt, dass ich ein faszinierendes Gespür für Hunde hätte. Jazz wäre wohl nie zuvor einen nahezu Fremden gefolgt, wenn seine Besitzerin ihn nicht losgeschickt hätte. Bis heute erinnere ich mich gerne an das gute Gefühl in der Brust zurück. Mir wurde schon in der frühen Kindheit oft gesagt, dass ich ein feines Gespür für Tiere habe. Doch umso älter ich wurde, desto stärker wurde dieses Gespür und so muss ich einen Hund heute nur ansehen und merke schon, wie er gelaunt ist. Im Urlaub in Kroatien ist mit beim spazieren gehen, ein Australien Shepherd ins Auge gefallen. Ich habe eine große Vorliebe für diese Rasse und könnte somit den Red Merle farbenen Hund nicht aus den Augen lassen. Schon nach kurzer Zeit drehte dieser sich zu mir um, und sah mir direkt in die
Augen. Mir wurde ganz warm ums Herz. Ich fragte die Besitzer, die praktischerweise Deutsch sprachen, ob ich ihn streicheln dürfe. Die Antwort darauf war ein etwas zögernedes Ja, mit der Erklärung, dass er Fremden gegenüber wohl sehr skeptisch ist. Ich kniete mich mit etwas Abstand vor ihm hin und sprach ihn sanft an. Keine Sekunde später spürte ich das weiche Fell zwischen meinen Beinen und sein Blick auf meinem Gesicht. Ich kraulte ihn sanft. Seine Besitzer sichtlich überrascht,
aber auch erfreut.

Vor drei Jahren nahmen Nachbarn von uns (nicht die mit Benni) einen Welpen aus dem Tierheim auf. Einen schwarzen Labrador Mischling. Bereits als er noch so groß wie ein Baby Kätzchen war, hatte er
alle Herzen der Nachbarschaft erobert. Als er ein halbes Jahr alt war, begann ich mit ihm spazieren zu gehen. Jeden Tag ging ich mit ihm raus. Egal bei welchem Wetter. Und noch heute. Filou ist mein Seelenhund. Er ähnelt mir in so vielem. Er kann genauso aufgedreht sein wie ich es manchmal bin, er liebt neues und Abenteuer und Vor allem spürt er wie es anderen geht. So merkt er immer wie es mir geht. Wann ich gerne mit ihm tobe, wann ich einfach nur laufen möchte und wann ich einfach nur
sein weiches Fell unter meinen Händen und seine feuchte Nase in meiner Halsbeuge brauche.

Wie nennen ihn liebevoll unseren Therapiehund. Meiner Mutter hat er die Angst vor Hunden genommen. Während sie Anfangs noch sehr zurück haltend war, liebt sie ihn heute genauso sehr wie ich es tue. Auch fremden Hunden gegenüber ist sie deutlich offener geworden. Meinem Vater hat er die Abneigung Hunden gegenüber genommen. Während er in der ersten Zeit nur abfällig angesehen wurde, wir heute mit ihm getobt. Mein Vater hat genauso einen Spaß daran gefunden, mit ihm an seinem Kauknoten herum zu zerren und Stöckchen zu werfen wie wir anderen auch.

Für meine Geschwister ist er das beste was passieren konnte. Sie haben beide ADHS. Wenn wir spazieren gehen und ihn mitnehmen, toben sie mit ihm bis alle drei müde sind. Sie haben durch ihn gelernt Rücksicht zu nehmen. So musste ich ihnen nur einmal erklären, dass sie im Auto etwas leiser sein müssen, da Filou viel besser hören kann. So passen wir in allem was sie tun, immer auf Filou auf. Damit sie ihm bloß keinen Schaden zufügen. Und Filou ist der gutherzigste Hund überhaupt. Nicht einmal wurde er beim toben geschubst, (fast) überrollt oder wurde von einem Kleinkind, welches noch nicht verstanden hat, dass es das nicht darf,
auf den Po gehauen. Nie gab er dazu einen Kommentar. Er ging einfach aus dem Weg. Und wenn die Kinder ihn wirklich mal ärgern, knurrt er kurz und geht weg. Also wie ich ein Hundemensch wurde…ich glaube ich war es schon von Anfang an. Es gab keinen Punkt in meinem Leben, an dem sich „alles geändert hat“. Aber es gab sehr viele Erlebnisse, und tolle
Hunde, die mir gezeigt haben, dass ich ein Hundemensch bin! Ich bin 17 Jahre alt und darf noch immer keinen eigenen Hund haben. Jedoch wäre es für mich auch nicht vertretbar, da ich aktuell keine Zeit für einen eigenen Hund habe. Aber ich weiß, dass es für mich kein Leben ohne Hund gibt
und geben wird. Mindestens jeden zweiten Tage pfeife ich für eine Stunde auf alle Verpflichtungen, hole meinen „Therapiehund“ ab und gehe mit ihm spazieren. Ich bin ein Hundemensch und werde
auch immer einer sein.